01. November 2023
Lesezeit ca. 7 Min.

In der Psychotherapie wird für die Bewertung der Erkrankungen stets ein Klassifizierungssystem gebraucht. Man unterscheidet dabei zwischen der ICD-10 und dem triadischen System. Gerade Letzteres besitzt eine lange Tradition und wird heute vornehmlich für die erste Einteilung genutzt. Was sich hinter der Bezeichnung verbirgt, wofür sie steht und wie sie angewandt wird, das erfahren Sie in unserem heutigen Blog-Beitrag.

Wonach teilt der Heilpraktiker für Psychotherapie Erkrankungen ein?

Für den kleinen Heilpraktiker sind zwei verschiedene Systeme maßgebend, mit welchen sich psychische Krankheiten klassifizieren lassen. Das triadische System und die ICD-10.

Das triadische System klassifiziert nach ursächlichen Kriterien (ätiologischen Gesichtspunkten) und die Diagnostik nach der Einteilung in ICD-10 oder auch DSM-IV beschreibt die Klassifizierung nach Faktoren auf phänomenologischer Ebene, das bedeutet, es dreht sich alles die Symptomatik, den Schweregrad der Erkrankung sowie deren Verlauf. ICD steht für international statistical Classification of Diseases von der WHO. DSM wiederum bedeutet Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders von der American Psychiatric Association.

Was ist das triadische System?

Das triadische System klassifiziert nach ursächlichen Faktoren und galt anfangs als Hauptklassifizierungssystem innerhalb psychiatrischer Erkrankungen. Es wurde zu Beginn des zurückliegenden Jahrhunderts erfunden, verlor aber bereits ab den 80er Jahren an Bedeutung. Heutzutage wird es kaum noch für die Diagnostik genutzt, sondern dient lediglich für die simple Einteilung der psychischen Dysbalancen.

Wer erfand das triadische System?

Erste Ursprünge des heute bekannten triadischen Systems stammten von Emil Kraeplin. Besonders bekannt wurde das triadische System aber durch die Aussagen und Erkenntnisse Schneiders und Bleulers. Daraufhin wurden stetige Weiterentwicklungen getätigt, welche unter anderem mit Karl Jaspers und Ernst Kretschmer in Verbindung stehen.

Wie klassifiziert das triadische System?

Das triadische System differenziert hauptsächlich zwischen Dysbalancen mit psychischem Ursprung, die auch als psychogene Störungen bezeichnet werden und einer weiteren Gruppe, die eine körperliche Ursache haben und als Psychosen gelten. Letztere lassen sich dann noch einmal unterteilen in Psychosen, die einen klaren körperlichen Ursprung besitzen und daher als organische Psychosen gelten sowie Psychosen, bei welchen die organische Ursache lediglich vermutet wird, aber noch keine vollständige Klärung erfolgt ist. Hier wäre die Rede von endogenen Psychosen, zu denen auch die Schizophrenie gehört.

Ist das triadische System noch aktuell?

Ja, auch wenn es mittlerweile weniger für die Diagnostik zum Einsatz kommt, nutzt man es, weil es vorhandene psychische Störungen in der Basis sortieren kann und dem Experten dadurch einen exzellenten ersten Überblick verschafft.

Warum wird das triadische System noch genutzt?

Das bekannte triadische System vollzieht eine Unterteilung der psychischen Dysbalancen nach deren Ursprung/Ursache. Es wurde von der ICD-10 abgelöst, wird aber immer noch in Prüfungen abgefragt und lässt sich, wie schon erwähnt, sehr gut verwenden, um psychische Dysbalancen zunächst grob zu unterteilen und sich entsprechend einzuprägen.

Warum wird das triadische System nicht mehr eingesetzt?

Das triadische System geriet in den Hintergrund, da man zunehmend das Gesamtbild einer Erkrankung betrachtet und nicht mehr ausschließlich nach Ursachen klassifiziert. Wichtiger ist es inzwischen, die verschiedenen Symptome und Verläufe ganzheitlich zu betrachten und die Ursachen mit einzubeziehen, statt zunächst die Ursachenforschung in den Vordergrund zu setzen.

Was sind psychogene Störungen?

Im triadischen System beschreiben psychogene Störungen die Erkrankungen, bei welchen ein psychischer Ursprung vorliegt. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Neurosen
  • Störungen der Persönlichkeit
  • Erlebnisreaktionen auf abnormer Ebene
Triadisches System -- mentale Erkrankung

Was sind organische und endogene Psychosen?

Im triadischen System werden organische und endogene Psychosen noch einmal unterteilt. Die Psychosen mit einer klaren körperlichen Ursache, auch organische Psychosen genannt, sind unter anderem zu finden bei:

  • Demenz

Die Psychosen (endogen), bei welchen die körperliche Grunderkrankung lediglich vermutet werden kann, beinhalten Dysbalancen dazu wie:

  • Schizophrenie
  • Manie
  • Depressionen

Was sind die Hauptgruppen im triadischen System?

Im triadischen System gibt es drei Hauptgruppen, die psychogenen Störungen, die organischen Psychosen und die endogenen Psychosen.

1. Organische Psychosen

Bei den organischen oder auch den Psychosen, mit körperlicher Begründung, geht es darum, dass die Betroffenen stets eine ganz eindeutig diagnostizierte Dysbalance haben, welche zu einer primären oder sekundären Schädigung im Hirn führen kann.

Hier wird differenziert zwischen akuten Ausführungen von körperlich begründbaren Psychosen, die für gewöhnlich komplett reversibel sind und als Leitsymptom größtenteils die Störung des Bewusstseins haben sowie die chronischen Psychosen mit körperlichem Ursprung, bei welchen oftmals primäre und nur selten sekundäre Erkrankungen des Gehirns vorliegen. Jene sind irreversibel und die Leitsymptome können organisch-bedingte Änderungen des Wesens sowie Demenz sein.

2. Endogene Psychosen

Endogene Psychosen beschreiben sämtliche Psychosen, bei denen der Ursprung nicht eindeutig und abschließend diagnostiziert wurde oder bei denen der körperliche Ursprung vermutet wird, aber bisher noch weitestgehend unbekannt ist. Hierzu zählt, wie schon genannt, die Schizophrenie. Auch manisch-depressive Krankheiten oder affektive Störungen gehören zu den Psychosen.

Tipp: Bedingt durch die Ungenauigkeit wird meist bei Psychosen dieser Gruppe auf den Zusatzbegriff endogen verzichtet.

3. Psychogene Störungen

Psychogene Störungen sind sämtliche Dysbalancen, die einen rein psychogenen Hintergrund haben und zum Beispiel, wie schon genannt, Erlebnisreaktionen auf abnormer Ebene wie ein Trauma beinhalten.

In welche Kategorie gehören Neurosen?

Auch Neurosen und Störungen der Persönlichkeit wie Psychopathien sind Teil der psychogenen Störungen. Letztere werden gemäß der aktuell-geltenden ICD-10 Richtlinien wie folgt unterteilt:

  1. Angst- und Zwangsstörungen mit Panikattacken oder auch Phobien
  2. Störungen der Persönlichkeit wie Borderline oder Narzissmus
  3. Anpassungs- und Belastungsstörungen als psychische Reaktionen bei chronischen oder akuten Stresssituationen, bei denen die Reaktion des Betroffenen stark über die Norm hinausgeht wie bei der Trauer
  4. Somatoforme Störungen, bei denen es zu körperlichen Symptomen kommt, die keine klare körperliche Ursache wie bei einem Hypochonder
  5. Dissoziative Störungen sowie Konversionen, bei denen es um eine Abspaltung von ganz bestimmten Inhalten des Gedächtnisses oder der Bewegungen von dem Bewusstsein geht. Das bedeutet es handelt es um den Gedächtnisverlust oder Störungen in den Bewegungen

Wird das triadische System in der Heilpraktiker-Prüfung abgefragt?

Ja, innerhalb der Überprüfung geht es noch immer um die drei Hauptgruppen des triadischen Systems. Wichtig zu wissen wäre, dass die endogenen und organischen Störungen stets eine physische Ursache haben.

Darum dürfen Sie als Heilpraktiker für Psychotherapie solche Erkrankungen lediglich begleitend behandeln und müssen Patienten entsprechend an Fachkräfte wie Psychiater oder Psychologen verweisen, sodass Sie ausschließlich als Unterstützung fungieren.

Wie diagnostiziert man im triadischen System?

Innerhalb des triadischen Systems geht es um die Diagnostik nach der sogenannten Schichtenregel. Hierbei spielt die Reihenfolge eine tragende Rolle und es zeigt sich ein Aufbau wie folgt:

  1. neurotisch-psychopathische Erkrankungen
  2. manisch-depressive Erkrankungen
  3. Schizophrenie
  4. organische Erkrankungen

Innerhalb dieser Reihenfolge gibt immer die jeweils tiefste zu erreichende Schicht den ausschlaggebenden Punkt. Das heißt, wenn eine Schizophrenie diagnostiziert wird, würde eine solche Diagnose auch dann noch Bestand haben, insofern im Verlauf noch eine andere Störung wie eine manisch-depressive Dysbalance in Erscheinung tritt. Sie wäre dann eher eine Auswirkung der bereits diagnostizierten Grunderkrankung Schizophrenie. Sollte eine Person wiederum mit der Diagnose manisch-depressiv eingeteilt werden, würde diese als Grunderkrankung gelten, selbst dann, wenn neurotisch-psychopathische Dysbalancen einsetzen, die ebenfalls in dieser Konstellation lediglich Auswirkungen der manisch-depressiven Ursachen sind.

Klassifikationen von Psychosen erlernen

Um innerhalb der Heilpraktik mit Schwerpunkt Psychotherapie erfolgreich diagnostizieren zu können, sollten Sie sich mit den unterschiedlichen Bewertungskriterien auskennen. Auch wenn heutzutage die Klassifizierung nach der ICD-10 bekannt und maßgebend ist, so dient das triadische System weiterhin einer ersten Grundeinteilung und wird in der amtsärztlichen Prüfung zum Heilpraktiker mitunter abgefragt. Um sich auf jene daher gut vorzubereiten, bietet es sich an, einen flexiblen Online-Lehrgang für den Bereich Heilpraktiker für Psychotherapie zu belegen. Hierbei handelt es sich um einen Vorbereitungskurs, der Ihnen die wesentlichen Grundlagen vermitteln soll, ehe Sie sich zur amtsärztlichen Prüfung beim Gesundheitsamt anmelden, ohne die Sie nicht als Heilpraktiker praktizieren dürfen.

Triadisches System -- Heilpraktiker für Psychotherapie

Abschließend lässt sich sagen, selbst wenn das triadische System seinen großen Einfluss verloren hat, so ist es weiterhin aktuell und dient als erfolgreiches Konzept zur ersten groben Einschätzung psychiatrischer Erkrankungen. Ausreichende Kenntnisse über das System sind daher noch immer eine der Grundlagen, um als Heilpraktiker für Psychotherapie zu arbeiten.

Über den Autor
Autorenbild Ulrich Pötter
Ulrich Pötter

Der Autor Ulrich Pötter ist selbst staatlich anerkannter Therapeut und Präventionsexperte. Seit über 20 Jahren beschäftigt er sich mit innovativen Ausbildungskonzepten in den Bereichen Massage, Fitness, Wellness, Heilpraktik und Prävention. Er hat fünf professionelle Akademien gegründet, bei denen er auch heute noch Geschäftsführer und Direktor ist.

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