ADHS: Symptome, Diagnose und Behandlung
ADHS kann bereits im Kindesalter entstehen und zählt mehr Jungen als Mädchen zu den Betroffenen. Auch die Symptome sind unterschiedlich, denn Jungs neigen zur Hyperaktivität, Mädchen sind unkonzentriert. Es gibt eine umfangreiche Anzahl an Symptomen. Wie genau die Erkrankung entsteht, was sie kennzeichnet und wie sich ADHS behandeln lässt, das berichten wir im heutigen Blog-Beitrag.
Key Facts – ADHS
- Was es ist: Eine Störung der neuronalen Entwicklung mit den Leitsymptomen Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität.
- Häufigkeit: Rund 5 bis 6 Prozent der Kinder in Deutschland; bei etwa zwei Dritteln bestehen Symptome im Erwachsenenalter fort.
- Bei Mädchen oft übersehen: Unaufmerksamkeit steht häufiger im Vordergrund als sichtbare Unruhe – die Diagnose fällt deshalb später.
- Diagnose: Gehört in fachärztliche Hände; Fragebögen sind ein Baustein, kein Selbsttest.
- Behandlung: Mehrstufig – Aufklärung und Anpassungen im Umfeld zuerst, Medikamente bei ausgeprägter Symptomatik und stets ärztlich begleitet.
- Zuständigkeit: Diagnose und Verordnung sind ärztlich; Heilpraktiker für Psychotherapie dürfen im Rahmen ihrer Erlaubnis behandeln, nicht diagnostizieren.
Was ist ADHS?
ADHS oder auch „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Störung“ ist eine Störung, die sich auf die neuronale Entwicklung bezieht. Das Syndrom beginnt für gewöhnlich im frühen Kindesalter, kann aber bis in das Erwachsenenalter anhalten. Die Problematik, die mit ADHS verbunden ist, beschränkt sich nicht nur auf die psychische Ebene, sondern zeigt sich auch körperlich in Form von einer permanenten, sehr großen Unruhe.
Wie zeigt sich ADHS?
Urtümliche Bezeichnungen für ADHS waren zum Beispiel hyperkinetisches Syndrom, kurz HKS genannt oder auch frühkindliche Schädigung des Gehirns in leichter Form. Die Dysbalance bezieht sich aber in keinem Fall nur auf Betroffene im Kindesalter, sondern zeigt ein äußerst facettenreiches Erscheinungsbild. Das Erscheinungsbild reicht von deutlicher motorischer Unruhe über ausgeprägte Verträumtheit bis zu Jugendlichen, bei denen Antriebslosigkeit und Selbstzweifel im Vordergrund stehen. Auch Erwachsene in anspruchsvollen Berufen sind betroffen – hohe Begabung und ADHS schließen einander nicht aus. Durch die eben erwähnten Störungen bildet sich meist auch ein gestörtes Sozialverhalten. Dieses könnte sich ebenso zeigen, wenn das Kind in schwierigen sozialen Umständen aufwachsen muss. Wichtig ist dabei die Unterscheidung: Eine Störung des Sozialverhaltens ist eine eigenständige Diagnose, die zusätzlich zu einer ADHS auftreten kann, aber nicht zu ihr gehört. Aus einer ADHS folgt kein bestimmtes Verhalten und schon gar keine Neigung zu Regelverstößen. Impulsivität kann Konflikte begünstigen – über den weiteren Verlauf entscheiden vor allem das Umfeld und die Unterstützung, die ein Kind erhält.
Welche Typen von ADHS gibt es?
Die Abhängigkeit von der Ausprägung der Erkrankung wird bei ADHS daraufhin in unterschiedliche Typen eingeteilt, nämlich:
- Einen Typ mit vorwiegend hyperaktiv-impulsiven Handlungen
- Ein Typ mit vorwiegend unaufmerksamen Handlungen
- Ein Typ, bei welchem sich die unaufmerksamen und die hyperaktiv-impulsiven Handlungen kombinieren
Was löst ADHS aus?
Die Ursachen sind ebenso vielfältig wie das Krankheitsbild selbst. In dem Zusammenhang stehen die Abkürzungen ADHS oder auch ADS immer für Aufmerksamkeits-Defizit-Störung oder Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung. Nach dem heutigen Kenntnisstand zu ADHS lässt sich sagen, dass jenes das Ergebnis von einer fehlerhaften Verarbeitung der Informationen zwischen den einzelnen Abschnitten des Gehirns ist. Eine entscheidende Rolle spielt hierbei auch Dopamin als Nerven-Botenstoff. Zwillings- und Familienstudien zeigen einen hohen erblichen Anteil: Ein großer Teil der Unterschiede zwischen Menschen lässt sich auf genetische Faktoren zurückführen. Das bedeutet nicht, dass ADHS bei einem einzelnen Kind zu einem bestimmten Prozentsatz „vererbt" wäre – es beschreibt, wie stark die Veranlagung insgesamt ins Gewicht fällt. Das Umfeld, in welchem die Kinder aufwachsen, verstärkt daraufhin diese Veranlagung oder schwächt sie ab.
Ebenso geht es um eine Verstärkung der genetischen Grundveranlagung durch Alkohol, Stress oder Zigaretten innerhalb der Schwangerschaft, was auch einen Einfluss auf die Entstehung der Krankheit haben könnte. Rund 5-6 % der Kinder in Deutschland sind aktuell von ADHS betroffen, wobei bei Jungen deutlich häufiger eine Diagnose gestellt wird als bei Mädchen. Weiterhin ist eine Besonderheit an der Erkrankung, dass sich die Ausprägung bei Mädchen und Jungen unterschiedlich zeigt. Jungen neigen zur Hyperaktivität als Hauptmerkmal und Mädchen zu einer gestörten Aufmerksamkeit. Daher wäre es auch möglich, dass ADHS bei einem Mädchen seltener diagnostiziert wird. Rund 2/3 aller Personen gehören zu dem Kreis der Betroffenen, bei denen die Symptome nicht verschwinden, sondern auch im Alter des Erwachsenen weiterhin vorhanden sind.
Was sind typische Symptome bei ADHS?
Als Leitsymptome zeigen sich meist die Impulsivität, die Hyperaktivität und das Aufmerksamkeitsdefizit. Hinzu kommen für gewöhnlich immer mindestens zwei weitere Symptome, auch als Nebensymptome bekannt. Allgemein lassen sich zahlreiche dieser Nebensymptome benennen, die auf ADHS hindeuten könnten.
Zu den deutlichen Warnsignalen zählen unter anderem:
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Schnelles Ablenken
- Permanenter Bewegungsdrang
- Gedankenzerfahrenheit (keine klare Struktur)
- Probleme bei der Priorisierung von Aufgaben
- Fahrige Handlungen
- Sehr schnell gereizt sein und sich angegriffen fühlen
- Impulsivität
- Das ständige Aufschieben von Dingen
- Organisationsprobleme
- Starke Gefühlschwankungen
- Kein Bewusstsein für die Konsequenzen von Handlungen
- Unregelmäßige Essgewohnheiten
- Fehlendes Zeitgefühl
- Antriebslosigkeit und schnelle Langeweile
- Unordnung
- Vergesslichkeit und Unpünktlichkeit
- Unfähigkeit, Gefühle zu differenzieren
- Gestörte Selbstwahrnehmung
Wie diagnostiziert man ADHS?
Die Basis jeder Diagnostik, ganz gleich, ob nun eine andere Dysbalance oder ADHS, ist zunächst die Aufnahme von der Krankengeschichte. Diese Anamnese muss am Anfang einsetzen und auch die Dauer der Symptome sowie die Symptome in Abhängigkeit von der jeweiligen Situation analysieren. Gerade bei der ADHS-Diagnostik wäre eine standardisierte Symptomskala sehr hilfreich. Oftmals wird dazu die Conners-Skala verwendet. Sie beinhaltet diverse Fragebögen, die Lehrer oder Eltern, auch Erzieher ganz unabhängig voneinander ausfüllen, um ein neutrales, objektives und unbeeinflusstes erstes Bild der Symptome zeichnen. Die Auswertung solcher Fragebögen erfolgt nicht über einfache Punktegrenzen, sondern über den Vergleich mit alters- und geschlechtsbezogenen Normwerten – und sie ersetzt keine Diagnose, sondern liefert einen Baustein davon. Eine Auswertung durch Laien ist nicht vorgesehen und führt regelmäßig in die Irre. Unerlässlich für die eindeutige Diagnostik ist aber auch eine körperliche Untersuchung, eine psychologische Untersuchung und die Untersuchung auf psychiatrisch-neurologischer Ebene. Dabei geht es vor allem um das Ausschließen anderer Krankheitsbilder, die auch als Auslöser für die entsprechenden Symptome vorliegen könnten. Dazu zählen zum Beispiel Störungen des Sehvermögens oder des Hörens. Innerhalb der Diagnosestellung geht es hauptsächlich um Untersuchungen auf neuropsychologischer Basis, welche die Fähigkeiten des Intellekts, die Lernfähigkeit und auch die Leistungsfähigkeit sowie eine Störung von Teilleistungen überprüft. Ferner muss ein ADHS-Spezialist wie zum Beispiel ein ausgebildeter Kinderpsychotherapeut hinzugezogen werden, um eine gründliche Diagnostik treffen zu können.
Wie verhält sich ein erwachsener Mensch mit ADHS?
Bei erwachsenen Menschen zeigt sich ADHS oftmals in sehr unkonzentriertem Verhalten. Die Person hat Schwierigkeiten, ihren Alltag problemlos zu meistern, kann sich schwer konzentrieren und besitzt keinerlei Organisationstalent. Ebenfalls hält der Betroffene häufig keine Termine ein, neigt zur Impulsivität und verzettelt sich in seinen Aufgaben.
Was hilft bei ADHS?
Bei einer Behandlung von ADHS gibt es unterschiedliche Maßnahmen. Insgesamt lässt sich sagen, dass sowohl das Kind als auch die Bezugspersonen in der Familie, der Schule oder dem engsten Umfeld ausgiebig beraten sowie unterstützt werden sollten. Dies gelingt durch die Psychotherapie oder eine spezielle Pädagogik. Ferner kommt es zum Einsatz von Pharmakotherapien und einer medikamentösen Begleitung in Form der ADHS-Therapie. Weil ADHS mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine Stoffwechselstörung innerhalb des Systems der Neurotransmitter von dem zentralen Nervensystem ist, konnten sich viele Fachleute inzwischen darüber einig werden, dass in sehr schwierigen und prägnanten Fällen vor allem die medikamentöse Therapie an erster Stelle steht.
Gerade Stimulanzien wie d-Amphetamine oder auch Ritalin sollen innerhalb der Synapsen wirken und zugleich die Dauer der Wirkung von Dopamin als körpereigener Neurotransmitter verlängern. Dies gilt ebenso für Serotonin und Noradrenalin. Die Funktionsfähigkeit der Neurotransmitter, die gerade nicht optimal wirken, soll dem zur Folge normalisiert werden. Neben dieser medikamentösen Therapie sind weitere Maßnahmen und Behandlungen erforderlich. Wie die schon erwähnte Aufklärung und Information bezüglich des ADHS-Syndroms, mit dem Abbau von eventuell auftretenden Schuldgefühlen, dem Bestärken für mehr Selbstvertrauen und einer passenden Verhaltenstherapie. Innerhalb von dieser werden mehrere Lernstrategien vermittelt und es kommt zu Selbstinstruktionsprogrammen, die darauf abzielen, ein Aufmerksamkeitstraining, ein Interaktionstraining für den sozialen Bereich und die familiäre Ebene zu unterstützen.
Heilpraktiker für Psychotherapie werden
Wenn Sie sich noch intensiver mit dieser oder anderen psychischen Störungen auseinandersetzen möchten, dann sollten Sie dies natürlich nicht ohne ausreichende Fachkenntnisse. Gerade für den Fall, dass Sie gerne als psychologischer Berater oder auch Heilpraktiker für Psychotherapie arbeiten wollen, ist es wichtig, eine fachkundige Ausbildung zu belegen. Diese können Sie in der heutigen Zeit bequem online absolvieren. So bereiten Sie sich flexibel von Zuhause, bei freier Zeiteinteilung und in Ihrem eigenen Lerntempo auf die amtsärztliche Überprüfung beim Gesundheitsamt vor. Diese muss dann noch in Präsenz belegt und bestanden werden, dann können Sie als Heilpraktiker für Psychotherapie arbeiten.
Insgesamt lässt sich sagen, dass es viele Menschen gibt, die unter ADHS leiden. Je früher die Symptome erkannt und richtig diagnostiziert werden, desto besser gestaltet sich die Behandlung. Mit passender Unterstützung lässt sich der Alltag deutlich besser bewältigen. ADHS ist kein Hindernis für ein selbstbestimmtes Leben, für Ausbildung, Beruf und stabile Beziehungen – entscheidend sind Verständnis im Umfeld und eine Begleitung, die zur jeweiligen Ausprägung passt.
ADHS bei Mädchen: warum die Diagnose oft später kommt
Dass Jungen deutlich häufiger eine ADHS-Diagnose erhalten als Mädchen, ist gut belegt. Weniger eindeutig ist, ob ADHS bei Jungen tatsächlich häufiger vorkommt — oder ob es bei Mädchen schlicht seltener erkannt wird. Vieles spricht für den zweiten Punkt, und für Eltern von Töchtern ist das die wichtigere Information.
Der Grund liegt in der Art, wie sich die Symptome zeigen:
- Weniger äußere Unruhe: Bei Mädchen steht häufiger die Unaufmerksamkeit im Vordergrund als sichtbare Hyperaktivität.
- Verträumt statt störend: Ein Kind, das im Unterricht abwesend wirkt, fällt weniger auf als eines, das den Unterricht unterbricht — und wird deshalb seltener vorgestellt.
- Angepasstes Verhalten: Mädchen entwickeln oft früh Strategien, Schwierigkeiten zu überspielen. Das kostet Kraft, verdeckt aber die Symptome.
- Andere Begleiterscheinungen: Statt aufbrausendem Verhalten zeigen sich häufiger Selbstzweifel, Ängstlichkeit oder Erschöpfung.
- Späte Diagnose: Nicht selten fällt sie erst in der weiterführenden Schule, im Studium oder im Erwachsenenalter.
Für die betroffenen Mädchen hat das Folgen, die über die Schule hinausreichen. Wer über Jahre hört, sie müsse sich nur mehr anstrengen oder besser aufpassen, entwickelt leicht die Überzeugung, grundsätzlich nicht zu genügen. Eine späte Diagnose bringt deshalb oft weniger eine Überraschung als eine Erleichterung: Vieles, was vorher als persönliches Versagen gedeutet wurde, bekommt endlich eine andere Erklärung.
Wie Eltern mit einem Verdacht umgehen können
Zwischen einem ersten Verdacht und einer belastbaren Einschätzung liegen meist Monate. Diese Zeit lässt sich sinnvoll nutzen — und sie sollte nicht mit Selbsttests aus dem Internet gefüllt werden, die weder eine Diagnose stellen noch ausschließen können.
Was in dieser Phase hilft:
- Beobachtungen notieren: Wann treten Schwierigkeiten auf, in welchen Situationen nicht? Gerade die Ausnahmen sind für die Diagnostik aufschlussreich.
- Mit der Schule sprechen: Lehrkräfte und Erziehende sehen das Kind in einem anderen Rahmen. Ihre Einschätzung fließt in die Diagnostik ohnehin ein.
- Beim Kinderarzt beginnen: Die kinderärztliche Praxis ist der übliche erste Schritt und überweist bei Bedarf weiter.
- Wartezeit einplanen: Termine in der Kinder- und Jugendpsychiatrie haben oft lange Vorlaufzeiten — die Anmeldung lohnt sich früh, auch wenn der Verdacht noch unsicher ist.
- Andere Ursachen offen halten: Schlafmangel, Hör- oder Sehprobleme, Belastungen in der Familie können ähnliche Bilder erzeugen. Der Ausschluss gehört zur Diagnostik dazu.
Wenn eine Diagnose feststeht, stellt sich für viele Familien die Frage, wie sie dem Kind selbst erklärt wird. Bewährt hat sich eine sachliche, wertfreie Sprache: dass das Gehirn Reize anders sortiert und es deshalb schwerer fällt, bei einer Sache zu bleiben — nicht, dass etwas kaputt sei oder das Kind sich nicht genug anstrenge. Kinder übernehmen die Bewertung, die sie hören. Eine Erklärung, die ohne Schuldzuweisung auskommt, entlastet oft die ganze Familie.
Was die Leitlinien zur Behandlung vorsehen
Die Behandlung folgt in Deutschland einem mehrstufigen Vorgehen, das sich am Alter und am Schweregrad orientiert. Der verbreitete Eindruck, auf eine ADHS-Diagnose folge automatisch ein Medikament, trifft nicht zu.
Die tragenden Elemente im Überblick:
- Psychoedukation zuerst: Aufklärung von Kind, Eltern und — mit Einverständnis — der Schule steht am Anfang jeder Behandlung.
- Anpassungen im Umfeld: Struktur, klare Absprachen, Nachteilsausgleich in der Schule. Bei leichter Ausprägung reicht das häufig aus.
- Verhaltenstherapeutische Verfahren: Training für Kinder und Eltern, Aufmerksamkeits- und Selbstinstruktionsprogramme.
- Medikamentöse Behandlung: Vorgesehen bei ausgeprägter Symptomatik und deutlichem Leidensdruck, bei Kindern in der Regel nicht vor dem Schulalter — und stets ärztlich begleitet und regelmäßig überprüft.
- Begleiterkrankungen mitbehandeln: Lese-Rechtschreib-Störungen, Angst oder depressive Symptome brauchen eigene Aufmerksamkeit.
Wichtig ist die Reihenfolge: Das Umfeld wird nicht erst dann einbezogen, wenn andere Maßnahmen nicht greifen, sondern von Beginn an. Und eine medikamentöse Behandlung ersetzt die übrigen Bausteine nicht, sondern ergänzt sie. Über Beginn, Dosierung und Fortführung entscheidet ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Was Heilpraktiker für Psychotherapie leisten dürfen
Weil ADHS ein häufiges Thema in psychosozialen Berufen ist, lohnt ein klarer Blick auf die Zuständigkeiten. Die Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz, beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie, erlaubt einiges — aber längst nicht alles.
| Aufgabe | Zuständigkeit |
|---|---|
| Diagnosestellung ADHS bei Kindern | Kinder- und Jugendpsychiatrie, spezialisierte Praxen |
| Verordnung von Medikamenten | ausschließlich ärztlich |
| Psychotherapie im Rahmen der Erlaubnis | Heilpraktiker für Psychotherapie (privat, ohne Kassenzulassung) |
| Beratung und Begleitung von Angehörigen | auch psychologische Beratung möglich |
| Abrechnung mit der gesetzlichen Krankenkasse | approbierte Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten |
Für die eigene Praxis heißt das: Wer ohne diese Erlaubnis arbeitet, etwa als psychologischer Berater oder Coach, darf weder eine Diagnose stellen noch behandeln. Beratung zu Alltagsstruktur, Lernorganisation oder Entlastung von Angehörigen bleibt möglich — die Behandlung einer diagnostizierten Störung nicht. Diese Grenze offen zu benennen, ist kein Nachteil im Gespräch mit Klientinnen und Klienten, sondern schafft Vertrauen und schützt vor rechtlichen Problemen.
Fazit
ADHS ist häufig, gut beschrieben und dennoch von vielen Missverständnissen begleitet. Zwei davon halten sich besonders hartnäckig: dass eine Diagnose automatisch zu Medikamenten führt, und dass ADHS ein Jungenthema sei. Beides trifft nicht zu. Die Behandlung beginnt mit Aufklärung und Anpassungen im Umfeld, und bei Mädchen wird die Diagnose vor allem deshalb später gestellt, weil sich die Symptome anders zeigen. Für alle, die beruflich mit Betroffenen und Angehörigen arbeiten, gilt dieselbe klare Linie: begleiten und entlasten ja – diagnostizieren und Medikamente beurteilen nein. Diese Grenze zu kennen, ist Teil der fachlichen Kompetenz.
Häufige Fragen zu ADHS
Ist ADHS eine Krankheit?
ADHS ist als Störung der neuronalen Entwicklung in den medizinischen Klassifikationssystemen beschrieben und damit eine anerkannte Diagnose. Der Begriff „Krankheit" trifft es nur teilweise: Es handelt sich um eine dauerhafte Besonderheit der Reizverarbeitung, deren Auswirkungen stark davon abhängen, wie gut das Umfeld darauf eingeht.
Woran erkenne ich ADHS bei meinem Kind?
Einzelne Merkmale wie Unruhe oder Vergesslichkeit kommen bei allen Kindern vor. Für eine ADHS spricht, wenn Symptome über mindestens sechs Monate bestehen, in mehreren Lebensbereichen auftreten – etwa zu Hause und in der Schule – und das Kind spürbar beeinträchtigen. Die Einordnung nimmt eine Fachperson vor.
Warum wird ADHS bei Mädchen später erkannt?
Weil bei Mädchen häufiger die Unaufmerksamkeit im Vordergrund steht und seltener sichtbare Hyperaktivität. Ein verträumtes Kind fällt im Unterricht weniger auf als ein störendes und wird deshalb seltener vorgestellt. Nicht selten erfolgt die Diagnose erst in der Jugend oder im Erwachsenenalter.
Bekommt jedes Kind mit ADHS Medikamente?
Nein. Die Behandlung ist mehrstufig: Am Anfang stehen Aufklärung sowie Anpassungen in Schule und Familie, dazu verhaltenstherapeutische Verfahren. Eine medikamentöse Behandlung ist bei ausgeprägter Symptomatik vorgesehen, bei Kindern in der Regel nicht vor dem Schulalter, und wird ärztlich begleitet.
Wächst sich ADHS aus?
Bei etwa einem Drittel gehen die Symptome bis zum Erwachsenenalter deutlich zurück. Bei den übrigen bleiben sie bestehen, verändern aber ihr Erscheinungsbild – aus sichtbarer Unruhe wird häufiger innere Anspannung, Desorganisation oder Konzentrationsschwierigkeit.
Darf ein Heilpraktiker für Psychotherapie ADHS behandeln?
Im Rahmen der Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz ist psychotherapeutische Arbeit möglich, allerdings privat und ohne Kassenzulassung. Die Diagnosestellung bei Kindern und jede Verordnung von Medikamenten bleiben ärztlich. Wer ohne diese Erlaubnis als Berater oder Coach arbeitet, darf weder diagnostizieren noch behandeln.

