09. Januar 2017
Lesezeit ca. 20 Min.

Isokinetisches Training ist eine gerätegestützte Trainingsform, bei der nicht ein festes Gewicht, sondern eine gleichbleibende Bewegungsgeschwindigkeit vorgegeben wird. Der Widerstand passt sich dabei automatisch der aufgewendeten Kraft an, sodass der Muskel über die gesamte Bewegung gleichmäßig und nahezu maximal belastet wird. Genutzt wird das Prinzip vor allem in der Rehabilitation, in der Leistungsdiagnostik und zunehmend in modernen Fitnessstudios.

Key Facts – Isokinetisches Training

  • Was es ist: Isokinetisches Training (Isokinetik) ist eine gerätegestützte Trainingsmethode mit konstanter Bewegungsgeschwindigkeit statt festem Gewicht.
  • Das Prinzip: Die Geschwindigkeit bleibt gleich, der Widerstand passt sich automatisch der aufgewendeten Kraft an – der Muskel arbeitet so über den gesamten Bewegungsweg nahe an seiner maximalen Belastung.
  • Geräte sind nötig: Ohne computergesteuerte Isokinetik-Geräte ist die Methode kaum umsetzbar; bekannte Beispiele reichen vom Reha-Gerät bis zum Studio-Zirkel von EGYM.
  • Vorteile: hoher und schneller Kraftzuwachs, geringes Verletzungsrisiko, gleichmäßige Belastung in jedem Gelenkwinkel sowie gut messbare Leistungsdiagnostik.
  • Nachteile: teure, spezielle Geräte, begrenzte Verfügbarkeit, wenig Transfer auf Alltags- und Schnellkraftbewegungen und ein hoher Anstrengungsgrad.
  • Einsatz: Rehabilitation nach Verletzungen und Operationen, Leistungssport und Diagnostik sowie gezielter Muskelaufbau im Fitnessstudio.

Wer in der Fitnesstrainer-Ausbildung steht oder sich für effektives Krafttraining interessiert, stößt früher oder später auf den Begriff Isokinetik. In diesem ausführlichen Ratgeber erfahren Sie, was isokinetisches Training genau bedeutet, wie es sich von isotonischem und isometrischem Training unterscheidet, wie es in der Praxis funktioniert und welche Rolle moderne Isokinetik-Geräte wie die von EGYM dabei spielen. Außerdem ordnen wir Vorteile und Nachteile ehrlich ein, damit Sie die Methode sicher beurteilen und sinnvoll einsetzen können.

Isokinetisches Trainingsgerät zur Beinkraft-Reha mit elektronischem Display
© WellnessInPerfektion WIP GmbH (KI)

Was ist isokinetisches Training?

Isokinetisches Training ist eine Trainingsform, bei der die Bewegung mit einer gleichbleibenden Geschwindigkeit ausgeführt wird. Der Begriff stammt aus dem Griechischen: „iso" bedeutet gleich und „kinetik" bezieht sich auf die Bewegung. Die Isokinetik bezeichnet also wörtlich eine Bewegung mit konstanter Geschwindigkeit. Genau hier liegt der entscheidende Unterschied zum klassischen Krafttraining: Nicht das Gewicht ist festgelegt, sondern das Tempo der Bewegung.

Die Bedeutung der Isokinetik erschließt sich am besten über das zugrunde liegende Prinzip. Bei einem isokinetischen Gerät bleibt die Bewegungsgeschwindigkeit über den gesamten Bewegungsweg gleich, während sich der Widerstand fortlaufend an die Kraft anpasst, die der Trainierende gerade aufbringt. Drückt oder zieht eine Person also kräftig, erhöht das Gerät den Widerstand; lässt die Kraft nach, sinkt der Widerstand entsprechend. Das Ergebnis ist eine maximale, aber stets kontrollierte Belastung des Muskels über die komplette Bewegung hinweg.

Um zu verstehen, warum dieser Ansatz so besonders ist, lohnt ein Blick auf die Schwächen des klassischen Trainings. Klassisches Training mit Gewichten und Hanteln hat einen entscheidenden Schwachpunkt: Der Muskel wird nur während eines Teils der Bewegung optimal trainiert. Wird etwa eine Hantel durch die Beugung des Unterarms zur Schulter gezogen, dann ist der Bizeps nur dann im vollen Einsatz, wenn Unter- und Oberarm einen rechten Winkel bilden. Vorher zieht die Hantel zwar an der Armmuskulatur, aber der Bizeps ist deutlich weniger beteiligt. Der spürbare Widerstand eines festen Gewichts ist beim Training mit Hanteln also nicht über den gesamten Bewegungsweg gleich. Die Isokinetik gleicht genau dies aus: Hier trainieren Sie beziehungsweise Ihre Klienten gegen einen jederzeit angepassten Widerstand, der den Muskel in jeder Phase fordert.

Anschaulich lässt sich das mit dem Training im Wasser vergleichen. Das Wasser leistet einen Widerstand, der bei jeder Bewegung bewältigt werden muss und mit der Geschwindigkeit der Bewegung zunimmt. Wer im Wasser schneller drückt, spürt mehr Widerstand. Genauso verhält sich ein isokinetisches Gerät: Es werden keine Gewichte eingestellt, sondern eine Bewegungsgeschwindigkeit vorgegeben. Je schneller eine Drück- oder Ziehbewegung ausgeführt wird, desto größer ist der Widerstand des Geräts. Der Trainingseffekt entsteht, weil der Trainierende immer versucht, schneller zu arbeiten, als das Gerät es zulässt – und so durchgehend gegen einen hohen, aber sicheren Widerstand anarbeitet.

Diese Funktionsweise erklärt zugleich, warum die Isokinetik vielfach als besonders effiziente Trainingsform beschrieben wird. Während bei einem festen Gewicht immer der schwächste Punkt der Bewegung darüber entscheidet, wie viel Last überhaupt bewegt werden kann, ist diese Begrenzung bei der Isokinetik aufgehoben. Der Muskel kann in jeder Phase genau so viel Kraft abrufen, wie er gerade leisten kann, und erhält dafür stets einen passenden Gegenwiderstand. Diese gleichmäßige Auslastung über den kompletten Bewegungsweg ist der Kern der Isokinetik und macht zugleich ihre Bedeutung für Reha und Diagnostik aus, wo es auf eine kontrollierte und reproduzierbare Belastung ankommt.

Isokinetisch, isotonisch, isometrisch – die Unterschiede

Im Kraftsport werden drei Grundformen der Muskelarbeit unterschieden. Sie lassen sich anhand der Frage abgrenzen, was beim Training konstant bleibt: die Spannung, die Länge oder die Geschwindigkeit. Wer diese Begriffe sauber trennt, versteht die Isokinetik deutlich besser.

Beim isotonischen Training (etwa mit Hanteln oder an klassischen Geräten) bleibt das Gewicht und damit annähernd die Muskelspannung gleich, während sich der Muskel verkürzt oder verlängert. Beim isometrischen Training arbeitet der Muskel gegen einen unbeweglichen Widerstand – die Muskellänge bleibt gleich, es findet keine sichtbare Bewegung statt, etwa beim Halten einer Position. Beim isokinetischen Training schließlich bleibt die Geschwindigkeit konstant, während sich der Widerstand laufend anpasst. Die folgende Übersicht fasst die drei Formen zusammen:

FormWas bleibt konstant / WiderstandBeispiel
IsotonischGewicht bzw. Spannung bleibt gleich, Bewegung erfolgt frei; Widerstand ist über den Bewegungsweg nicht gleichmäßig wirksam.Bizeps-Curl mit der Hantel, klassisches Gerätetraining
IsometrischMuskellänge bleibt gleich, keine sichtbare Bewegung; Widerstand ist unbeweglich.Wandsitz, Plank, Drücken gegen eine feste Wand
IsokinetischGeschwindigkeit bleibt gleich; der Widerstand passt sich der aufgewendeten Kraft an.Isokinetisches Reha-Gerät, EGYM-Zirkel im Studio

In der Praxis ergänzen sich diese Formen oft. Isometrische Übungen sind ideal für die Stabilisation, isotonisches Training ist im Alltag und beim freien Hanteltraining am verbreitetsten, und die Isokinetik spielt ihre Stärken dort aus, wo eine gleichmäßige, kontrollierte und gut messbare Belastung gefragt ist.

Wie funktioniert isokinetisches Training in der Praxis?

Der größte praktische Vorteil der Isokinetik ist das individuelle Training bei jeder Bewegung. Die Intensität der Übung steuert der Trainierende selbst: Es wird kein Gewicht vorgegeben und keine feste Laufgeschwindigkeit eingestellt. Stattdessen lässt sich die Intensität des Trainings in jedem Moment variieren. Wer mehr leisten will oder kann, bewegt das trainierte Körperteil einfach schneller; wer eine Pause im Tempo braucht, bewegt es langsamer. Das Gerät reagiert sofort mit einem angepassten Widerstand. Möglich machen dies spezielle, computergesteuerte Kraftgeräte.

Vor dem Training stellt die betreuende Fachkraft das Gerät ein und baut einen sogenannten Kraftblock auf. Dabei wird eine Grundspannung oder Bewegungsintensität festgelegt, die der Trainierende mindestens erreichen muss. Sie entspricht dem minimalen Niveau, das ohne besondere Muskelanspannung erreicht wird, etwa durch einen leichten Zug am Trainingsgerät. Das Gerät „merkt" sich die Intensität des Zugs und hält den Widerstand im Sinne eines Kraftblocks aufrecht. Gegen diesen Widerstand wird antrainiert, sodass das Gerät eine gleichbleibende Leistung vom Muskel einfordert.

Ein konkretes Beispiel für isokinetisches Training zeigt, wie fein dosierbar die Methode ist – etwa nach einer Knie-Operation. Wer eine solche Operation hinter sich hat, etwa die Implantation eines künstlichen Gelenks, kann das Knie zunächst nur eingeschränkt bewegen. Es fällt schwer, das Knie zu beugen, und von einer normalen Beugefähigkeit sind Betroffene anfangs oft weit entfernt. In der Isokinetik wird gemessen, wie weit das Knie problemlos gebeugt werden kann. Diese Gradzahl der Beugung wird als Mindestbeugung eingestellt. Beim Training bewegt sich die Schiene des Geräts kontrolliert auf und ab, und der Trainierende wird angeleitet, die Beugung über diese Mindestgradzahl hinaus zu steigern. Der dafür erforderliche Kraftaufwand stärkt die Muskeln des Beines, ohne das frisch operierte Gelenk zu überfordern.

Typisch für eine isokinetische Einheit ist außerdem die enge Verbindung von Training und Messung. Viele Geräte erfassen während der Übung kontinuierlich die abgegebene Kraft und zeigen sie als Kurve auf einem Display an. So sieht der Trainierende unmittelbar, an welchem Punkt der Bewegung er am stärksten und an welchem er am schwächsten ist. Diese direkte Rückmeldung wirkt motivierend und erlaubt es zugleich, das Training sehr genau zu steuern. Eine Übung wird in der Regel über mehrere Wiederholungen mit gleichbleibendem Tempo durchgeführt; die Geschwindigkeit kann je nach Ziel höher oder niedriger gewählt werden. Langsamere Geschwindigkeiten erlauben einen höheren Kraftaufwand, während höhere Geschwindigkeiten eher die Bewegungsschnelligkeit ansprechen. Genau diese Steuerbarkeit unterscheidet die Isokinetik vom freien Hanteltraining, bei dem das Tempo allein vom Trainierenden abhängt.

Person trainiert aus der Distanz an einem isokinetischen Studio-Gerät im Gerätezirkel
© WellnessInPerfektion WIP GmbH (KI)

Isokinetik-Geräte: von der Reha bis zu EGYM

Isokinetisches Training ist ohne passende Technik praktisch nicht umsetzbar, denn ein konstanter, sich selbst anpassender Widerstand lässt sich mit Hanteln oder Gewichtsplatten nicht erzeugen. Ein isokinetisches Gerät arbeitet daher mit einem computergesteuerten Widerstandssystem: Sensoren erfassen laufend die aufgewendete Kraft und das Bewegungstempo, und eine Steuerung regelt den Widerstand so, dass die vorgegebene Geschwindigkeit konstant bleibt. Solche Maschinen finden sich klassisch in der medizinischen Rehabilitation, in der Sportmedizin und in der Leistungsdiagnostik, wo sie nicht nur zum Training, sondern auch zum exakten Messen der Muskelkraft eingesetzt werden.

In den vergangenen Jahren ist die Isokinetik auch in modernen Fitnessstudios angekommen. Ein bekanntes Beispiel ist der Gerätezirkel von EGYM, der unter anderem mit einem isokinetischen Modus arbeitet. Wer sich fragt, wie das EGYM-Prinzip funktioniert: Die Geräte erkennen über einen Chip oder eine App den jeweiligen Nutzer, laden dessen Einstellungen automatisch und passen den Widerstand elektronisch an. Im isokinetischen Modus geben die EGYM-Geräte – ähnlich wie professionelle Reha-Geräte – eine gleichbleibende Bewegungsgeschwindigkeit vor und regeln den Widerstand fortlaufend so, dass der Muskel in jeder Phase der Bewegung gefordert wird.

Zur Erklärung der EGYM-Isokinetik gehört auch der Hintergrund für den Muskelaufbau: Weil der Widerstand sich an die aktuelle Kraft anpasst, arbeitet der Muskel über den gesamten Bewegungsweg nahe an seiner Belastungsgrenze, ohne dass an einem einzelnen Punkt eine unkontrollierte Spitzenlast entsteht. Genau diese gleichmäßige, hohe Auslastung gilt als wirksamer Reiz für den Muskelaufbau. Wichtig ist dabei eine nüchterne Einordnung: EGYM ist hier lediglich ein bekanntes Beispiel für die technische Umsetzung des isokinetischen Prinzips im Studio. Die Methode selbst ist nicht an einen Hersteller gebunden, und vergleichbare isokinetische Systeme werden in Reha-Einrichtungen und Trainingszentren unterschiedlicher Anbieter genutzt.

Für die Praxis im Studio ergibt sich daraus ein angenehmer Nebeneffekt: Weil das Gerät den Widerstand selbst regelt, entfällt das mühsame Auflegen und Wechseln von Gewichtsscheiben. Der Trainierende muss kein passendes Gewicht abschätzen und kann auch nicht versehentlich zu schwer einsteigen. Wer mehr leisten möchte, drückt einfach kräftiger – das Gerät zieht automatisch mit. Das senkt die Einstiegshürde besonders für Einsteigerinnen und Einsteiger sowie für ältere Trainierende, die sich an freien Gewichten unsicher fühlen. Gleichzeitig dokumentieren viele dieser Systeme jede Einheit digital, sodass sich der Fortschritt über Wochen und Monate nachvollziehen lässt. Für die Betreuung durch eine Trainerin oder einen Trainer ist das ein wertvolles Werkzeug, weil sich Trainingspläne auf Basis echter Messwerte anpassen lassen statt auf reiner Selbsteinschätzung.

Vorteile des isokinetischen Trainings

In einer fundierten Fitnesstrainer-Ausbildung lernen Sie die entscheidenden Vorteile des Trainings an isokinetischen Geräten kennen – und ebenso, wie Sie dieses Wissen verständlich an Ihre Klienten vermitteln. Die wesentlichen Stärken des isokinetischen Trainings lassen sich klar benennen:

  • hoher und vergleichsweise schneller Kraftzuwachs
  • geringes Verletzungsrisiko durch den angepassten Widerstand
  • gleichmäßige Belastung über die volle Bewegungsamplitude
  • gute Eignung für verletzte oder vorbelastete Personen
  • präzise messbare und damit gut dosierbare Leistung (Leistungsdiagnostik)

Besonders auffällig ist die Effektivität beim Kraftzuwachs. In der Ausbildung erleben angehende Trainerinnen und Trainer praktisch, wie effektiv ein isokinetischer Ansatz arbeitet, weil der Muskel über die gesamte Bewegung gefordert wird statt nur an einem Punkt. Auch Muskeldysbalancen – ein gestörtes Zusammenspiel verschiedener Muskeln – lassen sich mit der Methode gezielt angehen, weil sich beide Seiten oder gegenspielende Muskelgruppen exakt vergleichen und einzeln belasten lassen.

Ein weiterer großer Pluspunkt ist das geringe Verletzungsrisiko. Als Fitnesstrainer arbeiten Sie nicht nur mit sportlichen und fitten Klienten. Manche Kunden leiden unter Gelenkbeschwerden, andere weisen nach einem Unfall Bewegungseinschränkungen auf. Für diese Personengruppe ist das Training in der Isokinetik gut geeignet. Mit dem entsprechenden Know-how passen Sie die Geräte an die individuellen Bedürfnisse an und können auch geschwächte Klienten mit nur geringem Verletzungsrisiko begleiten. Anhand der individuellen Leistungsfähigkeit wird der Widerstand des Geräts geregelt: Ist der Kraftaufwand zu hoch, muss der Trainierende lediglich langsamer arbeiten. Ungewollte Beschleunigungen oder Überlastungen werden so weitgehend vermieden.

Schließlich ermöglicht die Isokinetik ein Training in jedem Winkel eines Gelenks. Muskeln können nicht in jeder Position dieselbe Kraft aufbringen – das kennt man von Liegestützen, die kurz über dem Boden am schwersten fallen. Beim klassischen Training liegt der begrenzende Faktor an diesem schwächsten Punkt der Bewegung. Beim isokinetischen Training ist der Widerstand hingegen angepasst und wirkt in jedem Gelenkwinkel gleichmäßig, sodass die Kraft über die volle Bewegungsamplitude entwickelt wird. Zugleich liefern die Geräte exakte Messwerte, die sich für eine objektive Leistungsdiagnostik und für die Verlaufskontrolle nutzen lassen.

Nachteile und Grenzen der Isokinetik

So überzeugend die Vorteile sind – ein vollständiges Bild gehört dazu. Wer isokinetisches Training fair beurteilen will, muss auch die Nachteile kennen. Denn die Methode hat klare Grenzen, die in der Praxis darüber entscheiden, ob sie überhaupt sinnvoll einsetzbar ist. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Teure, spezielle Geräte: Isokinetik braucht computergesteuerte Maschinen, die in der Anschaffung und Wartung deutlich aufwendiger sind als Hanteln oder klassische Geräte.
  • Begrenzte Verfügbarkeit: Solche Geräte stehen längst nicht in jedem Studio, sodass ein durchgängiges Training nicht überall möglich ist.
  • Wenig Transfer auf den Alltag: Die geführte, gleichmäßige Bewegung trainiert Schnellkraft, Koordination und freie Alltagsbewegungen nur eingeschränkt.
  • Hoher Anstrengungsgrad: Weil der Muskel über die gesamte Bewegung nahe der Maximalbelastung arbeitet, kann isokinetisches Training subjektiv sehr anstrengend sein.
  • Kein Ersatz für vielseitiges Training: Als alleinige Methode greift die Isokinetik zu kurz und sollte freies sowie funktionelles Training ergänzen, nicht ersetzen.

Gerade der letzte Punkt ist in der Beratung wichtig. Isokinetisches Training ist sehr wirksam für gezielten Kraftaufwand an isolierten Bewegungen, doch der Körper bewegt sich im Alltag und im Sport selten mit konstanter Geschwindigkeit gegen einen geführten Widerstand. Explosive Bewegungen, Stabilisation auf instabilem Untergrund und das Zusammenspiel ganzer Muskelketten lassen sich isokinetisch nur begrenzt abbilden. Deshalb ist die Isokinetik am stärksten als ergänzendes Werkzeug zu verstehen – nicht als Allheilmittel, das herkömmliches Krafttraining vollständig ersetzt.

Ulrich Pötter, SWAV-Akademie
Ulis Tipp aus der Praxis

In der Fitnesstrainer-Ausbildung ordne ich die Isokinetik immer als wertvolles, aber spezialisiertes Werkzeug ein. Ihre größte Stärke spielt sie in der Rehabilitation und in der Leistungsdiagnostik aus, wo es auf einen sicheren, gleichmäßigen Widerstand und auf exakte Messwerte ankommt. Für das alltagsnahe Ziel „beweglich, kräftig und belastbar im echten Leben" bleibt für mich freies und funktionelles Training mindestens genauso wichtig. Ich rate Ihnen deshalb: Lernen Sie die Isokinetik gründlich kennen, aber setzen Sie sie gezielt ein – als Teil eines durchdachten Trainingsplans, nicht als einzige Methode.

Anwendungsbereiche und für wen geeignet

Aus den beschriebenen Stärken und Grenzen ergeben sich drei klassische Einsatzfelder der Isokinetik. Sie zeigen zugleich, für wen die Methode besonders geeignet ist.

Das wichtigste Feld ist die Rehabilitation nach Verletzungen und Operationen. Weil sich der Widerstand exakt an die aktuelle Leistungsfähigkeit anpasst, lassen sich Muskeln rund um ein frisch operiertes oder verletztes Gelenk schonend aufbauen, ohne es zu überlasten. Wichtig ist dabei: In der Reha sollte isokinetisches Training ausschließlich unter fachlicher Anleitung – etwa durch Physiotherapie oder ärztlich begleitete Therapie – erfolgen. Die hier beschriebenen Inhalte ersetzen keine medizinische Beratung oder Behandlung.

Das zweite Feld ist der Leistungssport und die Diagnostik. Isokinetische Geräte messen die Muskelkraft sehr genau und können dabei zum Beispiel Seitenunterschiede oder muskuläre Dysbalancen aufdecken. Diese objektiven Daten helfen, Trainingspläne anzupassen und den Trainingsfortschritt nachvollziehbar zu dokumentieren. Drittens gewinnt der gezielte Muskelaufbau im Fitnessstudio an Bedeutung, seit Systeme wie EGYM die Technik einem breiteren Publikum zugänglich machen. Geeignet ist isokinetisches Training damit für vorbelastete Personen in der Reha, für ambitionierte Sportlerinnen und Sportler mit Diagnostik-Bedarf sowie für Studiogäste, die einen kontrollierten, gut dosierbaren Kraftreiz suchen.

Für die Beratung als Fitnesstrainer ist eine ehrliche Erwartungshaltung entscheidend. Isokinetisches Training ist kein Ersatz für ein ausgewogenes Gesamtkonzept, sondern ein Baustein, der gezielt eingesetzt seine Stärken entfaltet. Wer beispielsweise nach einer Verletzung wieder Kraft aufbauen möchte, profitiert in der ersten Phase stark von der kontrollierten Belastung. Sobald jedoch Alltagsfunktion, Koordination und Schnellkraft im Vordergrund stehen, sollten freie Übungen, funktionelles Training und Bewegungsformen mit dem eigenen Körpergewicht hinzukommen. So lassen sich die Vorteile der Isokinetik mit den Anforderungen des echten Lebens verbinden. Wichtig bleibt: Bei gesundheitlichen Einschränkungen oder nach Operationen ist immer eine ärztliche oder therapeutische Abklärung sinnvoll, bevor ein Trainingsplan startet.

Fazit

Isokinetisches Training ist eine durchdachte, gerätegestützte Methode, bei der die Bewegungsgeschwindigkeit konstant bleibt und sich der Widerstand laufend an die aufgewendete Kraft anpasst. Daraus ergeben sich klare Vorteile: ein gleichmäßig hoher Reiz über die gesamte Bewegung, ein geringes Verletzungsrisiko und präzise messbare Werte für die Leistungsdiagnostik. Ebenso ehrlich gehören die Nachteile dazu – teure Spezialgeräte, eingeschränkte Verfügbarkeit, ein begrenzter Transfer auf Alltags- und Schnellkraftbewegungen und ein hoher Anstrengungsgrad. Am stärksten ist die Isokinetik in der Rehabilitation, in der Diagnostik und als ergänzender Baustein im Studio. Wer Trainingsmethoden wie diese fundiert verstehen und sicher anwenden möchte, baut sich mit einer seriösen Ausbildung das nötige Wissen über Anatomie, Trainingsformen und Dosierung auf.

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Häufige Fragen zum isokinetischen Training

Was ist isokinetisches Training?

Isokinetisches Training ist eine gerätegestützte Trainingsform mit gleichbleibender Bewegungsgeschwindigkeit. Der Widerstand passt sich dabei automatisch der aufgewendeten Kraft an, sodass der Muskel über die gesamte Bewegung gleichmäßig und nahezu maximal belastet wird.

Wie funktioniert isokinetisches Training?

Ein computergesteuertes Gerät gibt eine konstante Geschwindigkeit vor und regelt den Widerstand fortlaufend. Wer kräftiger drückt oder zieht, erhält mehr Widerstand; lässt die Kraft nach, sinkt er. So bleibt die Belastung in jedem Gelenkwinkel hoch, ohne dass an einem einzelnen Punkt eine Spitzenlast entsteht.

Was sind die Vorteile und Nachteile?

Vorteile sind ein hoher und schneller Kraftzuwachs, geringes Verletzungsrisiko, gleichmäßige Belastung über die volle Bewegung sowie messbare Leistungsdaten. Nachteile sind teure Spezialgeräte, begrenzte Verfügbarkeit, ein eingeschränkter Transfer auf Alltags- und Schnellkraftbewegungen sowie ein hoher Anstrengungsgrad.

Was ist isokinetisches Training bei EGYM?

EGYM ist ein bekanntes Beispiel für einen Gerätezirkel im Fitnessstudio, der unter anderem einen isokinetischen Modus bietet. Die Geräte erkennen den Nutzer, laden seine Einstellungen automatisch und regeln den Widerstand elektronisch so, dass die vorgegebene Geschwindigkeit konstant bleibt und der Muskel über den gesamten Bewegungsweg gefordert wird.

Wofür wird Isokinetik eingesetzt?

Isokinetik wird vor allem in der Rehabilitation nach Verletzungen oder Operationen, in der Leistungsdiagnostik des Sports sowie zum gezielten Muskelaufbau im Fitnessstudio genutzt. In der Reha sollte das Training ausschließlich unter fachlicher Anleitung erfolgen.

Ist isokinetisches Training anstrengend?

Ja, isokinetisches Training kann subjektiv sehr anstrengend sein, weil der Muskel über die gesamte Bewegung nahe an seiner Belastungsgrenze arbeitet. Gleichzeitig bleibt die Belastung dank des angepassten Widerstands kontrolliert, sodass das Verletzungsrisiko gering ist.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. Wikipedia: Isokinetisches Training – Prinzip, Geräte & Anwendung
  2. Wikipedia: Krafttraining – Methoden, Trainingsformen & Wirkung
  3. Wikipedia: Isometrisches Training – Abgrenzung der Kontraktionsformen
Ulrich Pötter

Ulrich Pötter

Geschäftsführer & Ausbildungsexperte der WellnessInPerfektion WIP GmbH

Ulrich Pötter ist Gründer und Geschäftsführer der WellnessInPerfektion WIP GmbH und seit über 25 Jahren als staatlich anerkannter Therapeut tätig. Er ist Autor mehrerer staatlich zugelassener Fernlehrgänge (Klett-Verlag) und verantwortet die fachliche Qualität aller Lehrgänge.

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Über den Autor
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Ulrich Pötter

Der Autor Ulrich Pötter ist selbst staatlich anerkannter Therapeut und Präventionsexperte. Seit über 20 Jahren beschäftigt er sich mit innovativen Ausbildungskonzepten in den Bereichen Massage, Fitness, Wellness, Heilpraktik und Prävention. Er hat fünf professionelle Akademien gegründet, bei denen er auch heute noch Geschäftsführer und Direktor ist.

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