27. Februar 2017
Lesezeit ca. 6 Min.

Wenn der Rücken schmerzt, müssen nicht immer die Bandscheiben schuld sein. Häufiger verursachen Verklebungen des Bindegewebes die Beschwerden. Die Faszien können Sie mit Spa-Anwendungen und gezielten Dehnübungen lockern. Ähnlich wie Muskeln lassen sich auch Faszien trainieren - ein spannendes Aufgabenfeld für Fitnesstrainer.

Faszientraining ist aktuell zu einem wahren Modebegriff im Bereich Spa und Wellness geworden. Aber was sind Faszien genau? Der Begriff steht im Lateinischen für "Bündel". Gemeint sind damit die Weichteile des Bindegewebes, die über den gesamten Körper reichen. Dazu gehören Organ- und Gelenkkapseln, Bänder und Sehnen sowie flächige Bindegewebsschichten, etwa die Weichteile an der Fußsohle. Vereinfacht gesagt, sind Faszien Bindegewebe.

Faszien registrieren jede Bewegung

Faszien bilden ein Netzwerk um den Körper und geben ihm Struktur. Diese wichtige Aufgabe ist Voraussetzung für die Funktionsweise der Organe und eine aufrechte Körperhaltung. Muskelhüllen, Weichteile und Sehnen sind aber keine leblosen Verpackungen. Die Faszien sind ein wichtiges Sinnesorgan und spielen eine bedeutende Rolle bei der Körperwahrnehmung. Hier befinden sich zahlreiche Rezeptoren, die Körperbewegungen registrieren und dem Gehirn entsprechende Rückmeldungen geben. Beispielsweise wird durch diese Rezeptoren erfasst, welche Position Arme und Beine gerade haben, ob der Körper im Gleichgewicht ist und wie viel Kraft auf einen Punkt ausgeübt wird.

Verschiedene Arten von Faszien Es gibt oberflächliche Faszien im Unterhautgewebe, etwa um Organe und Drüsen herum. Lymphgefäße und Nervenbahnen sowie Blutgefäße führen durch diese oberflächlichen Faszien hindurch. In dichten und faserreichen Schichten des Bindegewebes befinden sich die tiefen Faszien. Sie umschließen Muskeln und Knochen sowie tiefer liegende Nervenbahnen und Blutgefäße. Eine dritte Form der Faszien sind viszerale Schichten. Der Begriff "viszeral" deutet darauf hin, dass die Faszien Organe umhüllen. Sie stellen eine Aufhängung für wichtige Organe dar, damit diese im Körper am richtigen Platz bleiben. Jedes Organ ist mit Membranen umgeben und so in das Gewebe ringsherum eingebettet, dass es optimal arbeiten kann. Durch verschiedene Ursachen können jedoch Probleme mit den Faszien auftreten, die dann zu Beschwerden führen.

Faszien können für Rückenschmerzen verantwortlich sein

Mediziner vermuten, dass Faszien für einen großen Teil der Rückenprobleme verantwortlich sind. Denn bei nur 20 Prozent der Patienten mit Rückenbeschwerden lässt sich eine eindeutige Ursache finden, etwa eine Bandscheibenvorwölbung. Der Großteil der Betroffenen leidet unter unspezifischen Schmerzen, die durch eine Röntgenaufnahme oder ein MRT nicht immer klar abbildbar sind. Dahinter können funktionelle Störungen der Weichteile und Muskeln stecken. Hauptursachen sind Fehlhaltungen oder mangelnde Bewegung.

Ein gestörtes Zusammenspiel von Muskeln und Faszien

Durch unzureichende Aktivität der Muskeln werden die Faszien steif und unbeweglich. Körperpartien sind dann nicht mehr fein aufeinander abgestimmt, das Zusammenspiel der Gewebe ist gestört. Wer etwa viel sitzt, bringt seine Muskeln immer wieder in eine Zwangshaltung. Die Schultern sind besonders bei Schreibtischtätigkeiten leicht angespannt und die Schultermuskeln schwellen an. Die Faszie um den Muskel herum ist fest und erhöht den Druck in den Muskelfasern. Der Muskel wird dadurch weniger durchblutet und nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt, sodass er sich nicht entspannen kann. Die Folge sind schmerzhafte Verhärtungen.

Sport gegen verklebtes Bindegewebe

Viele Menschen bewegen sich zu wenig. Genau diese Zielgruppe wollen Sie als Fitnesstrainer dazu motivieren, den Körper zu stärken. Wenn Klienten zu Ihnen kommen und mit Sport, einer besseren Ernährung oder Anwendungen aus dem Bereich Spa und Wellness etwas gegen die Schmerzen tun möchten, können Sie ihnen ein gezieltes Faszientraining anbieten. Bei einem gesunden Körper gleiten die Faszien und Muskeln aneinander vorbei. Sie tun dies jedoch nicht, wenn sich Verklebungen und Verhärtungen gebildet haben. Je länger die Faszien starr sind und bewegungslos bleiben, desto stärker verkleben sie mit benachbarten Muskeln oder anderen Faszienschichten. Hier ist eine Bewegungs-Therapie zur Förderung der Gesundheit möglich, etwa:

  • Dehnübungen
  • Springen auf dem Trampolin
  • Üben mit der Faszienrolle
  • Ernährung mit vielen Basen

Dehnungsübungen sind Wellness für die Faszien

Weiche und dynamische, dehnende Übungen sind ein ideales Faszientraining. Yoga oder Pilates eignen sich genauso wie Qi Gong, um das Bindegewebe im Körper von Verklebungen zu befreien. Regelmäßige Übungen regen die Faszien dazu an, alte Kollagenfasern abzubauen und neue Fasern zu bilden. Die Verklebungen lösen sich zwar nur langsam, aber regelmäßiges Üben kann bleibende Erfolge erzielen.

Verklebungen auf dem Trampolin wegtrainieren

Eine weitere Methode, die Verklebungen der Faszien sanft löst, sind Sprünge auf dem Trampolin. Hierbei werden alle großen Muskelgruppen effektiv angesprochen und Knorpelgewebe sowie Bandscheiben werden durch die Bewegungen beim Springen mit Flüssigkeit versorgt. Das Immunsystem wird gestärkt und das Herz-Kreislauf-System angeregt. Der lockernde Effekt des Springens auf einem Trampolin unter fachkundiger Anleitung durch einen Fitnesstrainer bereitet Spaß und macht die Faszienschichten wieder beweglich.

Die Anwendung der Faszienrolle

Eine weitere bekannte Faszientherapie stellt die Anwendung der Faszienrolle dar. Dieses einfache Hilfsmittel aus dem Spa-Bereich dient der Revitalisierung des Gewebes. Die Rolle macht das Bindegewebe wieder beweglich und sorgt dafür, dass es gut mit Nährstoffen versorgt wird. Sie massieren die Faszien Ihres Klienten mit einer festen Schaumstoffrolle oder leiten Kunden bei Übungen mit der Faszienrolle an. Dank regelmäßiger Anwendung können Sie damit Verklebungen lösen und das Gewebe stimulieren.

Basische Ernährung fördert die Gesundheit der Faszien

In Ihrer Fitnesstrainerausbildung lernen Sie nicht nur gezielte Übungen für die Faszien kennen, sondern erfahren auch, welche Rolle eine Übersäuerung bei Beschwerden mit dem Bindegewebe spielt. Eine Übersäuerung bedeutet, dass sich das Verhältnis zwischen Basen und Säuren im Körper verschoben hat. Überforderung und Stress, körperliche Belastungen, Krankheiten, aber auch eine ungesunde Ernährung sind mögliche Ursachen der Übersäuerung. Diese reduziert die Flexibilität der Faszien. Damit sich die Faszien bestmöglich regenerieren können, ist eine basische Ernährung wichtig. Zusätzlich können Wellness-Bäder die Säureausleitung über die Haut fördern.

Fazit & Ausblick

Faszien umgeben den gesamten Körper und verbinden Muskeln, Gelenke und Organe miteinander. Sie enthalten zahlreiche Rezeptoren und können durch Bewegungsmangel verkleben. Bieten Sie als Spa- und Wellness-Trainer ein ganzheitliches Training für die Faszien an. Sie lockern das Gewebe mit der Faszienrolle und geben Motivation, regelmäßig Dehnungsübungen durchzuführen. Auch eine angepasste Ernährung kann das Bindegewebe wieder vitalisieren und Schmerzen reduzieren.

Über den Autor
Autorenbild Ulrich Pötter
Ulrich Pötter

Der Autor Ulrich Pötter ist selbst staatlich anerkannter Therapeut und Präventionsexperte. Seit über 20 Jahren beschäftigt er sich mit innovativen Ausbildungskonzepten in den Bereichen Massage, Fitness, Wellness, Heilpraktik und Prävention. Er hat fünf professionelle Akademien gegründet, bei denen er auch heute noch Geschäftsführer und Direktor ist.

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P Praeffke
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Tagesmutti Schreiber