Grifftechniken der präventiven Lymphdrainage
Die präventive Lymphdrainage kann nachhaltig zu mehr Entspannung und Wohlbefinden beitragen. Dazu muss sie jedoch korrekt angewandt werden. Hierzu zählen nicht nur das passende Ambiente und eine fundierte Ausbildung, sondern vor allem die Lymphdrainage Grifftechniken. Sie sind der Schlüssel zu einer erholsamen Anwendung und der Vermeidung von negativen Begleiterscheinungen. Welche Grifftechniken es dabei gibt, wie Sie sie richtig einsetzen und was es rund um die Ausführung der Lymphdrainage Griffe zu beachten gäbe, das berichten wir Ihnen in unserem heutigen Ratgeber.
Wann entstanden die Grifftechniken der präventiven Lymphdrainage?
Im Jahre 1936, als Emil Vodder seine entwickelten Methoden der Lymphdrainage zum ersten Mal in Paris präsentierte, galten die vier schon genannten Techniken Schöpfgriff, stehende Kreise, Pumpgriff und Drehgriff als Basis. Auch heute noch sind jene richtungsweisend für eine präventive Lymphdrainage und dürfen bei der Anwendung nicht fehlen. Allerdings konnten sich über die Jahre noch weitere Grifftechniken etablieren, die das Prinzip der präventiven Lymphdrainage positiv ergänzen.
Wie wird die Technik der präventiven Lymphdrainage angewandt?
Die Lymphdrainage hat eine Grundtechnik, die sich aus kreisenden Handbewegungen zusammensetzt. Jene beinhalten stets zwei Phasen, nämlich:
- Belastungsphase = Druckphase
- Entlastungsphase = Nullphase
Der regelmäßige Wechsel zwischen der Be- sowie Entlastung innerhalb der kreisenden Bewegungen unterstützt einerseits die Aufnahme der Gewebeflüssigkeit innerhalb der Lymphkapillaren und andererseits die Muskelkontraktion der glatten Muskulatur von den Wänden der Lymphkapillaren, die für den weiteren Transport der Lymphe verantwortlich sind.
Während der ersten Kreishälfte bei dem Grundgriff steigert sich der Drainagedruck und bei der zweiten Kreisung wird jener wieder verringert, bis Sie am Ende vollkommen ohne Druck an dem Ausgangspunkt der Bewegungen zurückkehren.
Wie viel Druck wird bei der präventiven Lymphdrainage angewandt?
Gemäß der Beschaffenheit von Gewebe und Haut des Kunden sollte der Druck individuell variiert werden können, denn eine Haut, die atrophisch und faltig ist, benötigt sanfte, behutsame Drainagen, wohingegen die robuste, jüngere Haut auch kraftvollere Anwendungen verträgt. Insgesamt erfolgt aber ein ganz sanfter Druck, da die Lymphflüssigkeit in den Lymphgefäßen verschoben werden soll. Bei zu starkem Druck werden die Lymphgefäße zusammengedrückt und der Fluss der Lymphflüssigkeit würde gestoppt werden. Die Zeit des Drucks sollte in etwa bei einer Sekunde ausübendem Druck liegen, damit die recht träge Flüssigkeit im Gewebe langsam wieder ins Strömen kommt.
In welche Richtung wird bei der Lymphdrainage Druck ausgeübt?
Natürlich wird der Druck stets in Lymphabflussrichtung absolviert, weswegen sich die kreisartige Drucksteigerung an der anatomisch-vorgegebenen Lymphstromrichtung orientiert. Diese bezieht sich in der Regel auf die Richtung des Hauptabflusses der Lymphflüssigkeit in den Venenwinkeln oder der nächsten größeren Lymphknotenansammlungen, darunter z. B. in der Leiste oder den Achseln. Sämtliche Drainagegriffe sollten im Zuge dessen fünf bis siebenmal an derselben Körperstelle wiederholt werden.
Eine großflächig-absolvierte Grifftechnik sorgt hierbei dafür, dass möglichst viele Lymphgefäße zur selben Zeit aktiviert werden und das elastische Gewebe auf gleichmäßiger Ebene eine Drainage erhält. Gleichzeitig kann so sehr effektiv die Sogwirkung im gesamten Lymphsystem gesteigert werden und somit auch eine Aktivierung des gesamten Lymphsystems erreicht werden. Ziel ist es dabei, durch die präventive Lymphdrainage erst die Abflussbahnen zu befreien, sodass die Lymphflüssigkeit, welche durch die bekannten Drainagegriffe zum Transport stimuliert wird, recht zügig wieder abfließen kann.
Grifftechnik der präventiven Lymphdrainage anwenden
Um Ihnen noch einmal zu veranschaulichen, was bei einer Griffausführung im Hinblick auf die physiologischen Gesichtspunkte zu beachten ist, haben wir Ihnen jetzt eine kurze Zusammenfassung erstellt.
- Druckzeiten: Minimum eine Sekunde
- Anzahl der Griffwiederholungen: etwa 5-7 Wiederholungen an einer identischen Körperstelle
- Stärke des Drucks: leichter bis mittlerer Druck in Abhängigkeit von dem Hautzustand, das heißt circa 20 bis maximal 40 Torr.
- Ablauf des Drucks: stufenlos variierender Druck von zu- nach abnehmend
- Ablauf der Griffausführung: großflächig veranlagte Kreisungen (Nach Michael Földi (bekanntester Lymphexperte in Deutschland mit eigener Lymphklinik) erfolgt die Kreisbewegung wie bei einem aufgestellten Hula-Hoop-Reifen – Schub + Entspannung …)
- Reihenfolge der Anwendungen: erst die Abflusswege öffnen und befreien
- Richtung des Drucks: Grundsätzlich in Lymphabflussrichtung (zur nächsten größeren Lymphknotenansammlung)
Was sind die Grundgriffe der Lymphdrainage?
Die Lymphdrainage besteht sowohl in der präventiven als auch in der medizinischen Form aus gewissen Grundtechniken, die wir Ihnen nachfolgend vorstellen möchten:
1. Stehende Kreise
Stehende Kreise werden immer dann eingesetzt, wenn es nicht um die Unterstützung der Flussrichtung der Lymphflüssigkeit geht, sondern, wenn Strukturen in der Tiefe aktiviert werden sollen, wie z. B. die Venenwinkel als Abflussbereiche für die Lymphflüssigkeit in das Blutkreislaufsystem oder zur Aktivierung von Lymphknoten. Hierbei in Abhängigkeit von der Region, in welcher die stehenden Kreise zum Einsatz kommen, legen Sie entweder alle Finger oder nur einzelne flächig auf die Haut des Kunden und führen kreisförmige Bewegungen mit leichtem Druck in die Tiefe aus. Dabei ist die Richtung der kreisförmigen Bewegungen unwichtig, da der sanfte Druck in die Tiefe, also z. B. auf die Lymphknoten geht, die dadurch effektiv aktiviert werden.
Für eine Aktivierung des Lymphflusses in den Lymphgefäßen sind stehende Kreise eher ungeeignet, da die Lymphflüssigkeit durch die kreisenden Bewegungen nicht gezielt verschoben werden kann und eher wie ein Strudel hin und her bewegt wird.
2. Schöpfgriff
Auch der Schöpfgriff ist eine der Basistechniken nach Vodder und wird wahlweise mittels wandernder Schübe oder stehend aktiviert. Sie spreizen dazu die Daumen von den anderen Fingern ab und setzen sie mit dem Winkel, der sich zwischen Zeigefinger sowie Daumen befindet, auf die Haut Ihres Kunden. Im Anschluss beginnt der Schöpfgriff, für den Sie die typischen Schöpfbewegungen ausüben, welche entstehen, wenn Sie mit Ihrer übrigen Handfläche auf der gesamten Haut abrollen. So führt die Hand eine Schöpfbewegung in Richtung des Lymphabfluss aus, die danach direkt wieder angesetzt wird. Wichtig ist der permanente Hautkontakt während des Schöpfgriffs, welcher immer in mehreren sogenannten Bahnen über das besagte Hautareal rollt (hauptsächlich Beine und Arme). Die Grifftechnik wurde von Vodder entwickelt, um auch den Lymphabfluss innerhalb der Lymphgefäße zu stimulieren, die tiefer liegen.
Wichtig ist bei dieser Grifftechnik, dass die Finger und der Daumen nicht aufeinander zu bewegt werden und dadurch ein Druck auf die Lymphgefäße erfolgt, der zu einem Stopp des Flusses der Lymphflüssigkeit führen kann.
3. Pumpgriff
Bei einem Pumpgriff sind die Finger gestreckt, das Handgelenk aufgestellt und der Daumen jeweils abduziert. Die Bewegungen des Handgelenks sind daraufhin Scharnier-ähnlich und der Griff kann bis in die tiefe Muskulatur hineinwirken. Dieser Griff sollte hauptsächlich in Bereichen angewendet werden, in denen sich tiefliegende Strukturen des Lymphgefäßsystems befinden, da ansonsten oberflächlich liegende Lymphgefäße zusammengedrückt werden und der Lymphfluss gestoppt wird.
4. Drehgriff
Der Drehgriff wird ebenfalls mit abduziertem Daumen durchgeführt, wobei jener flächig aufliegt. Infolgedessen kommt es zu einer Druckphase, bei der die komplette Handfläche das tiefliegende Gewebe kreisförmig in Richtung des Abflusses verschiebt. Drehgriffe werden hauptsächlich an Körperregionen angewandt, die eine große Fläche besitzen, wie zum Beispiel der Thorax.
Welche Grifftechniken ergänzen die präventive Lymphdrainage?
Eine Lymphdrainage für die Prävention wird noch durch verschiedene zusätzliche Grifftechniken ergänzt.
Dabei ist es durch kontinuierliche Optimierungen gelungen, das Grundprinzip nach Vodder mit weiteren effizienten Grifftechniken zu ergänzen. Dies ermöglicht eine noch intensivere Lymphdrainage, steigert den Wohlfühleffekt und den reibungslosen Ablauf während der Wellnesspraktik.
Dazu zählen:
1. Quergriff
Dem Namen entsprechend stehen Sie bei einem Quergriff immer quer zu der Lymphabflussrichtung und führen mit Ihrer fußnahen Hand einen Schöpfgriff aus, welchem ein stehender Kreis mit Ihrer kopfnahen Hand folgt. Dieser wird selbstverständlich in Lymphabflussrichtung absolviert, während beide Hände nebeneinander auf der Hautoberfläche Ihres Kunden positioniert werden. Ein Quergriff verläuft stets in Bahnen, fortschreitend an Beinen, Armen oder dem Rumpf.
Da bei der präventiven Lymphdrainage am gesunden Lymphsystem gearbeitet wird, sind die Lymphgefäße gefüllt. Wenn dann von körperfern versucht werden würde, die Lymphflüssigkeit zu verschieben, würde das gar keinen Erfolg bringen – deshalb wird von "abflussnah zu abflussfern" drainiert.
2. Pumpschöpfgriff
Bei einem Pumpschöpfgriff handelt es sich um eine Vereinigung aus schöpfenden und pumpenden Bewegungen, die beidhändig eingesetzt wird und sich primär auf dem Unterschenkel des ausgestreckten Beins beim Kunden fokussiert. Diese Technik hilft dem Lymphfluss genauso, angeregt zu werden, sodass sich die tiefen Lymphgefäße von Stauungen befreien lassen.
3. Pumpsauggriff
Ein Pumpsauggriff wird immer an der Ellenbeuge eingesetzt und Sie legen dafür Ihre beiden Daumen flächig nebeneinander direkt in die Ellenbeuge Ihres Kunden. Dann wechseln Sie zwischen einem sanften Druck und dem Lösen der Daumen, sodass eine Pump-Saug-Funktion entsteht. Dieser Griff wurde entwickelt, um gezielt die Lymphknoten der Ellenbeuge zu stimulieren.
4. Händewaschen
Das "Händewaschen" bezieht sich nur auf das Gebiet am Deltamuskel. Sie legen dafür Ihre Hände ganz flach auf den hinteren und vorderen Deltamuskelbereich, während Sie die Seiten freilassen. Dann verschieben Sie wechselseitig und oberflächlich Ihre Hände, was den Bewegungen beim Händewaschen gleicht. Die Schulter des Kunden darf sich hierbei ganz leicht mitbewegen.
5. Elvis-Griff
Zunächst stellen Sie sich für den Elvis-Griff hinter den Kunden an die Drainagebank, umfassen mit einer Hand seinen Unterarm in der Nähe des Ellenbogengelenks und positionieren Ihre zweite Hand gleichzeitig, mit einem Stofftuch oder Papiertuch bedeckt, direkt mit vier Ihrer Finger flächig im Bereich der Achselfalte Ihres Kunden. Danach spreizen Sie den Arm des Kunden mit Ihrer ersten Hand ab (Abduktion) und drücken während des Öffnens der Achselfalte ganz vorsichtig mit den vier Fingern Ihrer zweiten Hand in die Achsel hinein. Danach führen Sie den Arm des Kunden wieder heran (Adduktion) und lösen den Druck, den Sie zuvor auf die Achsel ausgeübt haben. Durch diesen rhythmischen und gleichmäßigen Wechsel zwischen Abspreizen und Heranführung des Arms in Verbindung mit dem sanften Druck in die Achsel können die Lymphknoten dieses Bereichs aktiviert werden. Die recht dynamische Ausführung und die Position des Arms hierbei gleicht optisch betrachtet der Griffhaltung von einer Gitarre, wie sie der verstorbene Künstler Elvis Presley zu damaligen Zeiten nutzte. Daher stammt auch der Name Elvis-Griff.
In welche Richtung wird gelympht?
Die Grundrichtung der Lymphdrainage erfolgt immer von abflussnah zu abflussfern - denn nur so kann man "zuerst den Schlauch am Eingang leer machen, damit etwas nachfließen kann". Diese Richtung muss immer berücksichtigt werden, damit Sie das Wohlbefinden des Kunden unterstützen und nicht für negative Begleiterscheinungen sorgen!
Wer darf eine präventive Lymphdrainage anwenden?
Die präventive Lymphdrainage sollte von einem Experten angewandt werden, der die Technik in einer fundierten Lymphdrainage Ausbildung erlernt hat. Dies muss natürlich kein Therapeut sein, jedoch ein Profi, der die Grifftechniken ebenso beherrscht wie die Fachkenntnisse über die Kontraindikationen, Effekte und Voraussetzungen einer solchen Anwendung. Durch einen modernen Online-Fernlehrgang lässt sich die präventive Lymphdrainage als Wellness-Konzept allerdings ohne großen Aufwand erlernen und verhilft Ihnen, ganz gleich ob aus beruflichen oder privaten Interessen, zu einem breit gefächerten Fachwissen, welches Sie gemäß Ihren Bedürfnissen und Absichten einsetzen können.
Lymphdrainage Techniken Zuhause anwenden?
Nein, denn auch eine präventive Lymphdrainage sollte immer von einem Experten ausgeführt werden und eignet sich nicht für die Selbstmassage. Wer trotzdem in den eigenen vier Wänden von einer wohltuenden Lymphdrainage profitieren möchte, sollte sich für eine mobile Massage entscheiden.
Beachten Sie letztlich immer, die präventive Lymphdrainage besitzt viele, abwechslungsreiche Grifftechniken, die Sie unter Berücksichtigung der passenden Voraussetzungen einsetzen dürfen. Hierzu sollten Sie jedoch zunächst eine Ausbildung belegen und vor allem stets bedenken, dass Ihre Zielgruppe gesunde Menschen sind. Darauf aufbauend tragen die Lymphdrainage Techniken zu einem ganzheitlichen Wohlbefinden bei.
