Gleichgewichtsstörungen
Plötzlich dreht sich alles, Sie haben das Gefühl, der Boden öffnet sich unter Ihren Füßen und es fällt Ihnen schwer, geradeaus zu laufen. Die Rede ist von Gleichgewichtsstörungen – einem Problem, dass zahlreiche Personen betrifft und in den unterschiedlichsten Zusammenhängen auftreten kann. Dabei sind Schwindel, unsicheres Gangbild und Übelkeit meist nicht die einzigen Symptome, die mit der Problematik zusammenhängen, sodass die fehlende Balance schnellstmöglich ärztlich abgeklärt und wiederhergestellt werden sollte. Woher Gleichgewichtsstörungen kommen, welche Beschwerden sie verursachen, wann ein Arztbesuch dringend nötig ist und wie begleitendes Training sowie Sturzprävention unterstützen können, das erfahren Sie in unserem heutigen Beitrag.
Key Facts – Gleichgewichtsstörungen
- Definition: Verlust der Kontrolle über Bewegungsausführung und Körperhaltung im Raum
- Häufige Ursachen: Alterungsprozess, Medikamente, Innenohr-Erkrankungen, Nacken-/Schulterverspannungen
- Typische Symptome: Schwindel, Übelkeit, unsicheres Gangbild, Sehstörungen, Koordinationsprobleme
- Wichtig: Ursachen sollten immer zuerst ärztlich abgeklärt werden, um ernste Erkrankungen auszuschließen
- Häufigster Auslöser: Lagerungsschwindel durch gelöste Ohrsteinchen im Innenohr
- Unterstützend: Gleichgewichts- und Propriozeptionstraining kann die Stabilität begleitend fördern
- Zuhause: leichte Übungen nur sinnvoll, wenn kein medizinischer Hintergrund vorliegt
Was sind Gleichgewichtsstörungen?
Eine Gleichgewichtsstörung liegt vor, wenn eine Person die Kontrolle über die Bewegungsausführung und die eigene Körperhaltung in einem Raum verliert. Man spricht hier auch von einer Orientierungsstörung innerhalb von einem Raum. Sie kann unabhängig von Alter, Geschlecht und medizinischer Vorgeschichte plötzlich eintreten oder auch chronisch veranlagt sein. Gleichgewichtsstörungen sind ein häufig einsetzendes Phänomen bei den unterschiedlichsten Zielgruppen, was die Betroffenen mehr oder weniger stark belasten sowie in den normalen Alltagsaktivitäten einschränken kann.
Was sind die Ursachen für Gleichgewichtsstörungen?
Es gibt viele Ursachen für Gleichgewichtsstörungen. So wäre es denkbar, dass der fortschreitende Degenerationsprozess zu Gleichgewichtsproblemen im Alter führt. Auch die Einnahme von bestimmten Medikamenten oder Genussmitteln begünstigt Schwindel, Übelkeit und Gleichgewichtsschwankungen. Teilweise sind zudem Innenohr-Erkrankungen und Schäden am Gleichgewichtsorgan durch Unfälle, Operationen, Infektionen (z.B. Ohrentzündungen) Gründe für Gleichgewichtsprobleme. Außerdem liegen häufig Schulterschmerzen, Nackenverspannungen, Muskelblockaden und Verkrampfungen vor, die zu Schwindel und dem Verlust des Gleichgewichts führen. Obwohl die Gründe nicht selten harmlos sind. Die Ursachen sollten hierbei immer zunächst ärztlich abgeklärt werden, um sicherzugehen, dass keine ernsthafte Erkrankung dahintersteckt, die eine längerfristige, intensive medizinische Behandlung voraussetzt.
Zu den häufigsten Auslösern zählt der Lagerungsschwindel, bei dem sich winzige Ohrsteinchen lösen – mit den richtigen Übungen lässt er sich meist rasch beheben.
Vestibuläre Ursachen
Vestibuläre Ursachen betreffen unmittelbar das Gleichgewichtsorgan im Innenohr und zählen zu den häufigsten Auslösern von Schwindel und Unsicherheit beim Gehen. Dazu zählen unter anderem der bereits erwähnte Lagerungsschwindel, eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs (Neuritis vestibularis), der Morbus Menière mit anfallsartigem Drehschwindel, Hörminderung und Ohrgeräuschen sowie Schädigungen des Innenohrs durch Unfälle, Operationen oder Infektionen. Auch hier gilt: Eine fachärztliche Abklärung, etwa bei einem HNO-Arzt oder Neurologen, ist unerlässlich, um die genaue Ursache zu bestimmen und eine passende Behandlung einzuleiten.
Neurologische Ursachen
Neben dem Innenohr können auch Erkrankungen des zentralen Nervensystems Gleichgewichtsstörungen auslösen. Hierzu zählen beispielsweise Migräne mit vestibulärer Beteiligung, Multiple Sklerose, Erkrankungen des Kleinhirns, das für die Koordination von Bewegungen zuständig ist, sowie neurodegenerative Erkrankungen wie Morbus Parkinson. Auch Durchblutungsstörungen im Gehirn können sich durch Schwindel und Gangunsicherheit bemerkbar machen. Da neurologische Ursachen mitunter ernstzunehmende Erkrankungen umfassen, sollte bei anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden zeitnah eine neurologische Untersuchung erfolgen.
Herz-Kreislauf-bedingte Ursachen
Auch das Herz-Kreislauf-System spielt bei Gleichgewichtsstörungen eine wichtige Rolle. Ein zu niedriger oder stark schwankender Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, eine unzureichende Durchblutung des Gehirns sowie ein Flüssigkeitsmangel können zu Schwindel, Benommenheit und einem kurzzeitigen Verlust des Gleichgewichts führen – insbesondere beim schnellen Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen (orthostatische Dysregulation). Da hinter Kreislaufproblemen in seltenen Fällen auch ernstere Herz-Kreislauf-Erkrankungen stecken können, sollten diese Symptome ärztlich untersucht werden, statt sie auf die leichte Schulter zu nehmen.
Medikamentöse Ursachen
Nicht zuletzt können auch Medikamente Gleichgewichtsstörungen als Nebenwirkung verursachen. Dazu zählen unter anderem manche Blutdrucksenker, Beruhigungsmittel, Antidepressiva, Schlafmittel sowie bestimmte Antibiotika, die das Innenohr schädigen können. Auch Wechselwirkungen zwischen mehreren Präparaten oder eine falsche Dosierung kommen als Auslöser infrage. Wer den Verdacht hat, dass die eigene Medikation für Schwindel oder Unsicherheit verantwortlich ist, sollte dies keinesfalls eigenständig absetzen, sondern das Gespräch mit dem verordnenden Arzt oder der Ärztin suchen.
Welche Symptome bei Gleichgewichtsstörungen?
Gleichgewichtsstörungen haben viele Symptome, die je nach Art, Ursache und Intensität der Problematik auftreten. So kann es unter anderem zu Schwindel, Übelkeit bis hin zum Erbrechen, einem unsicheren Gangbild, Sehstörungen und einem allgemeinen Unwohlsein kommen. Weiterhin sind Koordinationsprobleme, das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren und Hörschwierigkeiten Symptome bei Störungen des Gleichgewichts. Sie zeigen sich entweder einzeln, nacheinander oder sogar im Verbund, zum Beispiel, wenn eine schwere Gleichgewichtsstörung vorliegt.
Warnzeichen: Wann sollten Sie bei Gleichgewichtsstörungen zum Arzt?
Auch wenn viele Auslöser von Schwindel und Gleichgewichtsproblemen harmlos sind, gibt es bestimmte Warnzeichen, bei denen umgehend ärztliche Hilfe aufgesucht werden sollte. Diese Anzeichen können auf ernstzunehmende Erkrankungen wie einen Schlaganfall oder eine schwere Herz-Kreislauf-Störung hindeuten und dürfen niemals abgewartet oder eigenständig behandelt werden.
- Plötzlich einsetzende, sehr starke Schwindelattacken
- Einseitige Lähmungserscheinungen oder Taubheitsgefühle in Armen, Beinen oder im Gesicht
- Plötzliche Sprach- oder Sehstörungen
- Starke, ungewohnte Kopfschmerzen
- Brustschmerzen, Herzrasen oder Atemnot in Verbindung mit Schwindel
- Bewusstseinsstörungen, Ohnmacht oder Verwirrtheit
- Anhaltendes Erbrechen ohne Besserung
Treten eines oder mehrere dieser Symptome auf, ist der Notruf beziehungsweise eine umgehende Vorstellung in einer Notaufnahme angezeigt. Bei weniger dramatischen, aber wiederkehrenden oder länger anhaltenden Beschwerden sollten Sie zeitnah einen Hausarzt, HNO-Arzt oder Neurologen aufsuchen, um die Ursache abklären zu lassen.
Woher kommen Gleichgewichtsstörungen im Alter?
Es gibt viele Gründe für Gleichgewichtsstörungen im Alter wie…
- Der natürliche Alterungsprozess
- Weniger Muskelkraft
- Abnehmender Gleichgewichtssinn
- Unsicheres Gangbild
- Sehstörungen
- Medikationen, bei denen Schwindel als Begleiterscheinung auftreten kann
Mit fortschreitendem Alterungsprozess schwindet auch unsere Muskelkraft. Außerdem sorgt die weniger gut ausgeprägte Körperbalance dafür, dass sich der Gleichgewichtssinn verschlechtert, eine plötzliche Unsicherheit in den Bewegungen eintritt, die sonst eigentlich automatisiert abliefen und auf einmal Treppen steigen sowie gehen die Gefahr für das Stürzen erhöht.
Wer dann noch zu wenig Kraft hat, muss weitere Sicherheit im Stand sowie im Gangbild einbüßen. Dieser Kraftverlust im fortschreitenden Alter ist natürlich in gewisser Art ein ganz normaler Prozess, doch, wie schnell die Muskelstärke tatsächlich abbaut, ist auch davon abhängig, wie der Einzelne seine Lebensführung gestaltet. Ein Alltag ohne viel Bewegung steigert den Abbau der Muskulatur, während eine regelmäßige sportliche Aktivität, die noch über normale Bewegungen im Alltag hinaus ginge, für gewöhnlich einen positiven Einfluss auf den Bewegungsapparat haben kann.
Sind Gleichgewichtsstörungen heilbar?
Ja, in einer Vielzahl der Fälle lassen sich Probleme mit dem Gleichgewicht wieder beheben. Hierzu braucht es natürlich die passende Therapie und Sie müssen die eindeutige Ursache herausfinden. Meist ist es obendrein nicht damit getan, nur Medikamente gegen Gleichgewichtsstörungen zu verordnen. Viel mehr sollten sich verschiedene Behandlungen bei Gleichgewichtsproblemen ergänzen, um eine dauerhafte Lösung für ein gesundes Gleichgewicht zu haben.
Handelt es sich zum Beispiel um Schäden am Gleichgewichtsorgan, regenerieren diese sich für gewöhnlich nach 1-2 Tagen und klingen binnen weniger Wochen vollständig ab. Unterstützend empfiehlt sich aber auch hier ein passendes Gleichgewichtstraining.
Sind Gleichgewichtsstörungen gefährlich?
Nein, allgemein sind Gleichgewichtsstörungen nicht gefährlich, denn die meisten Ursachen bei Balanceproblemen haben keinen ernsten Hintergrund. Gerade der Alterungsprozess, Infektionen oder aber auch Grunderkrankungen wie Migräne, welche zu Gleichgewichtsstörungen führen, sind zwar nicht zu verharmlosen, allerdings auch selten für gefährliche Gleichgewichtsschwierigkeiten verantwortlich. Die ärztliche Abklärung sollte aber in jedem Fall erfolgen, da sich innerhalb der vielen eher banalen Ursachen für Schwindel auch ernste Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems verbergen könnten.

Hier ist mir eine Abgrenzung besonders wichtig: Schwindel und Gleichgewichtsstörungen gehören ärztlich abgeklärt, bevor irgendjemand daran trainiert. Die möglichen Ursachen reichen weit über den Bewegungsapparat hinaus. Wenn die Abklärung erfolgt ist und grünes Licht gegeben wurde, ist gezieltes Üben sinnvoll — aber in dieser Reihenfolge, nicht umgekehrt.
Welche Krankheiten bei Gleichgewichtsstörungen?
Es gibt unterschiedliche Erkrankungen, die für Störungen des Gleichgewichts verantwortlich sein können wie:
- Bluthochdruck/Blutniederdruck
- Stoffwechselprobleme
- Flüssigkeitsmangel
- Verdacht auf Hitzschlag oder Schlaganfall
Sie treten zwar nur selten als Ursachen in Erscheinung, sollten aber in jedem Fall abgeklärt werden.
Was hilft schnell bei Gleichgewichtsstörungen?
Als erste Hilfe bei Gleichgewichtsproblemen wäre es ratsam, Ruhe zu bewahren und gleichmäßig zu atmen. Auch ein kühles Glas Wasser, ein kurzer Moment der Ruhe, in welchem der Betroffene sich setzt oder auch hinlegt und die Beine hochlagert, könnten bereits Abhilfe leisten. Kommen die Beschwerden durch eine Blockade im Schulter-/Nackenbereich, wäre eine leichte Druckpunktstimulation, vorsichtiges Ausstreichen, Wärme zur Lockerung der Verkrampfungen und behutsame Streck- sowie Dehnübungen sinnvoll.
Gleichgewichtsstörungen behandeln
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Gleichgewichtsstörungen zu therapieren. Dazu zählen unter anderem:
- Gleichgewichtstraining
Hier könnten unterschiedliche Arten als Training für mehr Gleichgewicht zum Einsatz kommen, wie Propriozeptionstraining, Körperübungen gegen Gleichgewichtsstörungen und Yoga gegen Gleichgewichtsprobleme. Mitunter ist auch das einfache Gehen auf verschiedenen Untergründen und instabilen Unterlagen ein erster Weg, die Körperbalance zu fördern.
- Physiotherapie bei Gleichgewichtsstörungen
Handelt es sich um ernsthafte Probleme mit dem Gleichgewicht, zum Beispiel auch durch die Schäden an dem Gleichgewichtsorgan oder bei chronischen Gleichgewichtsstörungen, dann wäre eine Physiotherapie sinnvoll. Sie wird von dem behandelnden Arzt verordnet, um mittels gezielter Übungen das Gleichgewicht zu fördern und insgesamt die Körperstabilität wiederherzustellen.
- Medikamente
Als erste Hilfe bei Gleichgewichtsproblemen und zur Unterstützung, bis sich die Beschwerden durch zum Beispiel Training wieder bessern, werden oft Medikamente verordnet. Diese sollen in erster Linie die Symptome wie Schwindel, Benommenheit, Taumeln usw. bekämpfen, um dem Betroffenen wieder mehr Sicherheit zu geben. So kann jener dann gezielt mithilfe anderer Möglichkeiten zur Behandlung von Gleichgewichtsstörungen langfristig die eigene Balance zurückgewinnen. Es gibt hierzu auch diverse pflanzliche Mittel gegen Gleichgewichtsprobleme, denn die Homöopathie hat sich bei Schwindel und anderen Symptomen bereits mehrfach bewiesen. Die Produkte sind frei verkäuflich in der Apotheke oder online erhältlich.
Wichtig: Gleichgewichtsstörungen sollten niemals verharmlost werden! Medikamente aus der Apotheke sind daher kein Ersatz für eine Untersuchung bei einem Arzt und eine professionelle Therapie gegen das Problem sowie die Aufhebung der Ursache.
- Gezielte Lagerungsmanöver
Lagerungsmanöver bei Gleichgewichtsstörungen sollen helfen, um die Störungen des Gleichgewichtorgans aufzuheben. Sie kommen in erster Linie bei dem gleichnamigen Lagerungsschwindel zum Einsatz und bestehen aus einer Reihe verschiedener Haltungs- und Kopfbewegungsmuster. Sie werden meist unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt und können im Liegen oder Sitzen zum Einsatz kommen.
In seltenen Fällen braucht der Betroffene auch einen operativen Eingriff, um zum Beispiel Schäden an einem Gleichgewichtsorgan wieder zu beheben.
Gleichgewichtsstörungen bekämpfen Hausmittel
Um Gleichgewichtsstörungen mit dazugehörigen Symptomen wie Schwindel zu bekämpfen, gibt es verschiedene Hausmittel, darunter:
- Viel Flüssigkeit = manchmal ist die Dehydrierung Schuld an Gleichgewichtsproblemen und Schwindel
- Schokolade = wenn Unterzuckerung zu Schwindelgefühlen und Gleichgewichtsstörungen beigetragen hat
- Vermeiden von schnellen, ruckartigen Bewegungen = sie überfordern das Gleichgewichtsorgan
- Wechselduschen = somit wird der Kreislauf angeregt und man kann Schwindel sowie damit verbundenen Balanceproblemen entgegentreten
- Langsames, gleichmäßiges, ruhiges Atmen = die Atmung ist ein wichtiger Schlüssel zu mehr Ruhe und Balance
- Sauerstoff und frische Luft = dies regt den Kreislauf an
Sollten die Gleichgewichtsprobleme länger anhalten, empfiehlt es sich allerdings, dringend einen Arzt aufzusuchen.
Welches Training bei Gleichgewichtsstörungen?
Bei Gleichgewichtsstörungen können leichte Übungen zum Einsatz kommen, aber auch ein gezieltes Gleichgewichts-/Propriozeptionstraining. Jenes ist gleichermaßen für Personen mit vorliegenden Gleichgewichtsbeschwerden und gesunde Menschen als Prävention gegen Schwindel sowie Instabilität geeignet. Ein fachkundiger Fitnesstrainer oder Personalcoach kann hierzu verschiedene Techniken zusammenstellen und auf den Betroffenen sowie dessen Leistungsfähigkeit abstimmen.
Gleichgewichtstraining Zuhause ausführen?
Ja, ein leichtes Gleichgewichtstraining zur Prävention und bei Balanceproblemen ohne ernsthaften, gesundheitlichen Hintergrund lässt sich auch Zuhause ausführen. Hierzu gibt es zahlreiche Gleichgewichtsstörung Übungen und Gleichgewichtstraining Anleitungen als Video oder Buch. Wichtig ist, dass ein solches Training niemals bei Problemen mit der Balance ausgeführt wird, die einen medizinischen Hintergrund haben und erst einmal eine fachärztliche Behandlung benötigen.
Gleichgewichts- und Sensomotorik-Übungen als Ergänzung
Wurde eine ernsthafte Ursache ärztlich ausgeschlossen oder bereits behandelt, können begleitende Gleichgewichts- und Sensomotorik-Übungen die Stabilität im Alltag unterstützen und einem erneuten Auftreten von Unsicherheiten vorbeugen. Wichtig ist, dass ein solches Training stets im Austausch mit dem behandelnden Arzt oder einer Physiotherapiepraxis abgestimmt wird und keinesfalls eine notwendige medizinische Behandlung ersetzt. Folgende Übungsformen können begleitend beziehungsweise präventiv unterstützen:
- Einbeinstand, zunächst mit Festhalten an einer Stuhllehne, später frei
- Gehen auf instabilen Untergründen wie Balance-Kissen oder Weichbodenmatten
- Propriozeptionstraining mit gezielten Kopf- und Blickbewegungen im Stand
- Sanftes Balance- und Koordinationstraining, etwa aus Yoga oder Tai-Chi
- Kräftigungsübungen für Rumpf-, Bein- und Fußmuskulatur
- Gangschulung mit variierender Schrittlänge und Richtungswechseln
Diese Übungen sollten langsam gesteigert und immer in einer sicheren Umgebung durchgeführt werden, beispielsweise in der Nähe einer Wand oder mit einer Begleitperson, um Stürze zu vermeiden. Ein individuell abgestimmtes Programm, wie es etwa in der Physiotherapie oder unter Anleitung eines qualifizierten Fitnesstrainers erstellt wird, kann die Wirksamkeit zusätzlich unterstützen.
Sturzprävention bei Gleichgewichtsstörungen
Neben gezieltem Training spielt die Sturzprävention im Alltag eine ebenso wichtige Rolle, insbesondere für ältere Menschen oder Personen mit wiederkehrenden Gleichgewichtsproblemen. Bereits einfache Anpassungen im Wohnumfeld und im Alltag können das Sturzrisiko spürbar senken:
- Stolperfallen wie lose Teppiche, Kabel oder Schwellen beseitigen
- Für ausreichende Beleuchtung sorgen, insbesondere auf Treppen und im Flur
- Rutschfeste Schuhe mit gutem Halt tragen, auch innerhalb der Wohnung
- Haltegriffe im Bad und an Treppen anbringen lassen
- Regelmäßige Seh- und Hörtests wahrnehmen, da Beeinträchtigungen die Gangsicherheit zusätzlich verringern
- Medikamentenplan regelmäßig ärztlich überprüfen lassen
- Ausreichend trinken und auf eine ausgewogene Ernährung achten
- Bei Bedarf Hilfsmittel wie einen Gehstock oder Rollator nutzen
Diese Maßnahmen ersetzen keine medizinische Behandlung, können das Risiko für Stürze und daraus resultierende Verletzungen im Alltag jedoch spürbar reduzieren. Gerade in Kombination mit einem angepassten Gleichgewichtstraining und der konsequenten ärztlichen Abklärung der Ursache lässt sich die Sicherheit im Alltag nachhaltig verbessern.
Insgesamt sind Gleichgewichtsstörungen sehr unangenehm und können den Alltag zunehmend belasten. Dabei dürfen sie nie verharmlost werden, sondern sollten eine ärztliche Abklärung voraussetzen. Mit einer gesunden Lebenseinstellung, begleitendem Gleichgewichtstraining und ausreichend Ruhe gelingt es aber, die Problematik in den meisten Fällen schnell und dauerhaft wieder in den Griff zu bekommen.
Fazit
Gleichgewichtsstörungen können vielfältige Ursachen haben – von altersbedingten Veränderungen über Innenohr-Erkrankungen bis hin zu Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich. Auch wenn die meisten Auslöser harmlos sind, sollten Sie Schwindel und Balanceprobleme immer zunächst ärztlich abklären lassen, um ernste Erkrankungen auszuschließen. Ist die Ursache bekannt und unbedenklich, kann ein gezieltes Gleichgewichts- und Propriozeptionstraining die Stabilität begleitend fördern und im Alltag mehr Sicherheit geben.
Häufige Fragen zu Gleichgewichtsstörungen
Wann sollte ich bei Gleichgewichtsstörungen einen Arzt aufsuchen?
Grundsätzlich sollten Sie Gleichgewichtsstörungen immer ärztlich abklären lassen, insbesondere wenn Schwindel plötzlich auftritt, länger anhält oder von Sehstörungen, Hörproblemen, starker Übelkeit oder Sprech- bzw. Bewegungsstörungen begleitet wird. Nur ein Arzt kann die eigentliche Ursache feststellen und eine passende Behandlung einleiten.
Sind Gleichgewichtsstörungen gefährlich?
In den meisten Fällen sind die Ursachen harmlos, etwa altersbedingte Veränderungen oder Verspannungen. Da sich hinter Schwindel und Balanceproblemen jedoch auch ernste Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems verbergen können, sollten Sie die Beschwerden in jedem Fall ärztlich abklären lassen, statt sie zu verharmlosen.
Was kann bei akutem Schwindel kurzfristig unterstützen?
Ruhe bewahren, gleichmäßig atmen und sich setzen oder hinlegen, kann in einem akuten Moment unterstützend wirken. Diese Maßnahmen ersetzen jedoch keine ärztliche Abklärung, wenn die Beschwerden wiederkehren oder anhalten.
Kann ich Gleichgewichtstraining eigenständig zuhause durchführen?
Leichte Gleichgewichtsübungen lassen sich zur Prävention zuhause durchführen, sofern kein medizinischer Hintergrund vorliegt. Liegt eine gesundheitliche Ursache vor, sollte das Training erst nach ärztlicher Freigabe und idealerweise unter fachlicher Anleitung, etwa durch einen Fitnesstrainer, erfolgen.
Welche Erkrankungen können Gleichgewichtsstörungen auslösen?
Neben Innenohr-Erkrankungen kommen unter anderem Bluthochdruck oder Blutniederdruck, Stoffwechselprobleme, Flüssigkeitsmangel sowie in seltenen Fällen ein Hitzschlag oder Schlaganfall als Auslöser infrage. Diese Ursachen sind selten, sollten aber in jedem Fall ärztlich ausgeschlossen werden.
Wie hängen Nacken- und Schulterverspannungen mit dem Gleichgewicht zusammen?
Muskelblockaden und Verkrampfungen im Schulter- und Nackenbereich können Schwindel und ein unsicheres Gleichgewichtsgefühl begünstigen. Sanfte Druckpunktstimulation, Wärme und vorsichtige Dehnübungen können hier begleitend unterstützen, ersetzen bei anhaltenden Beschwerden aber keine ärztliche Untersuchung.
Quellen & weiterführende Informationen
- Wikipedia: Schwindel – Formen, Ursachen und Abklärung
- DocCheck Flexikon: Schwindel – medizinische Fachdarstellung inkl. Warnzeichen
- Wikipedia: Gleichgewichtssinn – wie der Körper das Gleichgewicht regelt

