03. Mai 2023
Lesezeit ca. 26 Min.

Lagerungsschwindel – auch Lageschwindel oder Lagerschwindel genannt – ist die häufigste Form von Drehschwindel: Kleine Ohrsteinchen (Otholithen) lösen sich im Innenohr und reizen bei jeder Lageänderung das Gleichgewichtsorgan. Die gute Nachricht: Der gutartige Lagerungsschwindel (BPPV) ist meist harmlos und gut behandelbar. Am wirksamsten sind die Befreiungsmanöver nach Epley, Semont und Barbeque, mit denen die Beschwerden oft schon innerhalb von ein bis drei Wochen verschwinden. Wichtig ist, erstmaligen oder anhaltenden Schwindel zunächst ärztlich abklären zu lassen.

Key Facts — Lagerungsschwindel auf einen Blick

  • Was es ist: Häufigste Schwindel-Form — gutartiger paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPPV)
  • Ursache: Verlagerte Otholithen (Ohrsteinchen) im falschen Bogengang des Innenohrs
  • Symptome: Kurze, heftige Drehschwindel-Attacken bei Lage- oder Kopfwechsel, oft mit Übelkeit
  • Top-Therapie: Befreiungsmanöver Epley, Semont oder Barbeque — nachweislich wirksam
  • Dauer bis Beschwerdefreiheit: 1–3 Wochen bei regelmäßiger Anwendung; oft auch spontane Auflösung
  • Wann zum Arzt: Bei zusätzlichen Symptomen wie Bewusstseinsstörungen, Lähmungen, Sehstörungen, starken Kopfschmerzen — sofort Notarzt
  • Unterstützend: Manuelle HWS-Therapie (z.B. Cranio-Sacrale Therapie) kann begleitende Verspannungen lösen

Was ist ein Lagerungsschwindel?

Der Begriff „Lagerungsschwindel“ bezieht sich auf ein Schwindelgefühl, welches üblicherweise auftritt, wenn eine bestimmte Bewegung ausgeübt wird. Dabei handelt es sich größtenteils um eine harmlose Erkrankung, die jedoch für die betroffene Person sehr unangenehm sein kann. In Fachkreisen spricht man auch von peripherem paroxysmalem Lagerungsschwindel (PPLS) oder benignem paroxysmalem positionalem Vertigo (BPPV). Allgemein beschreibt der „Lagerungsschwindel“ eine Unterform des Schwindels, die anfallsartig in Erscheinung tritt. In dem Zusammenhang zeigt sich der Schwindel während oder unmittelbar nach einem Lagerungswechsel, wodurch die Körperposition verändert wird.

Ulrich Pötter

Ulrich Pötter

Geschäftsführer & Ausbildungsexperte der WellnessInPerfektion WIP GmbH

Ulrich Pötter ist Gründer und Geschäftsführer der WellnessInPerfektion WIP GmbH und seit über 25 Jahren als staatlich anerkannter Therapeut tätig. Er ist Autor mehrerer staatlich zugelassener Fernlehrgänge (Klett-Verlag) und verantwortet die fachliche Qualität aller Lehrgänge.

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Wichtiger Hinweis: Dieser Ratgeber dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltendem oder erstmaligem Schwindel — insbesondere mit zusätzlichen Symptomen wie Sehstörungen, Lähmungserscheinungen, Bewusstseinsstörungen oder starken Kopfschmerzen — wenden Sie sich bitte umgehend an einen HNO-Arzt oder eine Neurologin.

Welche Arten von Lagerungsschwindel gibt es?

Meist wird unterschieden zwischen gutartigem und bösartigem Lagerungsschwindel, doch dies ist falsch. Im Grunde gibt es nämlich nur eine Form des Lagerungsschwindels. Diese wird jedoch häufig als gutartiger Lagerungsschwindel bezeichnet, um zu verdeutlichen, dass keinerlei ernste Hintergründe vorliegen und das Problem in der Regel nach einiger Zeit von allein wieder verschwindet.

Kommen allerdings ernsthafte Beschwerden wie dauerhafte Augenprobleme, Desorientiertheit, Blutdruck-Schwankungen, neurologische Ausfälle, Ohnmacht oder Bewusstseinstrübungen hinzu, gibt es für den Schwindel meist einen medizinischen Hintergrund sowie eine ernstzunehmende Grunderkrankung, die ärztlich abgeklärt werden muss. Dabei handelt es sich aber nicht etwa um einen bösartigen Lagerungsschwindel, wie man vermuten könnte, sondern um eine gesundheitliche Dysbalance, bei der Schwindel eines der Symptome ist.

Wie äußert sich Lagerungsschwindel?

Ein gutartiger Lagerungsschwindel zeigt sich in der Regel anfallsartig. Das heißt, er tritt unerwartet und plötzlich auf, sobald eine Veränderung der Körperposition stattfindet. Hierbei entsteht ein starker Drehschwindel, der buchstäblich wie ein „Karussell im Kopf“ einsetzt. Dieses Schwindelgefühl kann in unterschiedlichen Intensitäten einsetzen und die Betroffenen mehr oder weniger belasten. Weitere Symptome sind…

  • Übelkeit bis hin zum Erbrechen
  • Plötzliches starkes Schwitzen
  • Herzrasen
  • Angstattacken
  • Kalte, klamme Hände
  • Schnellere Atmung
  • Annormale Augenbewegungen

Für gewöhnlich werden die Begleiterscheinungen nicht von dem Lagerungsschwindel selbst verursacht, sondern durch die daraus entstehende Angst. Wir geraten automatisch durch das unangenehme Gefühl des starken Drehschwindels in Panik, was in unserem Körper eine Kettenreaktion verursacht, die mit den erwähnten Beschwerden zusammenhängt. So könnte es auch sein, dass wir zum Beispiel das Schwindelgefühl noch einige Zeit später empfinden, obwohl der eigentliche Lagerungsschwindel längst vorbei ist. Unser Körper wurde dann durch die Symptome so stark mitgenommen, dass jene in ihm noch nachwirken.

Teilweise kann es durch den Lagerungsschwindel auch zu einem sogenannten Nystagmus kommen. Das heißt, unsere Augen bewegen sich ruckartig eine bestimmte Richtung und wandern nur sehr langsam wieder zurück in ihre Ursprungsposition. Dadurch haben wir das Gefühl, wir würden dasselbe Bild immer und immer wieder vor unseren Augen drehen sehen.

Bewusstseinsstörungen, Benommenheit oder Schwarz sehen dürfen hingegen nicht auftreten, denn dies sind ernstzunehmende neurologische Dysbalancen, die dringend ärztlich abgeklärt werden müssen.

Ist Lagerungsschwindel gefährlich?

Nein, ein klassischer gutartiger Lagerungsschwindel ist harmlos. Obwohl er für die Betroffenen sehr unangenehm sein kann, hat er doch keinerlei ernste Ursachen und verschwindet nach einer gewissen Zeit wieder. Erst, wenn Symptome auftreten, die, wie schon erwähnt, über einen einfachen Lagerungsschwindel hinausgehen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen und die Auslöser medizinisch abklären lassen. Hier könnte es andernfalls sein, dass sich daraus ein gefährliches, gesundheitliches Risiko entwickelt.

Wann ist der Lagerungsschwindel gefährlich?

Ein Lagerungsschwindel ist erst gefährlich, wenn die Beschwerden eine ernsthafte Grunderkrankung als Ursache haben. Dann spricht man allerdings auch nicht mehr von einem Lagerungsschwindel. Außerdem könnte der Lagerungsschwindel gefährlich sein, wenn Sie sich unmittelbar nach der Schwindelattacke noch unsicher auf den Beinen fühlen und eventuell somit eine erhöhte Sturzgefahr besitzen. Diese kann schließlich zu Verletzungen führen, weshalb es sich empfiehlt, bei Lagerungsschwindel erst aufzustehen, wenn die Schwindelsymptome vollständig abgeklungen sind.

Wie entsteht Lagerungsschwindel? Ursachen im Überblick

Der Lagerungsschwindel entsteht, wie schon der Name sagt, durch einen Wechsel der Körperposition. Ursächlich sind hierbei minimale Kalziumkarbonkristalle, die eigentlich dafür verantwortlich sein sollen, dass innerhalb des Gleichgewichtorgans sämtliche Beschleunigungen unseres Körpers im Raum erfasst und verarbeitet werden können. Falls sich jene Kristalle nun aber durch eine ruckartige Bewegung aus ihrer Gallertmembran lösen, schwimmen sie in den Bogengängen unseres Innenohrs, welche mit Flüssigkeit gefüllt sind. Dies verursacht eine Reizung der empfindsamen Sensorzellen, die dort ansässig sind. Infolgedessen erhält unser Gehirn plötzlich widersprüchliche Befehle und es wird ein Alarmsignal entsendet. Dieses zeigt sich dann in Form des Lagerungsschwindels.

Die Gründe für das Ablösen der Kalziumkarbonkristalle konnten bis heute noch nicht eindeutig erforscht und wissenschaftlich erkannt werden. Angenommen werden zum Beispiel Innenohr-Entzündungen, Infektionen des Gleichgewichtorgans, Verletzungen am Kopf oder starke Erschütterungen (u.a. durch Verkehrsunfälle), Traumata oder der fortschreitende Alterungsprozess als Ursachen.

Wie merke ich, dass ich Lagerungsschwindel habe?

Der Lagerungsschwindel zeigt sich immer in Verbindung mit einer Veränderung der Körperposition. Häufig bei dem Umdrehen im Bett, dem ruckartigen Aufstehen, dem Hochschauen, wenn zum Beispiel ein oberes Regal entstaubt werden soll und der Kopf in den Nacken gelegt wird oder auch beim Bücken und anschließenden Hochkommen. Lagerungsschwindel ist dabei meist mit einer schnellen oder unbewusst falschen Bewegung verbunden und verschwindet nach einigen Sekunden bis zu wenigen Minuten von alleine wieder. Die Symptome sind ein heftiger, sehr intensiver Drehschwindel sowie Übelkeit und Unruhe. Zeigt sich das Schwindelgefühl bei Ihnen also stets nach einem Positionswechsel, liegt die Vermutung nahe, dass Sie an Lagerungsschwindel leiden.

Lagerungsschwindel -- Lagerungsschwindel erkennen

Wie wird Lagerungsschwindel diagnostiziert?

Um den Lagerungsschwindel zu diagnostizieren, wird zunächst eine ausführliche Anamnese absolviert. Der richtige Anlaufpartner ist hier der HNO-Arzt, der anfänglich auf die Schilderungen des Patienten angewiesen ist. Im Anschluss kommt eine erzwungene Lagerungsprobe zum Einsatz. Das sogenannte Dix-Hallpike-Manöver.

Dieses wird wie folgt angewandt:

  • Der Patient muss sich zunächst auf den Behandlungstisch setzen
  • Jetzt wird der Kopf 45 Grad nach rechts gedreht
  • Im Anschluss legt sich der Patient in Rückenlage, der Kopf verbleibt in der 45 Grad Position
  • Der Kopf hänge nun mit etwa 20 Grad Neigungswinkel über den Behandlungstisch
  • Es kommt bei vorliegendem Lagerungsschwindel zum Einsetzen des Schwindelgefühls und des Nystagmus mit einer Verzögerung von etwa 5-10 Sekunden, maximal 30 Sekunden
  • Die Symptomatik hält rund 10-30 Sekunden an, ehe sie von alleine wieder verschwinden. Dieser Zustand wird als Ermüdung bezeichnet
  • Durch die visuelle Fixation eines festen Punktes lässt sich die Zeit des Nystagmus verringern, hier bietet sich eine Frenzelbrille zur Fixation an
  • Führt der Arzt das Manöver häufiger durch, werden die Symptome weniger und verschwinden mit der Zeit gänzlich

Zusätzlich nutzt der HNO-Arzt manchmal noch bildgebende Verfahren, um gefährliche Erkrankungen wie Tumore/Schlaganfall etc. auszuschließen.

Wichtig: Sollten die Symptome sofort einsetzen, ohne Verzögerung und erst bei Lagerungswechsel verschwinden, könnte dies ein Zeichen dafür sein, dass kein Lagerungsschwindel, sondern andere Dysbalancen vorliegen.

Wie bekomme ich Lagerungsschwindel weg?

Lagerungsschwindel lässt sich für gewöhnlich nur durch die Anwendung von Befreiungsmanövern wieder aufheben. Diese Lagerungsmanöver dienen, um die Kalziumkarbonkristalle wieder in ihre reguläre Position zu bringen und somit die dauerhafte Reizung aufzuheben. Das bedeutet, die Partikel müssen innerhalb des Gehörgangs wieder repositioniert und aus dem hinten gelegenen Bogenkanal in einen anderen Bereich umverlagert werden, damit die Symptome verschwinden.

Oftmals verschwindet der Schwindel jedoch auch nach einiger Zeit auch von alleine wieder.

Ulrich Pötter, SWAV-Akademie
Mein Tipp aus 20+ Jahren Therapie-Praxis

In der Praxis sehe ich oft, dass Patient:innen das Epley-Manöver zu hektisch ausführen — gerade weil der Schwindel unangenehm ist, will man schnell durch sein. Das ist genau falsch: Jede Position MUSS mindestens 30 Sekunden gehalten werden, damit die Otholithen Zeit haben, in die richtige Position zu wandern. Mein Rat: Stoppuhr nutzen oder bewusst leise zählen — sonst macht man das Manöver mehrmals umsonst und ist anschließend frustriert.

Welche Manöver helfen bei Lagerungsschwindel?

Um den Lagerungsschwindel erfolgreich bekämpfen zu können, muss der Betroffene sogenannte Lagerungsmanöver anwenden. Sie werden auch als Befreiungsmanöver bezeichnet und dienen, um die Symptomatik aufzuheben. Von jenen gibt es drei unterschiedliche Konzepte, das Epley Manöver, das Semont Manöver und das Barbeque Manöver. Sie können, korrekt eingesetzt, dafür sorgen, dass der Schwindel dauerhaft verschwindet.

Ein Sonderfall unter den Übungen sind die Brandt-Daroff-Übungen: Sie sind speziell für die eigenständige Anwendung zu Hause gedacht. Dabei setzen Sie sich aufrecht auf die Bettkante, legen sich zügig zur Seite, halten die Position rund 30 Sekunden und richten sich wieder auf – anschließend zur anderen Seite. Mehrere Durchgänge über den Tag verteilt helfen dem Gleichgewichtssystem, sich an den Reiz zu gewöhnen. Klären Sie die Eignung vorab mit Ihrer HNO-Ärztin oder Ihrem HNO-Arzt ab.

Nachfolgend möchten wir Ihnen diese Manöver nun einmal genauer vorstellen.

1. Epley Manöver

Das Epley-Manöver ist die am besten erforschte und am häufigsten empfohlene Standardmethode. Führen Sie es Schritt für Schritt wie folgt durch:

  • Sie setzen sich mit auf Ihr Bett, die Beine ausgestreckt, gerade Haltung
  • Nun drehen Sie Ihren Kopf um etwa 45 Grad zu der Seite, die betroffen ist
  • Nehmen Sie dann schnell die Rückenlage ein, der Kopf bleibt in der Position, sodass er nun überstreckt wird
  • Jetzt setzt die Schwindel-Attacke ein
  • Warten Sie rund 30 Sekunden, bis sich die Schwindel-Attacke wieder gelegt hat
  • Drehen Sie nun den Kopf um rund 90 Grad auf die andere Seite, ohne ihn dabei anzuheben
  • Der restliche Körper folgt jetzt dieser Bewegung fließend, sodass sich Ihr Körper im Anschluss in Seitenlage befindet
  • Warten Sie erneut 20-30 Sekunden, bis sich die Schwindelsymptome legen
  • Richten Sie sich nun aus der Seitenlage wieder auf
  • Wiederholen Sie das Manöver rund 3-mal nacheinander für 2-3 Mal täglich, bis die Schwindelattacke abgeklungen sind

Welches der drei Manöver für Sie am besten passt, hängt von Ihren individuellen Voraussetzungen ab: Das Epley-Manöver gilt als wirksamster „Standardweg" und ist gut erforscht. Das Semont-Manöver ist eine sanftere Alternative, besonders geeignet wenn das Drehen im Bett unangenehm ist. Das Barbeque-Manöver eignet sich besonders für Personen mit eingeschränkter Mobilität, weil es weniger weite Bewegungen erfordert. Idealerweise lassen Sie sich beim ersten Mal das Manöver durch einen HNO-Arzt, eine Neurologin oder spezialisierte:n Physiotherapeut:in zeigen — danach können Sie es selbständig zu Hause durchführen.

Wichtig: Ein Epley-Manöver darf nur bei Menschen angewandt werden, die nicht unter Halswirbelsäulenbeschwerden, generellem Schwindel oder anderen Dysbalancen der HWR leiden. Sollten sich zudem Übelkeit, Erbrechen oder Verschlimmerungen der Problematik einstellen, muss das Manöver eingestellt werden.

Das Epley-Manöver ist die Erstwahl bei BPLS des hinteren Bogengangs und gilt mit über 80 % Erfolgsquote als das international etablierte Verfahren. Wenn das Epley nicht zum gewünschten Ergebnis führt — oder Sie körperlich eingeschränkt sind und die Drehung nicht durchführen können — kommt das Semont-Manöver als sehr effektive Alternative in Frage. Es nutzt eine schnellere, schwungvollere Bewegung, kann dadurch aber für Personen mit Halswirbel-Beschwerden weniger geeignet sein.

2. Semont Manöver

Das Semont Manöver ist ein etwas sanfteres Verfahren als das Epley-Manöver und eignet sich ebenfalls, um den gutartigen Lagerungsschwindel zu bekämpfen.

  • Setzen Sie sich zunächst auf die Bettkante
  • Rutschen Sie soweit nach hinten, dass Ihre ganz erholt von der Sitzfläche baumeln können
  • Drehen Sie Ihren Kopf zu der gesunden Seite, Ihr Kinn zeigt in Richtung Schulter
  • Legen Sie sich jetzt schnell auf die entgegengesetzte Seite, also die Seite mit den Beschwerden
  • Ihre Kopfhaltung bleibt dabei bestehen
  • Warten Sie nun rund 2-3 Minuten in der liegenden Position, bis sich die Schwindelattacke legt
  • Drehen Sie sich danach rasch auf die gesunde Seite, ohne Ihre Kopfposition zu verändern
  • Warten Sie wieder 2-3 Minuten, bis sich der Schwindel legt
  • Richten Sie sich jetzt langsam wieder auf und begeben Sie sich in eine normale, sitzende Position
  • Wiederholen Sie die Übungen mehrmals über den Tag verteilt, bis das Schwindelgefühl nicht mehr durch die bewusste Provokation entsteht
Lagerungsschwindel -- Semont-Manöver

Während Epley und Semont auf den hinteren Bogengang abzielen — die häufigste Lokalisation —, behandelt das Barbeque-Manöver eine andere, seltenere Form: Otholithen im horizontalen Bogengang. Symptomatisch unterscheidet sich diese Variante durch Schwindel, der vor allem beim Drehen im Liegen (Seitenwechsel im Bett) auftritt. Wenn das Epley-Manöver bei Ihnen nicht greift und gleichzeitig diese Beschwerden im Vordergrund stehen, ist das Barbeque die richtige Wahl.

3. Barbeque Manöver

Das dritte Manöver ist das Lagerungsmanöver nach Barbeque, welches besonders vorgeht und sich auch für Personen eignet, die über eine eingeschränkte Mobilität verfügen. Dazu befolgen Sie diese Anleitung:

  • Begeben Sie sich in die Rückenlage auf einem Bett
  • Drehen Sie den Kopf jetzt um 45 Grad zu der betroffenen Seite, Kinn zeigt dabei zu der Schulter der betroffenen Seite
  • Verharren Sie in dieser Position für 30 Sekunden
  • Drehen Sie jetzt den Kopf um 45 Grad wieder zurück, Ihr Kinn zeigt zur Decke, verharren Sie wieder 30 Sekunden in der Position
  • Drehen Sie jetzt den Kopf um 45 Grad weg von Ihrer betroffenen Seite in die andere Richtung, das Kinn zeigt zu jener Schulter. Wieder bleiben Sie 30 Sekunden in dieser Position
  • Drehen Sie jetzt Kopf und Körper um rund 90 Grad, Sie befinden sich dann in Bauchlage, Ihr Kinn zeigt in Bettrichtung. Bleiben Sie hier 30 Sekunden.
  • Drehen Sie jetzt wieder Kopf und Körper um 90 Grad, Sie befinden sich in der Seitenlage, Ihr Kinn zeigt zu der betroffenen Seite, auf der Sie liegen. Verweilen Sie für 30 Sekunden in der Position.
  • Aus dieser Position heraus setzen Sie sich direkt auf, ohne sich vorher auf Ihren Rücken zu rollen. Bleiben Sie für 30 Sekunden in der Position, dann wiederholen Sie das Manöver.

Welches der drei Manöver für Sie das richtige ist, hängt von der Lokalisation Ihres Lagerungsschwindels und Ihrer körperlichen Beweglichkeit ab. In Faustregeln: Hinterer Bogengang & geübte Bewegung → Epley. Eingeschränkter Hals oder Bandscheibenbeschwerden → Semont (schnellere Variante mit weniger Drehung). Horizontaler Bogengang (Symptome im Liegen beim Seitenwechsel) → Barbeque. Bei Unsicherheit oder ausbleibendem Erfolg nach zwei bis drei Durchgängen lohnt sich eine HNO-ärztliche Abklärung — oft wird Ihr Arzt das Manöver dann fachgerecht mit Ihnen durchführen.

Wie lange dauert es, bis der Lagerungsschwindel weg ist?

Die Dauer, bis ein Lagerungsschwindel verschwindet, ist unterschiedlich. Dabei hängt dies auch von verschiedenen Faktoren ab, darunter der Schwere der Schwindelsymptome oder der eigene Lebenswandel. Bei einem gutartigen Lagerungsschwindel sagt man, dass jener meist etwa 1-3 Monate andauert und im Anschluss teilweise sogar ohne Behandlung komplett wieder verschwindet. Sollten Sie dennoch aktiv etwas gegen den Schwindel unternehmen, zum Beispiel durch Lagerungsschwindel Übungen, beschleunigen Sie diese Zeitspanne. Nur selten kommt es durch einen gutartigen Lagerungsschwindel zu einem langfristigen oder gar dauerhaften Problem. Manchmal allerdings kehren die Symptome nach einer gewissen Zeit wieder zurück oder kommen in regelmäßigen Abständen wieder zum Vorschein.

Wichtig: Sollte der Schwindel nicht innerhalb mehrerer Wochen bis hin zu wenigen Monaten wieder vollständig verschwinden oder verschlimmert sich die Symptomatik zunehmend, müssen Sie dringend einen Arzt aufzusuchen.

Was ist ein bösartiger Lagerungsschwindel?

Es gibt keinen bösartigen Lagerungsschwindel. Der Begriff „gutartig“ in Verbindung mit dieser Schwindel-Attacke soll lediglich anzeigen, dass keine ernsten Ursachen hinter den Symptomen stecken. Liegen jene aber doch vor, handelt es sich um eine Grunderkrankung, die den Schwindel hervorruft und die medizinisch abgeklärt werden muss.

Was tun bei gutartigem Lagerungsschwindel?

Bei gutartigem Lagerungsschwindel müssen bestimmte Bewegungsabfolgen stattfinden, die einem Purzelbaum für den Kopf ähneln. In Fachkreisen werden diese Befreiungsmanöver bei Lagerungsschwindel auch Canalith Repositioning Procedure oder kurz CRP genannt.

Medikamente bei Lagerungsschwindel werden für gewöhnlich nicht verordnet, da sie nur das Symptom, aber nicht die Schwindel Ursache bekämpfen. Lediglich als ergänzende Therapie für Begleiterscheinungen wie Übelkeit durch den Schwindel können Medikamente verabreicht werden.

Was hilft schnell bei Lagerungsschwindel?

Bei gutartigem Lagerungsschwindel sind die Befreiungsmanöver für gewöhnlich die einzige wirklich effektive Methode, um die Problematik erfolgreich zu bekämpfen. Die Wirkung erfordert jedoch einige Zeit und stellt sich nicht sofort ein. Als schnelle Hilfe ist eine Möglichkeit, sich zunächst nicht auf die betroffene Seite zu legen, denn dadurch verhindern Sie, dass der Lagerungsschwindel überhaupt ausgelöst wird. Auch eine vorübergehende Einnahme mit Medikamenten gegen Übelkeit wäre angemessen. Für eine sofortige Verbesserung des Schwindelanfalls gibt es, entweder sich aus der Position heraus zu begeben, die den Schwindel verursacht hat oder mit ruhigem Atmen sowie der Fixierung eines bestimmten Punktes im Raum dafür zu sorgen, dass sich der Schwindel bereits wieder legt.

Was ist der Unterschied zwischen Provokations- und Befreiungsmanöver?

Das Provokationsmanöver wird von dem Arzt oder Therapeuten absichtlich ausgeführt, damit der Schwindel hervorkommt (man provoziert die Situation). Nur so kann der Experte eindeutig erkennen, ob es sich um einen Lagerungsschwindel handelt. Das Provokationsmanöver ist daher eine Mittel zur Diagnose-Erhebung. Das Befreiungsmanöver dagegen dient, um den Schwindel bekämpfen zu können. Es wird angewandt, damit die Symptome und die Ursache behoben werden. Damit sind die Befreiungsmanöver eine Form der Therapie bei Lagerungsschwindel.

Helfen Befreiungsmanöver bei Lagerungsschwindel?

Ja, Befreiungsmanöver sind in der Regel sehr wirksam und helfen den Betroffenen, bereits nach mehrmaliger Anwendung eine langfristige Verbesserung des gutartigen Lagerungsschwindels zu erzielen. Manchmal dauert es zwar mehrere Wochen, allerdings verschwindet der Lagerungsschwindel dann und es stellt sich wieder Normalität ein. Teilweise müssen die Personen aber damit rechnen, dass die Problematik nach einer Weile zurückkehrt. Dann ist ein erneutes Anwenden der Befreiungsmanöver in regelmäßigen Intervallen notwendig.

Wer darf Befreiungsmanöver anwenden?

Befreiungsmanöver sollten niemals ohne Erfahrung eigenständig von einem Laien eingesetzt werden. Stattdessen empfiehlt es sich, entweder einen Facharzt oder auch einen Physiotherapeuten mit der Problematik zu betreuen und ihn zu bitten, die Manöver zunächst gemeinsam durchzuführen. Hier wäre es hilfreich, wenn der Experte einige nützliche Tipps an den Betroffenen weitergibt, damit jener im Anschluss die Manöver eigenständig daheim absolvieren kann.

Im Allgemeinen ist der gutartige Lagerungsschwindel keine gefährliche Erkrankung und legt sich nach einer Weile von alleine wieder. Dennoch sind die Symptome meist sehr heftig und unangenehm, sodass sie den Betroffenen stark beeinflussen. Durch die passenden Lagerungsmanöver bei Schwindel gelingt es jedoch oft, die Problematik schnell sowie langfristig wieder zu beheben.

Fazit: Lagerungsschwindel ist meist gut behandelbar

Der gutartige Lagerungsschwindel ist zwar in seinen Attacken sehr unangenehm, aber in der Regel harmlos und gut behandelbar. Mit den drei Befreiungsmanövern Epley, Semont und Barbeque haben Sie eine wirksame Selbsthilfe an der Hand — in vielen Fällen sind die Beschwerden innerhalb von ein bis drei Wochen verschwunden. Wichtig ist: Beim ersten Auftreten oder bei Begleitsymptomen wie Bewusstseinsstörungen, Sehstörungen oder Lähmungen immer ärztlich abklären lassen, um ernstere Ursachen auszuschließen.

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Häufige Fragen zu Lagerungsschwindel

Was sind die Ursachen von Lagerungsschwindel?

Ursache des gutartigen Lagerungsschwindels (BPPV) sind kleine Kalziumkarbonat-Kristalle (Otholithen bzw. „Ohrsteinchen"), die sich aus ihrer normalen Position lösen und in die flüssigkeitsgefüllten Bogengänge des Innenohrs gelangen. Dort reizen sie bei jeder Lageänderung die Sinneszellen des Gleichgewichtsorgans und lösen die Schwindelattacke aus. Warum sich die Kristalle lösen, ist oft nicht eindeutig geklärt; begünstigend wirken können Innenohr-Entzündungen, Kopfverletzungen, Erschütterungen oder der natürliche Alterungsprozess.

Wie lange dauert es, bis der Lagerungsschwindel weg ist?

Beim gutartigen paroxysmalen Lagerungsschwindel (BPPV) klingen die Symptome bei regelmäßiger Anwendung von Befreiungsmanövern (Epley, Semont, Barbeque) meist innerhalb von ein bis drei Wochen ab. In vielen Fällen löst sich der Schwindel auch spontan nach einigen Wochen. Bleiben die Beschwerden länger bestehen oder verschlimmern sie sich, ist eine ärztliche Abklärung beim HNO-Arzt oder Neurologen sinnvoll.

Welche Übungen bzw. Manöver helfen bei Lagerungsschwindel?

Die drei anerkannten Befreiungsmanöver sind das Epley-Manöver, das Semont-Manöver und das Barbeque-Manöver. Alle drei verfolgen das gleiche Ziel: Die kleinen Ohrsteinchen (Otholithen) sollen aus dem Bogengang des Innenohrs zurück in ihre normale Position bewegt werden. Welches Manöver geeignet ist, hängt von der betroffenen Stelle und Ihrer Beweglichkeit ab und sollte idealerweise zunächst ärztlich oder physiotherapeutisch angeleitet werden.

Wann sollte ich mit Lagerungsschwindel zum Arzt?

Lassen Sie erstmaligen oder anhaltenden Schwindel grundsätzlich ärztlich abklären, um die Diagnose zu sichern. Treten zusätzlich Symptome wie Bewusstseinsstörungen, Sehstörungen, Sprachstörungen, einseitige Lähmungen oder sehr starke Kopfschmerzen auf, kann eine ernstere Ursache (z.B. ein Schlaganfall) dahinterstecken — in diesem Fall rufen Sie sofort den Notarzt.

Geht Lagerungsschwindel von allein wieder weg?

In vielen Fällen ja: Der gutartige Lagerungsschwindel kann sich auch ohne Behandlung nach einigen Wochen spontan zurückbilden. Mit den Befreiungsmanövern lässt sich dieser Prozess jedoch deutlich beschleunigen und die Beschwerden klingen oft schon nach ein bis drei Wochen ab. Verschwindet der Schwindel nicht oder kehrt er immer wieder, ist eine ärztliche Abklärung ratsam.

Was ist der Unterschied zwischen Provokations- und Befreiungsmanöver?

Ein Provokationsmanöver (z.B. Dix-Hallpike-Manöver) dient der Diagnose: Der Arzt löst gezielt den Schwindel aus, um den BPPV zu bestätigen und die betroffene Seite zu identifizieren. Ein Befreiungsmanöver (Epley, Semont, Barbeque) dient hingegen der Therapie und soll die Otholithen zurück in die normale Position bewegen, um die Schwindelattacken zu beseitigen.

Fachliche Quellen & weiterführende Literatur

Stand der Recherche: 2026-05. Befreiungsmanöver sind etablierte Verfahren der HNO und Physiotherapie; Wirksamkeit ist in multiplen randomisierten Studien belegt.


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Über den Autor
Autorenbild Ulrich Pötter
Ulrich Pötter

Der Autor Ulrich Pötter ist selbst staatlich anerkannter Therapeut und Präventionsexperte. Seit über 20 Jahren beschäftigt er sich mit innovativen Ausbildungskonzepten in den Bereichen Massage, Fitness, Wellness, Heilpraktik und Prävention. Er hat fünf professionelle Akademien gegründet, bei denen er auch heute noch Geschäftsführer und Direktor ist.

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