Farben sehen
Farben spielen in unserem Alltag eine große Rolle, denn sie sind sowohl bewusst als unbewusst in jeglichen Eindrücken von uns enthalten. Wenngleich wir zwar nicht alle dieselben Farbtöne bevorzugen oder meiden, ist der Prozess der Farberkennung dennoch bei jedem Menschen gleich. Wie genau dieser funktioniert, warum wir Farben überhaupt sehen können und wie das Farbsehen unser Leben beeinflussen kann, darüber erfahren Sie mehr in unserem heutigen Blog-Beitrag.
Key Facts – Farben sehen
- Sichtbares Licht: Nur Wellenlängen von etwa 380 bis 780 Nanometern nimmt das Auge wahr – ein winziger Ausschnitt des elektromagnetischen Spektrums.
- Sieben Spektralfarben: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo und Violett gehen fließend ineinander über; Rot hat die längsten, Violett die kürzesten Wellenlängen.
- Zwei Rezeptortypen: Stäbchen messen Helligkeit und liefern das Nachtsehen, Zapfen erfassen die Farbanteile bei Tageslicht.
- Rund 130 Millionen Rezeptoren: etwa 95 Prozent Stäbchen und nur 5 Prozent Zapfen sitzen auf der Netzhaut.
- Drei Zapfentypen: L-, M- und S-Zapfen reagieren auf lange, mittlere und kurze Wellenlängen – deshalb gilt der Mensch als Trichromat.
- Zwei Ebenen: Der physiologische Reiz läuft bei allen gesunden Menschen gleich ab, die psychologische Deutung der Farbe ist individuell.
- Farbfehlsichtigkeit: Rot-Grün-, Rot-, Blau-Schwäche und vollständige Farbblindheit gehören in die Abklärung bei Augenarzt oder Optiker.
Warum sehen wir Farben?
Die Möglichkeit, Farben zu sehen, beruht auf unserer Sehfähigkeit und der Wahrnehmung unterschiedlicher Arten von Licht mit den dazugehörigen Spektren.
Hierbei geht es auch um die Farbwahrnehmung unserer Augen. Sie ist, wie Sie sich vorstellen können, der Schlüssel der Farbtherapie und hilft uns auch, im alltäglichen Leben die Umwelt, die Mitmenschen sowie die zahlreichen verschiedenen Einflüsse farblich zu erkennen sowie zu unterscheiden. Dabei zählt die farbliche Wahrnehmung der Augen als Bestandteil der Sehfähigkeit und ist dafür verantwortlich, dass ein Mensch Licht als Quelle mit vielen spektralen Zusammensetzungen überhaupt differenzieren kann.
Wie verläuft der Prozess des Farbensehens?
Es gibt unzählige Farben, die wir wahrnehmen können, allerdings gelingt es uns hierbei eigentlich nur, einen winzigen Teil des sogenannten elektromagnetischen Spektrums zu erkennen, durch welches sich das Licht in zahlreiche Farben unterteilt. Gerade das Farbspektrum ist hierbei sehr wandelbar und besitzt zwei Enden, die jeweils unterschiedliche Farbnuancen darstellen. Während die eine Seite mit einem infraroten Lichtstrahl ausgestattet wurde, schließt die andere Seite mit einer Färbung in ultraviolett ab. Das Spektrum kann jedoch noch mehr Farbarten und Vielschichtigkeiten widerspiegeln.
Gerade Mikrowellen und Radiowellen, welche zur Ausstrahlung von Energie beitragen und damit der Funktion des Spektrums gerecht werden, sind ebenso Teil von ihm wie die allseits bekannten Gammastrahlen oder Röntgenstrahlen. Im Zuge dessen werden die Wellen wiederum in Wellenkämme unterteilt, wobei der Abstand zwischen zwei Wellenkämmen die Wellenlänge misst und festlegt, welche Wellenart auftritt. Je nach der Position der Welle (die von ihrer Länge abhängig ist), wechselt die Wellenlänge in Verbindung mit der dazugehörigen Farbe.
Das bedeutet, die kürzesten Wellenlängen befinden sich im Bereich des ultravioletten Endes und die längsten auf der Hälfte mit der roten Endseite. Das Spektrum teilt sich hierzu in sieben Farben auf, die in ihren Schattierungen ineinander übergehen. Rot - Orange - Gelb - Grün - Blau - Indigo - Violett, die für gewöhnlich als 7-Strahlen geläufig sind.
Wodurch sieht das Auge Farben?
Das Auge besitzt für das Sehen und Farben diverse Rezeptortypen, die auf bestimmte Spektralbereiche empfindsam reagieren. Die daraus entstehende Erregung in den Rezeptorzellen wird auf komplexer Ebene weiterverarbeitet, was sowohl im Gehirn als auch in der Netzhaut stattfindet und am Ende dafür verantwortlich ist, dass der Mensch ein Empfinden für die jeweilige Farbe entwickeln kann.
Welche Arten von Farbwahrnehmung gibt es?
Die Farbwahrnehmung findet auf zwei Ebenen statt, auf physiologischer Ebene als Empfangen der Reize durch die Spektren des Lichts und auf psychologischer Ebene als Verarbeitung der Farbreize im Gehirn.
Die Farbwahrnehmung hat hierbei eine starke Verbindung zu der psychologischen Komponente, denn sie ist individuell bei jedem Menschen anders ausgeprägt. Der rein physikalische Reiz dagegen, also das Empfangen der Farbe durch die Rezeptoren, ist unveränderbar und bei allen gesunden Menschen identisch.
Als Beispiel lässt sich hier der Wasserhahn erwähnen, bei welchem der blaue Punkt die kalte Temperatur und der rote Punkt die warm/heiße Temperatur anzeigt. Unser Gehirn hat wie ein Automatismus die beiden Farben mit Empfindungen verbunden (psychologisch), sodass wir genau wissen, was wir nach dem Erkennen der Farben (physiologisch) zu tun haben, wenn wir kaltes oder warmes Wasser möchten.
Sehen alle Menschen Farben gleich?
Nein, zumindest nicht auf psychologischer Ebene. In der Praxis heißt das auch, „Rot“ wird von jedem Menschen als „rote Farbe“ des Spektrums über den passenden Reiz an die Rezeptortypen empfangen, dies ist eine automatische Reaktion. Ob jedoch ein Mensch damit bei seiner Wahrnehmung etwas Positives verbindet oder den negativen Gedanken an zum Beispiel Blut, hat, dass ist hingegen psychologisch vorherbestimmt und kann unterschiedlich ausfallen. Nicht umsonst haben Menschen verschiedene „Lieblingsfarben“.
Wie verläuft die Farberkennung der Augen?
Betrachten wir das Auge und seine Farberkennung genauer. Das Auge bezeichnet das wichtigste Sinnesorgan des Menschen, welches eine Reaktion in Verbindung mit elektromagnetischer Strahlung zeigt. Hierfür sollten die Wellenlängen von jener allerdings in einem bestimmten Bereich angesiedelt sein (etwa 380-780 nm), denn erst in diesem Umfeld gelingt es dem Auge, sichtbares Licht zu erkennen.
Der anatomische Aufbau des Auges ist sehr komplex, allerdings wollen wir uns hier auf die Bestandteile beschränken, die in Verbindung mit der Farbwahrnehmung von Bedeutung sind, darunter Hornhaut, Netzhaut, Linse, Stäbchen und Zapfen.
Aufgrund der Horn- und der Netzhaut gelingt es dem Licht, in das Augeninnere einzudringen. Im Innenteil der Iris, welcher die Pupille bezeichnet, lässt sich die Art des Lichteinfalls dann durch Muskelbewegungen steuern.
Die Augenlinse wiederum, die hinter der Pupille zu finden ist, kann die Schärfe von Bildern regulieren. Dieser Vorgang wird auch als Akkommodation bezeichnet. Demnach sind die Ziliarmuskeln der Linse während des Schlafs und auch bei einem Blick in die Entfernung ganz entspannt, werden allerdings angespannt, wenn es um das Konzentrieren auf einen bestimmten Blickpunkt oder etwas in unmittelbarer Nähe geht. Die Ziliarmuskeln, besser gesagt, der Ziliarmuskelring begünstigt dann das Zusammenziehen der Linse, um das scharfe, fokussierte Bild zu erhalten.
Die Linse ist dann dafür verantwortlich, das einfallende Licht aufzubrechen, worauf es durch den Glaskörper mit seiner kugelähnlichen Silhouette direkt durch die Retina projiziert werden kann, das heißt durch die Netzhaut.
In dem Zusammenhang erweist sich die Retina des menschlichen Auges als die Schicht, welche die höchste Lichtempfindlichkeit besitzt und mit Farbrezeptoren ausgestattet ist, die wiederum Helligkeit und Farbton erkennen können.
Welche Rolle spielen Farbrezeptoren für das Erkennen und Farben?
Farbrezeptoren sind entscheidend für unser Auge, um Farben zu erkennen. Die Rede ist hierbei von Zapfen und den Stäbchen. Um ihnen die Fähigkeit zu verleihen, Farben und deren Helligkeit einzuordnen, wird der sehr aufwendige biochemische Vorgang vorausgesetzt.
Im Zuge dessen sind die Stäbchen dafür verantwortlich, die Helligkeit zu bemessen, welche ein hineinfallender Lichtstrahl besitzt. Zapfen hingegen eignen sich für die Bemessung der enthaltenen Farbanteile. Zapfen sind hierbei um einiges weniger lichtempfindlich als die Stäbchen, was darauf beruht, dass Stäbchen eine größere Oberfläche besitzen und zudem mehr Rhodopsin enthalten. Jener Farbstoff erweist sich als besonders lichtsensibel.
Stäbchen sind aufgrund dieser hohen Empfindsamkeit lediglich dazu in der Lage, die Helligkeit des einfallenden Lichtstrahls zu erkennen und einzuordnen. Sie geben sozusagen ein „Schwarz-weiß-Bild“ an das Gehirn, was sie sogar in der Nacht liefern. Daher gelingt es uns Menschen auch, trotz der einfallenden Dunkelheit meist noch Umrisse sowie Licht und Schatten voneinander unterscheiden zu können. Je heller der Lichteinfall, umso weniger lassen sich die Stäbchen einsetzen. Gerade am Tag sind dann die Zapfen gefordert, welche die Farbanteile bemessen. Sie besitzen eine hohe Empfindlichkeit gegenüber allen Arten von blauem Licht (in Bezug auf das andere Ende der Spektrumshälfte mit der ultravioletten Färbung für die kürzesten Wellenlängen).
Wie viele Arten von Zapfen gibt es?
Der Mensch besitzt drei Arten von Zapfen. Dadurch wird er in Fachkreisen als Trichromat bezeichnet.
Von den Zapfen finden sich im menschlichen Auge die…
- L-Zapfen (auch Long Distance Zapfen für die längsten Wellenlängen) Sie besitzen eine hohe Empfindlichkeit gegenüber rotem Licht (in Bezug auf das Ende der Spektrumshälfte mit der Infrarot-Färbung für die längsten Wellenlängen)
- M-Zapfen (auch Medium Distance Zapfen für die mittleren Wellenlängen) Sie besitzen eine hohe Empfindlichkeit gegenüber grünem Licht (in Bezug auf die Mitte des Spektrums mit der dortigen Farbschattierung grün)
- S-Zapfen (auch Short Distance Zapfen für die kürzesten Wellenlängen)
Wie viele Farbrezeptoren gibt es?
Es gibt etwa 130 Millionen Farbrezeptoren, die sich auf der Netzhaut ansiedeln. Rund 95 % davon sind Stäbchen und nur 5 % Zapfen. Diese kommen obendrein in unterschiedlicher Häufigkeit vor, denn die S-Zapfen zeigen sich am seltensten.
Wie unterscheiden sich Farbsehen am Tag und in der Nacht?
Am Tag ist unser Auge fähig, dem Gehirn Informationen über den Farbton, seine Sättigung und seine Helligkeitsstufe zu vermitteln. In der Nacht aber geht es lediglich um Informationen, die Hell und Dunkel voneinander unterscheiden.
Gibt es Menschen, die keine Farben sehen können?
Ja, wenn Farben dagegen aus gesundheitlichen Gründen nicht voneinander unterschieden werden können, liegt dies an einer Farbenblindheit. Sie gibt es in verschiedenen Unterstufen wie der Rot-Grün-Blindheit, Blau-Blindheit, Rot-Blindheit. Die Betroffenen können dann die entsprechenden Farben nicht erkennen und somit auch nicht von den anderen Farben des Spektrums unterscheiden. Die vollkommene Farbblindheit ist sogar dafür verantwortlich, dass ein Mensch gar keine Farben erkennt.
Warum ist das Farbensehen wichtig im Alltag?
Im Alltag begegnen uns in den unterschiedlichsten Bereichen Farben. Sie wecken Emotionen, sind für eine bessere Vorstellungskraft verantwortlich, untermalen unsere Gemütslage und helfen uns, eine optimale Orientierung zu bewahren. Sie dienen zum Beispiel, um Warnsignale zu erkennen und zu berücksichtigen, eine Stimmung zum Ausdruck zu bringen oder ein harmonisches Raumkonzept zu schaffen. Dies wiederum steigert das Wohlbefinden privat und auch beruflich. Weiterhin helfen Farben im Marketing-Bereich, um Kunden zu akquirieren und in ihnen bestimmte Werte, Erinnerungen oder Sinnesreize (Geschmack) zu aktivieren. Nicht zuletzt sorgen Farben dafür, dass wir die Unterschiede zwischen den einzelnen Menschen wahrnehmen und jedes Gebäude, der Einzelne mit seiner Erscheinung sowie unser Umfeld unverwechselbar wird.
Farben können obendrein ganz bewusst eingesetzt werden, damit wir unser inneres Gleichgewicht erhalten oder mehr Entspannung in unseren Alltag bringen. Hierzu sollten Sie allerdings im Vorfeld eine fundierte Ausbildung belegt haben, wie ein Online-Kurs zu dem Thema Farbtherapie
Wie wir Farben sehen, ist letztlich also ein fester physiologischer Reiz, den wir nicht ändern können. Die Farbwahrnehmung jedoch ist bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt und sorgt dafür, dass wir alle Eindrücke um uns herum anders erleben. Oberste Voraussetzung hierfür wäre allerdings erneut die Fähigkeit, Farben zu sehen.
Was mir in über 20 Jahren Praxis immer wieder auffällt: Nicht die Wandfarbe entscheidet über die Wirkung eines Behandlungsraums, sondern das Licht, in dem sie steht – dasselbe Beige wirkt unter kaltweißen Deckenstrahlern klinisch und unter warmen, indirekten Leuchten geborgen. Testen Sie eine geplante Farbe deshalb immer zu der Tageszeit und mit der Beleuchtung, unter der später tatsächlich gearbeitet wird, und lassen Sie die Blickachse der liegenden Person dabei nicht außer Acht: Sie schaut die meiste Zeit an die Decke, nicht an die Wand. Und wenn eine Kundin erwähnt, dass Farben in letzter Zeit blasser wirken, verweise ich freundlich an Augenarzt oder Optiker – das ist kein Fall für Entspannungslicht.
Fazit
Farben sehen wir, weil ein schmaler Ausschnitt des elektromagnetischen Spektrums auf eine Netzhaut trifft, die mit rund 130 Millionen Stäbchen und Zapfen ausgestattet ist – Stäbchen für Helligkeit und Nachtsehen, drei Zapfentypen für die Farbanteile. Dieser physiologische Teil läuft bei allen gesunden Menschen gleich ab. Was daraus wird, entscheidet erst das Gehirn: Ob Rot als Signal, als Wärme oder als beunruhigend empfunden wird, ist individuelle Verarbeitung – und genau deshalb hat jeder Mensch seine eigenen Lieblingsfarben. Für den Wellnessbereich heißt das: Farbe ist ein starkes Werkzeug für Atmosphäre, Raumwirkung und Wohlbefinden, aber kein Heilmittel; eine medizinische Wirkung ist nicht belegt. Wenn Farben plötzlich blasser wirken, sich verändern oder sich bestimmte Töne nicht mehr unterscheiden lassen, gehört das zu Augenarzt oder Optiker und nicht in die Entspannungskabine. Wer den bewussten Einsatz von Farbe, Licht und Atmosphäre fundiert lernen und beruflich nutzen möchte, findet in den Wellness- und Entspannungs-Weiterbildungen der SWAV-Akademie den passenden fachlichen Rahmen.
Häufige Fragen zu Farben sehen
Wie häufig ist eine Rot-Grün-Sehschwäche?
Die Rot-Grün-Sehschwäche ist die mit Abstand häufigste Form der Farbfehlsichtigkeit. Sie betrifft etwa acht von hundert Männern und weniger als eine von hundert Frauen, weil die Erbanlage auf dem X-Chromosom liegt. Eine vollständige Farbblindheit, bei der überhaupt keine Farbtöne unterschieden werden, ist dagegen sehr selten.
Wie wird eine Farbfehlsichtigkeit festgestellt?
Der erste Schritt sind meist Farbtafeln, auf denen Zahlen oder Linien aus farbigen Punkten gebildet werden – wer bestimmte Farbtöne nicht trennen kann, erkennt das Muster nicht. Für eine genaue Einordnung nutzen Augenärztinnen und Augenärzte ein Anomaloskop, mit dem sich Art und Ausmaß der Schwäche bestimmen lassen. Online-Tests am Bildschirm ersetzen diese Untersuchung nicht, weil Monitorkalibrierung und Umgebungslicht das Ergebnis verfälschen.
Lässt sich eine Farbfehlsichtigkeit behandeln?
Eine angeborene Farbfehlsichtigkeit lässt sich nach heutigem Stand nicht heilen, weil die betroffenen Zapfen fehlen oder verändert sind. Spezielle Filterbrillen können Kontraste zwischen bestimmten Farbtönen verstärken und die Unterscheidung im Alltag erleichtern, sie stellen aber kein normales Farbsehen her. Wichtig ist die Abgrenzung: Wenn sich das Farbsehen plötzlich verändert, steckt keine Erbanlage dahinter, sondern eine Erkrankung von Auge oder Sehbahn – das gehört zeitnah augenärztlich abgeklärt.
Warum wirkt dieselbe Farbe unter Kunstlicht anders?
Jede Lichtquelle hat eine eigene spektrale Zusammensetzung. Warmweißes Licht enthält viele lange Wellenlängen und lässt Rottöne kräftig, Blautöne dagegen stumpf erscheinen, kaltweißes Licht kehrt den Effekt um. Das Gehirn gleicht das über die sogenannte Farbkonstanz weitgehend aus, weshalb ein weißes Handtuch morgens wie abends weiß aussieht. Wenn Farben exakt beurteilt werden sollen – etwa bei Kosmetik oder Raumgestaltung –, lohnt der Blick bei Tageslicht oder unter Leuchtmitteln mit hoher Farbwiedergabe.
Verändert sich das Farbsehen mit dem Alter?
Ja, allerdings sehr langsam. Die Augenlinse wird im Lauf der Jahrzehnte dichter und nimmt einen leicht gelblichen Ton an, wodurch kurzwelliges blaues Licht stärker gefiltert wird. Blau- und Violetttöne wirken dadurch weniger brillant, Kontraste bei schwachem Licht sinken. Nimmt der Effekt spürbar zu oder erscheinen Farben deutlich blasser, sollten Sie das beim Augenarzt prüfen lassen, weil auch eine Linsentrübung dahinterstecken kann.
Warum erscheinen Farben in der Dämmerung bläulich?
Beim Übergang vom Zapfen- zum Stäbchensehen verschiebt sich die Empfindlichkeit des Auges in Richtung kürzerer Wellenlängen. Rote Blüten wirken deshalb in der Dämmerung fast schwarz, während blaue und grüne Flächen vergleichsweise hell leuchten. Dieses Phänomen ist als Purkinje-Effekt bekannt und ein guter Beleg dafür, dass Farbe kein fester Eigenwert eines Gegenstands ist, sondern aus Licht, Rezeptor und Verarbeitung entsteht.
Sehen Tiere die gleichen Farben wie wir?
Nein. Hunde und Katzen besitzen nur zwei Zapfentypen und unterscheiden Blau- und Gelbtöne, während Rot und Grün für sie kaum trennbar sind. Viele Vögel und Insekten haben dagegen einen zusätzlichen Rezeptor und nehmen ultraviolettes Licht wahr, das dem Menschen völlig verborgen bleibt. Farbe ist also keine Eigenschaft der Welt, sondern das Ergebnis der jeweiligen Sinnesausstattung.
Warum sehe ich nach dem Blick auf eine bunte Fläche ein Nachbild?
Wenn Sie längere Zeit auf eine kräftig farbige Fläche schauen, ermüden die dafür zuständigen Zapfen. Blicken Sie anschließend auf eine weiße Wand, überwiegen kurzfristig die übrigen Rezeptoren und Sie sehen die Komplementärfarbe – nach Rot etwa ein grünliches Nachbild. Der Effekt ist harmlos und verschwindet nach wenigen Sekunden. Anhaltende Flecken, Schleier oder Lichtblitze im Sichtfeld sind dagegen kein Nachbild und gehören augenärztlich untersucht.
Kann Farbtherapie Krankheiten heilen?
Für eine medizinische Wirksamkeit der Farbtherapie gibt es keine belastbaren wissenschaftlichen Belege, entsprechende Heilversprechen sind unseriös. Gut dokumentiert ist dagegen, dass Farben Stimmung, Raumempfinden und Wohlbefinden beeinflussen – ein warmer Farbton, gedämpftes Licht und stimmige Kontraste machen einen Behandlungsraum spürbar angenehmer. Farbe ist damit ein sinnvolles Gestaltungs- und Entspannungsinstrument, aber kein Ersatz für ärztliche Diagnostik und Behandlung.
Beeinflusst Bildschirmlicht am Abend das Farbsehen?
Das Farbsehen selbst nimmt durch Bildschirmarbeit keinen Schaden. Der hohe Blauanteil moderner Displays wirkt aber auf die inneren Uhren und kann das Einschlafen verzögern, und langes Starren auf den Monitor führt zu trockenen, gereizten Augen mit unscharfem Bild. Hilfreich sind regelmäßige Blickwechsel in die Ferne, bewusstes Blinzeln und am Abend ein wärmerer Farbmodus.
Quellen & weiterführende Informationen
- Wikipedia: Farbwahrnehmung – wie Auge und Gehirn Farben verarbeiten
- Wikipedia: Auge – Aufbau und Funktion des Sehorgans
- Wikipedia: Farbenfehlsichtigkeit – Ursachen eingeschränkten Farbsehens

