22. Mai 2017
Lesezeit ca. 17 Min.

Der Check-up ist ein inhaltlicher Schwerpunkt jedes effektiven Fitnessprogramms und tritt deshalb immer vor Trainingsanfang in Erscheinung. Zudem bildet er ein richtungsweisendes Kriterium für die Erstellung eines Trainingsplans. Für gewöhnlich kommt er darum hauptsächlich in Fitnessstudios oder bei dem Personaltraining zum Einsatz. Hierbei spielt vor allem die Anamnese eine tragende Rolle, da sie den jeweiligen Fitnesstrainer über die gesundheitliche Situation des Sportlers aufklärt und dem Experten alle wissenswerten Informationen für das gewinnbringende Training liefert. In dem Zusammenhang hat der Check-up gleich mehrere Funktionen, was seine Bedeutsamkeit nach außen projiziert.

Key Facts – Anamnese und Check-up im Fitnessstudio

  • Fünf Blöcke: Stammdaten, Ziele, Gesundheit, aktuelle Beschwerden und sportliche Vorgeschichte.
  • Am häufigsten vergessen: Die Medikamentenfrage – Betablocker machen jede Pulssteuerung unbrauchbar – und die Unterschrift mit Datum.
  • Gesundheitsdaten sind besonders geschützt: Art. 9 DSGVO verlangt eine ausdrückliche, auf diese Angaben bezogene Einwilligung.
  • Zeit einplanen: 45 bis 60 Minuten für Anamnese und Check-up; den Bogen gemeinsam durchgehen statt zum Ausfüllen aushändigen.
  • Reihenfolge beachten: Ruhepuls und Blutdruck vor dem Rundgang messen, sonst sind die Werte wertlos.
  • Keine Diagnose: Auffällige Werte werden nicht gedeutet, sondern zur ärztlichen Abklärung verwiesen.

Aufgaben des Check-ups – Basis des erfolgreichen Trainingsplans

Auch wenn ein intensives Training für die körperliche Fitness entscheidend ist, kann jenes ohne eine vorangegangene Analyse nicht die gewünschten Effekte zeigen. Schließlich setzt sich jede Sport-Einheit aus verschiedenen Übungen zusammen, die exakt auf die Bedürfnisse des betreffenden Sportlers abgestimmt werden müssen. Erst dann führen sie zu dem beabsichtigten Ziel.

Außerdem haben noch weitere Faktoren einen großen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit des Körpers, darunter die Lebensweise, die Ernährung oder die persönliche Einstellung. Nur wenn jegliche dieser Eckpunkte im selben Maß beachtet werden, kann das Training langfristige Wirkung zeigen. Ein Check-up setzt genau an der Tatsache an und hilft dem Trainer sowie dem Sportler eine Struktur in die Sport-Betätigung zu bringen und einen dauerhaften Mehrwert zu fördern.

Vor allem bei Personen, die zuvor noch kein kontinuierliches Training absolviert haben, wäre ein solches Verfahren sogar unumgänglich, um eventuelle Probleme oder Schwachpunkte herauszufinden. Käme es dagegen nicht zu einem Check-up inklusive Anamnese, könnte das spätere Fitness-Konzept zu ernsthaften Risiken wie Fehlhaltungen, Überbelastungen oder Schmerzen beitragen. Folglich dient die entsprechende Voruntersuchung:

  • dem Überblick hinsichtlich der körperlichen Verfassung
  • der Berechnung des Fitness-Index/Leistungsfähigkeit
  • der Erkenntnis in puncto Kondition
  • dem Erfassen von Krankheiten
  • der Aufklärung über muskuläre Disharmonien
  • der Untersuchung auf Stoffwechsel- oder Blutdruckprobleme
  • einer sinnvollen Trainingsplanerstellung
  • der Absicherung von Trainer und Sportler

Im Allgemeinen ist ein Check-up ebenfalls dafür verantwortlich, den Kunden und seine Anforderungen an das kommende Sportprogramm besser kennenzulernen und schafft eine Vertrauensbasis. Hierbei ist insbesondere die Anamnese ein wertvoller Aspekt.

Anamnese & Check-up

Die Anamnese – wesentlicher Bestandteil des Eingangstests

Eine Anamnese ist in vielen gesundheitlichen Bereichen bekannt und fungiert als Vorlage für eine wirkungsvolle Therapie. Daher hat sie auch bei ärztlichen Untersuchungen Bestand, um den jeweiligen Patienten genauestens analysieren zu können. Bei dem Check-up im Fitnesssektor verfolgt sie denselben Zweck und liefert dem Trainer einen detaillierten Überblick in Bezug auf den Allgemeinzustand seines Kunden.

In Verbindung damit beinhaltet die Anamnese die Messung von zentralen Werten wie Blutdruck, Puls oder Körperfettanteil. Obendrein werden Körpergröße, Gewicht sowie teilweise der BMI herausgefiltert. Meistens wird diese präventive Datenerfassung als erster Abschnitt des Check-ups ausgeführt. Für gewöhnlich ermittelt eine Fachkraft die erforderlichen Kriterien dazu mit den neuesten Gerätschaften und größter Präzision. Der Check-up hat jedoch noch weitere inhaltliche Komponenten, die für seine Korrektheit ausschlaggebend sind.

Tragende Säulen des Check-ups – grundlegende Analyse der Leistungsfähigkeit

Wie oben bereits erwähnt, beginnt ein Check-up grundsätzlich mit der Anamnese. Zu seinen Elementen gehört allerdings auch die Ermittlung des Lifestyles, da jene Kenntnisse für den späteren Trainingsablauf unverzichtbar sind. Immerhin wirkt sich der Lebensstil jedes Sportlers sowohl auf seine Gesundheit als auch auf die Fitness aus und muss darum bedacht werden. Häufig nutzen Fitnessstudios dazu einen vorgefertigten Fragebogen, den die jeweiligen Personen vorher ausfüllen und zu dem Check-up-Termin mitbringen können. In anderen Fällen wird den Sport-Interessenten ein solcher Bogen wiederum direkt vor Ort ausgehändigt oder der Trainer stellt konkrete Fragen während der Untersuchung. Die Angaben gelten dazu als verbindlich und sollten wahrheitsgemäß sein. Gängige Themen dieser Analyse beziehen sich auf:

  1. Die berufliche Situation. Wird eine stehende oder sitzende Tätigkeit ausgeübt? Kommt es zu Fehlbelastungen? Liegt ein stressiger Tagesplan vor? Bekommt der Kunde ausreichend Schlaf?
  2. Die Freizeitgestaltung. Wird regelmäßig Sport betrieben? Wenn ja, welcher und wie oft? Gibt es soziale Kontakte oder Hobbys, die zu einer aktiven Tagesgestaltung führen?
  3. Die Ernährungsweise. Werden fetthaltige Gerichte bevorzugt? Bleibt genügend Zeit für die Einnahme von regelmäßigen Mahlzeiten? Liegt eine ausgewogene Speisenzusammenstellung vor? Werden Genussmittel wie Alkohol oder Zigaretten konsumiert?
  4. Die Gesundheit. Liegen Krankheiten vor? Müssen Medikamente eingenommen werden?

Des Öfteren fügen die Trainer noch einige spezifische Fragen hinzu, die helfen, den Sportler besser einschätzen zu können. Sie formulieren Trainingsziele, Gründe, weshalb der jeweilige Trainer ausgewählt wurde oder Wünsche für das künftige Sportprogramm.

Gesundheit & Lifestyle

Der dritte Themenbereich eines Check-ups ist die körperliche Situation. Sie wird stets durch einen simplen Fitness-Test mit unterschiedlichen Übungen in Erfahrung gebracht. Hierzu zählen Aufgaben, die die Beweglichkeit, die Koordinationsfähigkeit, die Kraft und Ausdauer zeigen. Ein erfahrener Fitnesstrainer kann anhand dieser kurzen Sporteinheit bereits erkennen, ob Haltungsschäden oder Muskelbeeinträchtigungen im Bewegungsapparat vorhanden sind. Dies erklärt auch, weswegen Check-up und Anamnese immer von einem kompetenten Profi übernommen werden sollten.

Fitnesstrainer-Ausbildung – Fachkompetenz für ordnungsgemäße Anamnese

Entgegen mancher Vermutung, der Check-up ließe sich auch in Eigenleistung durchführen, ist davon strengstens abzuraten. Ohne eine passende Ausbildung könnte diese Voranalyse nämlich falsche Resultate begünstigen und sich negativ auf den gesamten Trainingsverlauf auswirken. Ein seriöser Fitnesstrainer würde außerdem gar keine Trainingsplanerstellung vornehmen, wenn er zuvor nicht persönlich einen Check-up absolviert hat. Somit sorgt diese Untersuchung auch dafür, Sporteinsteigern zu zeigen, dass sie in fachkundigen Händen sind und sich auf die Expertise des Trainers verlassen können.

Die Ausbildung zum Fitnesstrainer an der SWAV bringt dafür die optimalen Voraussetzungen, denn die angesehene Akademie unterstützt ihre Teilnehmer auf ganzheitliche Weise, um zu einem absoluten Profi zu werden. Weder Vorkenntnisse noch eine nach oben gesetzte Altersgrenze sind bei dem Institut vorhanden, da die engagierten Dozenten allen Schülern dieselbe umfangreiche Schulung in Aussicht stellen. Praktische Anregungen, Empathie und theoretische Kenntnisse sind hier eine Selbstverständlichkeit. Am Ende ist daher jeder Absolvent fähig, seine Arbeit als Fitnesstrainer professionell auszuüben und kann während des Check-ups jegliche Besonderheiten erkennen sowie in die Trainings-Zusammenstellung einbinden. Zur Unterstützung dürfen die Sportler auch gerne ärztliche Befunde mitbringen, denn ein geschulter Fitnesstrainer kann gesundheitliche Defizite deuten und seine Sportübungen darauf ausrichten. Der eigentliche Check-up verläuft dann nach einem einfachen Verfahren. 

Ablauf des Check-ups – systematische Reihenfolge für versierte Resultate

Die Eingangs-Untersuchung wird immer an einem zuvor vereinbarten Termin wahrgenommen. Ein Check-up ist dabei in seiner Dauer relativ variabel. Generell nimmt er aber etwa 45 bis 60 Minuten in Anspruch. Der jeweilige Sportler sollte dazu ausgeschlafen sowie fit erscheinen und innerhalb des zurückliegenden Tages auf Alkohol verzichtet haben, denn so lassen sich die exaktesten Ergebnisse erzeugen. Insofern hingegen ein entzündlicher Prozess oder eine vorübergehende Erkrankung vorliegt, wäre es ratsam, den Check-up zu verschieben.

Die Analyse wird dabei durch einen Fitnesstrainer geleitet und beaufsichtigt. Dies stellt sicher, dass jener im Notfall eingreifen kann. Ein zwangloses Gespräch in einem angenehmen Umfeld eröffnet den Check-up und lockert die Situation auf. Auch das körperliche Fitnesstraining wird immer in ruhiger Atmosphäre durchgeführt, damit sich die betreffende Person nicht von anderen Sportlern gestört fühlt. Für den Fall, dass die einzelnen Übungen allesamt absolviert wurden, kommt es zu einer finalen Auswertung der vorliegenden Resultate. Sie werden daraufhin in einer abschließenden Unterhaltung ausführlich besprochen. Dort erklärt der Trainer dem Sport-Interessenten, welche körperliche Verfassung derzeit vorliegt, ob es Beschwerden oder Unregelmäßigkeiten gibt und wie jene abgebaut werden könnten. Gleichzeitig teilt der Experte seinem Kunden mit, welche Trainingsziele zu erwarten sind und wie eine effektive Sport-Einheit aussehen könnte.

Normalerweise erfolgt der Check-up danach in gleichmäßigen Intervallen, um den Allgemeinzustand sowie potenzielle Erfolge zu erkennen und das Trainings-Programm daran anzupassen. Nicht selten könnte dies auch für eine gesteigerte Motivation bei dem Sportler sorgen. Sollte jener jedoch während der sportlichen Aufgaben konditionelle Schwierigkeiten bekommen oder setzen Unregelmäßigkeiten im Herz-Kreislauf-System ein, ist der sofortige Abbruch die logische Konsequenz. Das spätere Trainings-Konzept entspricht dann den vorliegenden Beeinträchtigungen.

Auf diese Weise sind Check-up sowie Anamnese für jedes Fitness-Programm unverzichtbar und ebnen den Weg für einen individuellen Trainingsplan mit größtmöglicher Effizienz.

Zur Fitnesstrainer Ausbildung

Was in einen Anamnesebogen gehört

Der Bogen ist kein Formular, das man einmal ausdruckt und abheftet — er ist die Grundlage jeder Trainingsplanung und im Zweifelsfall der Nachweis, dass sauber gearbeitet wurde. Bewährt hat sich eine Gliederung in fünf Blöcke.

BlockWas abgefragt wirdWofür es gebraucht wird
StammdatenName, Geburtsdatum, Kontakt, BerufZuordnung; der Beruf verrät viel über Sitzzeiten und Belastung
ZieleWunsch, Zeitrahmen, bisherige VersucheGrundlage für realistische Planung statt Wunschdenken
GesundheitVorerkrankungen, Operationen, Medikamente, Allergien, SchwangerschaftAusschlussgründe und Belastungsgrenzen
Beschwerdenaktuelle Schmerzen, Verletzungen, ärztliche Einschränkungenentscheidet, ob überhaupt trainiert werden darf
Sportliche Vorgeschichtebisherige Sportarten, Trainingsjahre, letzte PauseEinstiegsniveau und Belastungsverträglichkeit

Zwei Felder werden häufig vergessen und sind besonders wichtig: Medikamente — Betablocker etwa machen jede Pulssteuerung unbrauchbar — und die Unterschrift mit Datum. Ohne sie ist der Bogen im Streitfall wenig wert.

Ein Hinweis zur Formulierung: Fragen Sie nach Tatsachen, nicht nach Einschätzungen. „Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?" bringt verlässlichere Antworten als „Sind Sie gesund?".

Gesundheitsdaten: was rechtlich zu beachten ist

Der Punkt wird in der Praxis am häufigsten übergangen — dabei ist er der einzige mit echtem Haftungsrisiko. Angaben zu Vorerkrankungen, Medikamenten und Beschwerden sind Gesundheitsdaten und damit besondere Kategorien personenbezogener Daten nach Art. 9 DSGVO. Für sie gelten strengere Regeln als für Name und Anschrift.

Was daraus folgt:

  • Ausdrückliche Einwilligung: Eine allgemeine Zustimmung zur Datenverarbeitung genügt nicht. Die Einwilligung muss sich erkennbar auf die Gesundheitsangaben beziehen und freiwillig erfolgen.
  • Nur erheben, was gebraucht wird: Jede Frage muss sich mit dem Trainingszweck begründen lassen. Die Krankengeschichte der Eltern gehört nicht dazu.
  • Sicher aufbewahren: Verschlossener Schrank oder verschlüsselter Speicher, kein Ordner im Studioregal, keine Tabelle in einem geteilten Laufwerk.
  • Zugriff begrenzen: Nur wer betreut, sieht die Angaben — nicht der gesamte Empfangsbereich.
  • Löschen, wenn der Zweck entfällt: Nach Vertragsende sind die Daten zu löschen, soweit keine Aufbewahrungspflichten entgegenstehen.
  • Auskunft ermöglichen: Wer fragt, hat Anspruch auf eine Kopie der zu ihm gespeicherten Angaben.

Für Einzelheiten — etwa die Frage, wie lange aufbewahrt werden darf — lohnt eine kurze Rücksprache mit einer Datenschutzberatung. Der Aufwand ist einmalig, das Versäumnis dauerhaft.

Ablauf des Erstgesprächs

Für Anamnese und Check-up sollten 45 bis 60 Minuten eingeplant werden. Wer das in zehn Minuten zwischen zwei Terminen erledigt, bekommt unvollständige Angaben — und die fehlen genau dann, wenn sie zählen.

  1. Ankommen lassen: Kurz erklären, warum gefragt wird. Wer den Zweck versteht, antwortet offener — gerade bei heiklen Punkten wie Medikamenten oder Gewicht.
  2. Bogen gemeinsam durchgehen: Nicht zum Alleinausfüllen in die Hand drücken. Im Gespräch fallen Dinge auf, die niemand von selbst ankreuzt.
  3. Nachfragen bei Auffälligkeiten: Seit wann? Wobei genau? Was hat der Arzt gesagt? Diese drei Fragen klären die meisten offenen Punkte.
  4. Messungen: Ruhepuls, Blutdruck, Körpermaße — in dieser Reihenfolge, weil der Ruhepuls nach Bewegung nicht mehr aussagekräftig ist.
  5. Belastungstest, sofern vertretbar: Nur wenn die Angaben dafür sprechen. Im Zweifel verschieben, bis eine ärztliche Freigabe vorliegt.
  6. Ergebnis besprechen und dokumentieren: Was folgt daraus für den Plan — und was bewusst nicht.

Der Bogen wird bei jedem Folgetermin nicht neu ausgefüllt, aber einmal jährlich und nach jeder längeren Pause aktualisiert. Neue Medikamente und Operationen kommen selten von allein zur Sprache.

Wann nicht trainiert, sondern verwiesen wird

Die Anamnese hat auch die Aufgabe, Grenzen zu erkennen. Trainerinnen und Trainer stellen keine Diagnosen — sie entscheiden, ob trainiert werden kann, und verweisen sonst weiter.

Bei diesen Angaben gehört vor dem ersten Training eine ärztliche Abklärung dazu:

  • Herz-Kreislauf: bekannte Herzerkrankung, Bluthochdruck ohne Einstellung, Brustschmerz bei Belastung, unklare Atemnot.
  • Unklare Beschwerden: Schmerzen ohne bekannte Ursache, wiederkehrender Schwindel, Ohnmachtsneigung.
  • Frische Eingriffe und Verletzungen: solange keine Freigabe vorliegt.
  • Stoffwechsel: Diabetes mit schwankenden Werten, Schilddrüsenerkrankungen in Einstellung.
  • Schwangerschaft: Training ist möglich, die Freigabe kommt aber aus der ärztlichen Betreuung.
  • Medikamente mit Kreislaufwirkung: Blutdrucksenker, Betablocker, Psychopharmaka — sie verändern die Belastungsreaktion.
Die wichtigste Grenze: Ein Check-up im Studio ist keine medizinische Untersuchung und ersetzt keine ärztliche Abklärung. Messwerte wie Blutdruck oder Körperfettanteil dienen der Trainingsplanung, nicht der Feststellung von Krankheiten. Wer ohne Approbation oder Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz arbeitet, darf aus solchen Werten weder eine Diagnose ableiten noch eine Behandlung empfehlen. Bei auffälligen Werten lautet die richtige Auskunft: bitte ärztlich abklären lassen.

Häufige Fehler in der Praxis

Aus der Betreuung von Auszubildenden kennen wir dieselben Punkte immer wieder:

  • Der Bogen wird nie wieder angesehen. Er gehört vor jeder Planänderung noch einmal auf den Tisch.
  • Gemessen wird zu spät. Ruhepuls und Blutdruck vor dem Gespräch erheben, nicht nach dem Rundgang durchs Studio.
  • Auffälligkeiten werden mündlich abgehakt. Was besprochen wurde, gehört in den Bogen — auch die Entscheidung, trotz eines Befundes zu trainieren.
  • Ziele bleiben vage. „Abnehmen" ist kein Ziel. „In sechs Monaten drei Kilo, zweimal Training pro Woche" ist eines.
  • Der Bogen ist zu lang. Vier Seiten füllt niemand ernsthaft aus. Eine gute Vorlage passt auf zwei.

Diese Punkte klingen nach Formalien, entscheiden aber darüber, ob die Anamnese Grundlage der Betreuung ist oder nur ein Blatt Papier in einem Ordner.

Ulrich Pötter
Mein Expertenrat aus über 20 Jahren Praxis: Geben Sie den Bogen nie zum Alleinausfüllen in die Hand. Im Gespräch kommt heraus, was niemand von selbst ankreuzt — die Rückenoperation vor fünf Jahren, das Blutdruckmittel, der Schwindel beim Treppensteigen. Und fragen Sie nach Tatsachen statt nach Einschätzungen: „Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?" bringt verlässlichere Antworten als „Sind Sie gesund?". Der zweite Rat: einmal jährlich und nach jeder längeren Pause aktualisieren. Neue Medikamente kommen selten von allein zur Sprache.

Fazit

Die Anamnese entscheidet darüber, ob ein Trainingsplan zur Person passt oder nur zu einer Vorlage. Wichtiger als die Länge des Bogens ist, dass er im Gespräch ausgefüllt wird, dass Auffälligkeiten schriftlich festgehalten werden und dass Ruhepuls und Blutdruck vor und nicht nach dem Rundgang gemessen werden. Zwei Punkte werden regelmäßig unterschätzt: die rechtlichen Anforderungen an Gesundheitsdaten und die eigene Grenze. Ein Check-up im Studio ist keine Untersuchung – bei auffälligen Werten lautet die richtige Auskunft, dies ärztlich abklären zu lassen.

Häufige Fragen

Was gehört in einen Anamnesebogen für das Fitnessstudio?

Fünf Blöcke: Stammdaten einschließlich Beruf, die Trainingsziele mit Zeitrahmen, gesundheitliche Angaben (Vorerkrankungen, Operationen, Medikamente, Allergien, Schwangerschaft), aktuelle Beschwerden und ärztliche Einschränkungen sowie die sportliche Vorgeschichte. Dazu Datum und Unterschrift.

Wie lange dauert ein Check-up mit Anamnese?

Planen Sie 45 bis 60 Minuten ein. Wer das zwischen zwei Terminen erledigt, bekommt unvollständige Angaben – und die fehlen genau dann, wenn sie gebraucht werden.

Wie sind Gesundheitsdaten im Studio zu behandeln?

Angaben zu Vorerkrankungen, Medikamenten und Beschwerden sind besondere Kategorien personenbezogener Daten nach Art. 9 DSGVO. Sie setzen eine ausdrückliche, auf diese Angaben bezogene Einwilligung voraus, dürfen nur im nötigen Umfang erhoben werden, sind gesichert aufzubewahren und zu löschen, wenn der Zweck entfällt.

Wann darf nicht trainiert werden?

Bei bekannten Herzerkrankungen, nicht eingestelltem Bluthochdruck, Brustschmerz bei Belastung, unklarer Atemnot, wiederkehrendem Schwindel, frischen Operationen oder Verletzungen ohne Freigabe sowie bei schwankenden Stoffwechselwerten gehört vor das Training eine ärztliche Abklärung.

Darf ein Trainer aus den Messwerten eine Diagnose ableiten?

Nein. Ein Check-up im Studio ist keine medizinische Untersuchung. Messwerte dienen der Trainingsplanung, nicht der Feststellung von Krankheiten. Ohne Approbation oder Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz ist weder eine Diagnose noch eine Behandlungsempfehlung zulässig.

Wie oft muss die Anamnese wiederholt werden?

Der Bogen wird nicht bei jedem Termin neu ausgefüllt, sollte aber einmal jährlich und nach jeder längeren Trainingspause aktualisiert werden – ebenso nach Operationen oder bei neuen Medikamenten.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. Art. 9 DSGVO – Verarbeitung besonderer Kategorien personenbezogener Daten
  2. Bundesdatenschutzgesetz im Volltext (gesetze-im-internet.de)
  3. Wikipedia – Anamnese: Begriff und Systematik
  4. DocCheck Flexikon – Anamnese: Aufbau und Arten
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Über den Autor
Autorenbild Ulrich Pötter
Ulrich Pötter

Der Autor Ulrich Pötter ist selbst staatlich anerkannter Therapeut und Präventionsexperte. Seit über 20 Jahren beschäftigt er sich mit innovativen Ausbildungskonzepten in den Bereichen Massage, Fitness, Wellness, Heilpraktik und Prävention. Er hat fünf professionelle Akademien gegründet, bei denen er auch heute noch Geschäftsführer und Direktor ist.

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Ab Ab