01. August 2023
Lesezeit ca. 17 Min.

Eine gesunde Körperhaltung ist mehr als ein optisches Merkmal — sie ist die Basis für eine belastbare Wirbelsäule, eine funktionierende Atmung, einen entspannten Bewegungsapparat und sogar ein stabiles Selbstwertgefühl. Schlechte Haltungsmuster entwickeln sich schleichend durch lange Sitzphasen, einseitige Belastungen oder Bewegungsmangel — und führen langfristig zu Verspannungen, Rückenschmerzen, Atem- und Verdauungsproblemen. Dieser Ratgeber zeigt, wie eine gesunde Haltung aussieht, welche Folgen Fehlhaltungen haben, wie Sie sie im Alltag korrigieren und welche Übungen Ihnen helfen.

Key Facts — Gesunde Körperhaltung

  • Definition: Eine entspannte, natürliche Körperposition mit aufrechter Wirbelsäule, lockerem Nacken und gleichmäßiger Gewichtsverteilung — nicht überstreckt, nicht gekrümmt
  • Häufigste Fehlhaltungen: Rundrücken, Hohlkreuz, hängende Schultern, Geierhals / PC-Nacken
  • Hauptursachen: Bewegungsmangel, langes Sitzen, einseitige Belastung, fehlende Ergonomie am Arbeitsplatz
  • Folgen schlechter Haltung: Rückenschmerzen, Muskelverspannungen, Organkompression, Atem- und Verdauungsprobleme, geminderte Ausstrahlung
  • Was hilft: Bewegung im Alltag, gezieltes Rückentraining, Stretching, ergonomischer Arbeitsplatz, gute Matratze, regelmäßige Positionswechsel
  • Geeignete Sportarten: Schwimmen, Yoga, Pilates, Nordic Walking, professionelles Fitnesstraining mit Anleitung
  • Konkrete Übungen: Siehe unseren separaten Ratgeber „20 Übungen für eine bessere Körperhaltung"

Wie sieht eine gesunde Körperhaltung aus?

Eine gesunde Körperhaltung wirkt entspannt und unverkrampft. Sie ist keine starre Idealposition, sondern ein dynamisches Zusammenspiel aus Muskelspannung und Lockerheit — die Wirbelsäule in ihrer natürlichen Doppel-S-Form, der Kopf entspannt aufrecht, die Schultern gelöst, das Becken in neutraler Position. Wichtig zu wissen: Jeder Mensch ist anatomisch unterschiedlich, und eine „perfekte Haltung" sieht von Person zu Person etwas anders aus.

Trotz dieser individuellen Unterschiede gibt es klare Orientierungspunkte, an denen Sie Ihre eigene Haltung überprüfen können:

  • Die Knie sind leicht gebeugt, niemals vollständig durchgestreckt
  • Das Brustbein ist leicht vorgeschoben — die Brust offen
  • Der Rücken zeigt eine gerade Linie ohne Hohlkreuz oder Rundrücken
  • Bauch- und Gesäßmuskulatur sind leicht angespannt — nicht verkrampft
  • Das Becken ist aufgerichtet (nicht nach vorne oder hinten gekippt)
  • Der Kopf sitzt entspannt und gerade auf der Wirbelsäule
  • Das Körpergewicht ist gleichmäßig auf beide Füße verteilt

Wer diese Punkte gleichzeitig erfüllt, hat die Grundlage einer gesunden Haltung. In der Praxis ist das allerdings für viele Menschen Übungssache — gerade weil unser Alltag mit langem Sitzen, Bildschirmarbeit und einseitigen Bewegungsmustern aktiv gegen diese Haltung arbeitet.

Warum ist eine gesunde Körperhaltung wichtig?

Die Bedeutung einer gesunden Körperhaltung reicht weit über die reine Optik hinaus. Sie hat direkte physiologische, mentale und sozialpsychologische Auswirkungen — und genau diese Vielschichtigkeit macht das Thema so relevant. Wer die Haltung verbessert, verbessert oft gleichzeitig drei Dimensionen seines Lebens.

Auf der körperlich-strukturellen Ebene entlastet eine gerade Wirbelsäule die Bandscheiben, vermeidet einseitige Belastungen auf Gelenke und Muskeln und reduziert das Risiko für chronische Rückenschmerzen. Sie unterstützt zudem die natürliche Atmung — eine gekrümmte Brusthaltung quetscht den Brustkorb und verkleinert das Lungenvolumen messbar.

Auf der mentalen Ebene wirkt sich die Haltung erstaunlich direkt auf die Stimmung aus. Studien aus der Embodied-Cognition-Forschung zeigen: Wer sich aufrichtet und mit offener Haltung steht, fühlt sich tatsächlich selbstbewusster und weniger ängstlich. Der alte Spruch „Kopf hoch!" ist neurophysiologisch fundiert — Körperhaltung und Gefühlslage sind eng miteinander verkoppelt.

Auf der sozialpsychologischen Ebene beeinflusst die Haltung, wie Sie auf andere wirken. Eine aufrechte Haltung vermittelt Souveränität, Stärke und Vitalität; eine gekrümmte signalisiert Unsicherheit oder Erschöpfung. In Berufs- und Beziehungs-Kontexten ist das ein unterschätzter Faktor.

Welche Fehlhaltungen gibt es?

Bevor man eine Fehlhaltung korrigieren kann, muss man sie erst einmal erkennen. Die wichtigsten Haltungsmuster, die in der Praxis am häufigsten auftreten, lassen sich anhand markanter visueller Merkmale identifizieren. Wer diese Muster kennt, kann sich selbst (oder andere) im Spiegel oder anhand von Fotos besser einschätzen.

Die typischen Anzeichen einer Fehlhaltung im Überblick:

  • Hängende Schultern — die Schultern fallen nach vorne, der obere Rücken rundet sich
  • Rundrücken (Hyperkyphose) — übermäßige Krümmung der Brustwirbelsäule, oft in Verbindung mit dem Witwenbuckel
  • Hohlkreuz (Hyperlordose) — übermäßige Krümmung der Lendenwirbelsäule, Becken nach vorne gekippt
  • Geierhals / PC-Nacken — der Kopf wird nach vorne geschoben, der Nacken ist überstreckt (typische Folge von Bildschirmarbeit)
  • Asymmetrische Schultern — eine Schulter steht höher oder ist nach vorne rotiert (oft durch einseitige Belastung)
  • Skoliose-Andeutungen — seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule
  • Übertrieben gerade „Strammhaltung" — verkrampftes Aufrichten ohne natürliche Wirbelsäulen-Kurve
Typische Fehlhaltungen: Rundrücken, Hohlkreuz, Geierhals
Die häufigsten Fehlhaltungen im Überblick — Rundrücken, Hohlkreuz, hängende Schultern, vorgeschobener Nacken — © VectorMine / stock.adobe.com

Wichtig: Nicht jede Abweichung von einer idealen Position ist eine „Fehlhaltung". Wenn Sie sich entspannt und schmerzfrei fühlen und Ihre Haltung leicht von der Lehrbuch-Idealform abweicht, ist das normal. Problematisch wird es erst, wenn Beschwerden auftreten oder sich Muster manifestieren, die langfristig schaden.

Wie entsteht eine schlechte Körperhaltung?

Fehlhaltungen entstehen selten plötzlich — sie sind in den allermeisten Fällen das Resultat einer schleichenden Anpassung an den Alltag. Unsere Muskulatur und unser Bindegewebe verändern sich ständig in Reaktion auf das, was wir tun (und nicht tun). Wer 8 Stunden pro Tag in zusammengesunkener Haltung am Schreibtisch sitzt, lernt diese Haltung — sie wird zur neuen Normalität.

Die wichtigsten Ursachen lassen sich grob in vier Kategorien einteilen:

  • Lange Sitzphasen — Büroarbeit, Bildschirmkonsum, einseitige Schreibtisch-Position
  • Bewegungsmangel — fehlender Ausgleich für die statische Belastung
  • Einseitige körperliche Belastung — schweres Heben, Schneider-Position, stundenlanges Stehen in einer Position
  • Fehlende Ergonomie — ungeeigneter Bürostuhl, falsche Monitor-Höhe, ungesunde Matratze

Daneben gibt es seltenere Ursachen wie angeborene Wirbelsäulen-Anomalien (z.B. Skoliose), Folge-Schäden nach Verletzungen oder degenerative Erkrankungen. Diese fallen aber zahlenmäßig kaum ins Gewicht — die übergroße Mehrheit aller modernen Fehlhaltungen ist Lifestyle-bedingt und damit grundsätzlich reversibel.

Welche Folgen hat eine schlechte Körperhaltung?

Eine dauerhafte Fehlhaltung bleibt nicht folgenlos. Der Körper reagiert auf wiederkehrende Spannungs- und Belastungsmuster mit strukturellen Anpassungen — und diese Anpassungen sind nicht immer hilfreich. Die Folgen entfalten sich auf drei Ebenen.

Folgen für Muskeln, Sehnen und Gelenke

Bei schlechter Haltung verkürzen sich bestimmte Muskelgruppen (Brustmuskeln, Hüftbeuger), während andere überdehnt und geschwächt werden (Rückenstrecker, Gesäßmuskulatur). Diese Dysbalance führt zu Verspannungen, Schmerzen und auf Dauer zu verformten Bewegungsmustern. Klassisch sind Nackenschmerzen, Spannungs-Kopfschmerzen, Schulter-Arm-Syndrome und unspezifische Rückenschmerzen.

Folgen für die inneren Organe

Ein Rundrücken quetscht den Brustkorb und engt den Bauchraum ein. Das hat messbare Konsequenzen: Das Lungenvolumen sinkt um bis zu 30 %, die Atmung wird flacher, der Sauerstoffumsatz reduziert. Magen, Speiseröhre und Darm haben weniger Raum, was zu Sodbrennen, langsamer Verdauung, Völlegefühl und sogar chronischer Verstopfung führen kann. Auch das Herz-Kreislauf-System leidet unter dem reduzierten Lungenvolumen.

Folgen für die Psyche

Die Forschung zur „Embodied Cognition" zeigt klar: Eine gebeugte Haltung verstärkt negative Stimmungslagen, eine aufrechte Haltung wirkt stimmungsaufhellend. Wer dauerhaft zusammengesunken sitzt, fühlt sich oft auch innerlich gedrückter — und umgekehrt. Bei chronischen Schmerzen durch Fehlhaltung kommt zusätzlich ein psychologischer Erschöpfungs-Faktor hinzu, der zu Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen und im schlimmsten Fall depressiven Verstimmungen beitragen kann.

Ulrich Pötter, Gründer der SWAV-Akademie

Mein Tipp aus 20+ Jahren Praxis als staatlich anerkannter Therapeut: Wer Haltung verbessern will, fokussiert sich oft auf das Training — also „Was muss ich tun?". Aus meiner Erfahrung ist das aber nur die halbe Miete. Die wichtigere Frage lautet: Wo bleibe ich den ganzen Tag in einer schlechten Haltung hängen? Eine 30-Minuten-Trainingseinheit pro Tag kann nicht 8 Stunden zusammengesunkenes Sitzen ausgleichen. Mein Praxis-Tipp: Stellen Sie sich jede Stunde einen Timer — und nutzen Sie die Erinnerung, kurz aufzustehen, sich zu strecken, einen Positionswechsel zu machen. Das ist banal, kostet 30 Sekunden — und wirkt langfristig deutlich stärker als jedes punktuelle Übungsprogramm. Übungen sind die Sahnehaube, die Mikrogewohnheiten im Alltag sind das Fundament.

Wie erkenne ich eine gesunde Körperhaltung?

Bevor Sie Ihre Haltung verbessern können, müssen Sie sie erst einmal kennen. Ein einfacher Selbst-Test mit dem Smartphone oder mit Hilfe einer zweiten Person liefert Ihnen in 5 Minuten ein klares Bild. Dabei werden vier Bereiche bewertet: Kopfhaltung, Schulterposition, oberer Rücken und Hüfte-Beine-Achse.

So führen Sie den Selbst-Test durch:

  1. Aufrechter Stand — Stellen Sie sich entspannt in normaler Haltung auf, ohne sich aktiv „gerade" zu machen.
  2. Foto seitlich — Eine zweite Person macht ein Foto von der Seite, Sie blicken geradeaus.
  3. Foto frontal — Zweites Foto von vorne, gleiche entspannte Haltung.
  4. Auswertung Kopf — Ist der Kopf gerade über den Schultern, oder schiebt er sich nach vorne (Geierhals)?
  5. Auswertung Schultern — Sind beide Schultern auf gleicher Höhe, oder hängt eine tiefer? Ziehen sie nach vorne?
  6. Auswertung Rücken — Ist die Wirbelsäule in ihrer natürlichen Doppel-S-Form, oder ist der obere Rücken gekrümmt (Rundrücken)?
  7. Auswertung Hüfte/Beine — Stehen die Hüften gerade? Sind die Knie leicht gebeugt? Steht Ihr Gewicht gleichmäßig auf beiden Füßen?

Die Wirbelsäule hat in der gesunden Form immer eine Doppel-S-Form mit unterschiedlich gerundeten Abschnitten — sie ist nie kerzengerade. Ziel ist deshalb nicht „kerzengerade Haltung", sondern eine natürliche, ergonomische Position, die zu Ihnen passt und Sie nicht ermüdet.

Welcher Sport ist gut für die Körperhaltung?

Nicht jeder Sport ist haltungsfreundlich. Während manche Disziplinen die Wirbelsäule entlasten und die Tiefenmuskulatur stärken, können andere bei Vorschäden sogar kontraproduktiv sein. Wer gezielt Haltung verbessern will, wählt nach folgender Logik:

SportartGeeignet beiVorsicht beiHauptwirkung
Schwimmen (Rücken, Kraul)Allgemeine Haltungsverbesserung, RückenschmerzenSchlechte Technik (z.B. Brustschwimmen mit Kopf-Hoch)Entlastung der Wirbelsäule, Stärkung der Rumpfmuskulatur
YogaBewusstseinsschulung, BeweglichkeitBandscheibenvorfall (vorab Arzt fragen)Dehnung, Achtsamkeit, Tiefenmuskulatur
PilatesTiefe Bauchmuskulatur, Wirbelsäulen-StabilitätAkute VerletzungenRumpfstabilität, Beckenboden, Beweglichkeit
Nordic WalkingAnfänger, WiedereinsteigerFalsche StocktechnikSanftes Ganzkörper-Training, Schultergürtel
Fitnesstraining (geführt)Gezielter MuskelaufbauÜbungen ohne fachliche AnleitungSpezifischer Kraftaufbau, individuelle Anpassung
Fußball, TennisGenerelle FitnessBei bestehenden RückenproblemenKonditionell stark, aber einseitig — kein Haltungs-Sport

Bei vorhandenen Rückenschmerzen oder diagnostizierten Wirbelsäulen-Problemen vorher immer mit dem Arzt sprechen. Nicht jede Yoga-Übung ist bei einem Bandscheibenvorfall sinnvoll, und nicht jede Schwimmtechnik schont den Nacken.

Yoga als haltungsförderndes Training
Yoga ist eine der wirksamsten Sportarten für eine gesunde Körperhaltung — Tiefenmuskulatur, Beweglichkeit und Körperbewusstsein in einem — © sorrapongs / stock.adobe.com

Was kann ich im Alltag für eine bessere Körperhaltung tun?

Die wichtigsten Stellschrauben für eine gesunde Haltung liegen nicht im Trainingsraum, sondern im Alltag. Wer 8 Stunden pro Tag sitzt, kann nicht erwarten, dass 30 Minuten Sport den Rest kompensieren. Entscheidend sind die Mikrogewohnheiten — und genau die lassen sich mit wenig Aufwand verändern.

Diese Alltags-Hebel haben sich in der Praxis als besonders wirkungsvoll erwiesen:

  • Schultern bewusst entspannen und regelmäßig auslockern
  • Sitzposition mindestens stündlich wechseln, kurz aufstehen und strecken
  • Bildschirm auf Augenhöhe — nicht nach unten schauen müssen
  • Bei langen Telefonaten aufstehen und herumgehen
  • Kopf bewusst gerade halten — nicht in Richtung Smartphone neigen
  • Eine hochwertige Matratze und ein guter Bürostuhl als langfristige Investitionen
  • Beim Heben aus den Beinen, nicht aus dem Rücken arbeiten
  • Schwere Taschen abwechselnd links und rechts tragen
  • Regelmäßige Bildschirmpausen (z.B. 20-20-20-Regel)
  • Stehender Arbeitsplatz (höhenverstellbarer Schreibtisch) — falls möglich

Diese Mikrogewohnheiten klingen banal — sie sind aber die Basis, auf der jede gezielte Trainingsmaßnahme erst wirken kann. Wer den Alltag haltungsfreundlich gestaltet und parallel ein paar Übungen einbaut, hat die besten Chancen auf langfristige Verbesserung.

Übungen für eine bessere Körperhaltung — die konkrete Anleitung

Theorie ist gut, aber Haltung verbessern gelingt nur durch konsequente Übung. Wir haben in einem separaten Ratgeber 20 konkrete Übungen für eine bessere Körperhaltung zusammengestellt — von der Standwaage über die Plank bis zur Faszienrolle. Dort finden Sie Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Bilder zu den Schlüssel-Übungen und einen empfohlenen Trainingsplan.

→ Zu den 20 Übungen für eine bessere Körperhaltung

Die Übungen sind so ausgewählt, dass sie sich ohne große Vorerfahrung umsetzen lassen — eine Faszienrolle, ein Gymnastikband und etwas Boden-Platz reichen aus. Für die schwierigeren Übungen empfehlen wir vor dem Einstieg eine kurze fachliche Anleitung, etwa über eine Online-Ausbildung mit Bewegungsanteilen oder einen Personal-Trainer.

Fazit

Eine gesunde Körperhaltung ist die Grundlage für einen funktionierenden Bewegungsapparat, eine entspannte Atmung und eine stabile mentale Verfassung. Sie entsteht nicht durch verkrampftes Aufrichten, sondern durch eine Kombination aus Alltags-Mikrogewohnheiten (regelmäßige Bewegung, Positionswechsel, Ergonomie) und gezieltem Training. Wer Probleme mit der Haltung hat, sollte zuerst die Ursachen identifizieren — meist sind es langes Sitzen, fehlende Bewegung und ergonomische Mängel. Mit gezielten Übungen, regelmäßiger Bewegung und kleinen Veränderungen im Alltag lässt sich eine schlechte Haltung in den meisten Fällen deutlich verbessern.

Häufige Fragen zur Körperhaltung

Wie lange dauert es, bis sich eine bessere Körperhaltung einstellt?

Erste spürbare Veränderungen (Lockerung verspannter Muskelgruppen, leichteres Aufrichten) zeigen sich meist nach 2–4 Wochen konsequenter Anwendung von Mikrogewohnheiten und Übungen. Strukturelle Verbesserungen (Korrektur eines Rundrückens, Aufbau geschwächter Muskelpartien) brauchen typischerweise 3–6 Monate. Wichtig: Es geht nicht um Geschwindigkeit, sondern um Konsistenz — wer 6 Monate täglich 10 Minuten investiert, kommt weiter als wer 2 Wochen lang 90 Minuten täglich trainiert und dann aufhört.

Kann man eine schlechte Haltung in jedem Alter noch verbessern?

Ja, grundsätzlich in jedem Alter. Die Muskulatur und das Bindegewebe sind selbst im hohen Alter anpassungsfähig. Bei älteren Menschen dauert es etwas länger und die Methoden müssen angepasster sein (sanfter, langsamer aufbauend) — die Grundregel „Bewegung schafft Beweglichkeit, Ruhe schafft Steifheit" gilt aber lebenslang. Bei strukturellen Verformungen (z.B. fortgeschrittene Skoliose) sind die Grenzen enger, aber selbst hier kann gezieltes Training die Schmerzen lindern und die Funktion verbessern.

Was ist der Unterschied zwischen Rundrücken und Hohlkreuz?

Beim Rundrücken (Hyperkyphose) ist die Brustwirbelsäule übermäßig gekrümmt — der obere Rücken wölbt sich stark nach hinten, oft kombiniert mit einem vorgeschobenen Kopf. Beim Hohlkreuz (Hyperlordose) ist die Lendenwirbelsäule übermäßig gekrümmt — das Becken kippt nach vorne, der Bauch schiebt sich nach vorne, der untere Rücken bildet eine ausgeprägte Höhle. Beide Muster können einzeln oder kombiniert auftreten und brauchen jeweils unterschiedliche Übungsschwerpunkte.

Hilft ein Geradehalter wirklich bei schlechter Haltung?

Nur sehr eingeschränkt. Geradehalter (Brustgurte) bringen Sie kurzfristig in eine korrektere Position, schwächen aber langfristig die haltungsrelevante Muskulatur, weil diese die Arbeit nicht mehr selbst leisten muss. Sinnvoll sind sie als kurzzeitige Erinnerungs-Hilfe (Bewusstmachung), nicht als Dauer-Lösung. Wer langfristig die Haltung verbessern will, muss die Muskulatur trainieren und die Alltagsgewohnheiten ändern — kein Hilfsmittel ersetzt das.

Wann sollte ich bei Haltungsproblemen zum Arzt?

Bei anhaltenden Schmerzen über mehrere Wochen, Taubheitsgefühlen oder Kribbeln in Armen oder Beinen, sichtbar verformter Wirbelsäule, deutlicher Asymmetrie oder Bewegungseinschränkungen. Auch bei Atem- oder Verdauungsbeschwerden, die mit der Haltung zusammenhängen könnten, lohnt eine ärztliche Abklärung. Faustregel: Beschwerden, die nach 2 Wochen konsequenter Eigen-Korrektur nicht besser werden, gehören in ärztliche Hand.

Wirkt sich die Schlafposition auf die Körperhaltung aus?

Ja, deutlich. Bei 7–8 Stunden Schlaf verbringt man rund ein Drittel des Tages in einer bestimmten Position — das hinterlässt Spuren. Empfehlenswert sind die Rücken- oder die Seitenlage mit angewinkelten Beinen und einem Kissen zwischen den Knien (Seitenlage). Die Bauchlage ist langfristig ungünstig für Nacken und Lendenwirbelsäule. Ebenso wichtig: eine Matratze, die zur Körperform passt und weder zu hart noch zu weich ist.

Ist Schwimmen wirklich das beste für die Haltung?

Schwimmen ist sehr gut, aber nicht uneingeschränkt. Rückenschwimmen und Kraulen entlasten die Wirbelsäule und stärken die Rumpfmuskulatur — sehr empfehlenswert. Brustschwimmen mit Kopf über Wasser dagegen verstärkt einen Geierhals und Hohlkreuz und ist bei Nackenproblemen oft kontraproduktiv. Wer schwimmt, sollte auf die richtige Technik achten oder einen Schwimm-Kurs nehmen, um die haltungs-positiven Effekte voll zu nutzen.

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Quellen & Weiterführende Literatur

  1. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU): Empfehlungen zu Haltung und Wirbelsäulen-Gesundheit (dgou.de)
  2. Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung e.V. (BAG): Standards und Empfehlungen (haltungundbewegung.de)
  3. Robert Koch-Institut: Studien zur Rückengesundheit der Deutschen (rki.de)
  4. Cuddy, A.: Presence — Bringing Your Boldest Self to Your Biggest Challenges — Forschung zur „Embodied Cognition" und Körperhaltung
  5. Deutsche Sportwissenschaftliche Gesellschaft: Empfehlungen zu haltungsfördernden Sportarten

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Ulrich Pötter

Ulrich Pötter

Geschäftsführer & Ausbildungsexperte der WellnessInPerfektion WIP GmbH

Ulrich Pötter ist Gründer und Geschäftsführer der WellnessInPerfektion WIP GmbH und seit über 25 Jahren als staatlich anerkannter Therapeut tätig. Er ist Autor mehrerer staatlich zugelassener Fernlehrgänge (Klett-Verlag) und verantwortet die fachliche Qualität aller Lehrgänge.

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Über den Autor
Autorenbild Ulrich Pötter
Ulrich Pötter

Der Autor Ulrich Pötter ist selbst staatlich anerkannter Therapeut und Präventionsexperte. Seit über 20 Jahren beschäftigt er sich mit innovativen Ausbildungskonzepten in den Bereichen Massage, Fitness, Wellness, Heilpraktik und Prävention. Er hat fünf professionelle Akademien gegründet, bei denen er auch heute noch Geschäftsführer und Direktor ist.

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Sehr gut, gerne weiter mit WIP machen.
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vor 3 Wochen
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vor 3 Monaten
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Marfuli
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vor 6 Monaten
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