Farben verknüpfen
Farben stehen oft in einer engen Assoziation zu einer Emotion, einem Gegenstand, einem Lebensmittel oder einer Redensart. So wird deutlich, dass Farben sehen und Farben wahrnehmen zwei unterschiedliche Elemente sind, die dennoch eng miteinander zusammenspielen und uns im Alltag mehr oder weniger direkt beeinflussen können. Was genau sich hinter dem Begriff Farbassoziation verbirgt, warum wir Farben mit bestimmten Elementen verbinden und wie diese Verknüpfung erfolgt, darüber berichten wir in unserem heutigen Blog-Beitrag.
Was ist eine Farbassoziation?
Gemäß der Beschreibung handelt es sich dabei um die Verknüpfung von Farben mit dem alltäglichen Leben oder Emotionen/Gefühlslagen auf gedanklicher Ebene.
In dem Zusammenhang können Farben mit unterschiedlichen Assoziationen und Wahrnehmungen verbunden sein. Psychologisch betrachtet entsteht eine Farbassoziation erst durch unsere emotional-geprägte Interpretation einer Farbe. Oftmals sind diese Interpretationen jedoch nicht frei erfunden, sondern durch die Prägung der Außenwelt, der Kindheit oder vorhandener Vorgaben erlernt.
Welche Arten von Farbassoziationen gibt es?
Bei Farbassoziationen unterscheidet man zwischen äußeren Assoziationen (Ikonizität) und den inneren Assoziationen (psychische Assoziationen). Letztere sind nahezu unveränderbar und berufen sich auf die Farbwirkung, die allgemein vorherrschend ist, darunter warm, kalt, hell oder dunkel. Die äußeren Assoziationen dagegen können in Abhängigkeit von der Person, die sie sieht/erkennt, schwanken. So empfindet der eine die Farbe eventuell als lila, der andere wiederum als violett, obwohl beide denselben Gegenstand meinen.
Warum verbinden wir Farben mit Emotionen?
Nun stellt sich die Frage, warum verknüpfen wir überhaupt Farben mit Emotionen, Fantasien, Gegenständen oder Redensarten? Hat nicht jeder eine ganz eigene Vorstellung davon, wie etwas auszusehen hat? Die Antwortet lautet, doch sicher, aber genau jene Assoziationen helfen uns, unser Vorstellungsvermögen zu stärken, erleichtern uns, Dinge, die wir nicht direkt vor unseren Augen haben, anderen Menschen zu beschreiben oder auch unsere Emotionen besser nach außen zu transportieren.
Bestimmt kennen Sie auch das Sprichwort „Vor Wut Schwarz ärgern“ oder die Aussage „hochrot vor Zorn werden“. Klare Beispiele dafür, wie Farben mit Empfindungen zusammengesetzt werden. Eines der bekanntesten Assoziationen zeigt sich wahrscheinlich in dem Märchen „Schneewittchen“ der Gebrüder Grimm, wo die namensgebende Prinzessin mit „einer Haut so weiß wie Schnee, Lippen so rot wie Blut und Haar so schwarz wie Ebenholz“ geboren wird.
Hierbei ist es zunächst gar nicht entscheidend, ob wir uns nun tatsächlich „vor Wut Schwarz ärgern könnten“, weil rational betrachtet ein solcher Prozess nicht stattfinden würde. Es geht viel eher darum, durch Farben und damit verknüpfte Eigenschaften, den eigenen Gemütszustand zu untermalen. Es macht einen Unterschied, ob wir sagen: „Ich bin heute wütend“ oder „Ich hätte mich vor Wut fast Schwarz geärgert“, denn diese unscheinbare Verknüpfung mit einem Farbvergleich zeigt dem Gegenüber, wie stark die Wut in Ihnen wirklich war.
So wissen wir doch alle ganz genau, dass niemand mit blutroten Lippen, einer schneeweißen Haut und ebenholzfarbenen Haaren dahergelaufen käme, da Lippen nie ohne passende Kosmetika blutrot sind oder eine Haut nicht schneeweiß sein kann. Aber durch genau diese Beschreibung bekommen wir direkt bei den ersten Zeilen des Märchens ein klares Bild von der Hauptfigur in unserem Kopf und davon, wie jene wohl in etwa aussehen würde.
Sie sehen, Assoziationen sind nichts weiter als die obligatorische Eselsbrücke, mit der wir uns leichter ausdrücken und erklären können.
Welche Farbassoziationen gibt es im Alltag?
Es gelingt auch sehr gut im Alltag, zum Beispiel beim Einkauf. Stellen Sie sich vor, es gibt im Supermarkt drei Sorten von Tee, alle Packungen sind grün, aber immer mit anderen Schattierungen. Nun sollen Sie einer Bekannten, die für Sie einkaufen geht, erklären, welche Sorte sie kaufen muss. Die Assoziation, so grün wie Pistazien oder eher so grün wie das neue dunkelgrüne Auto auf dem Hof des Nachbarn, helfen Ihnen, klare Eingrenzungen zu schaffen, damit Ihre Bekannte, die Pistazien kennt, sofort weiß, die Packung in dem pistaziengrün ist die richtige Wahl.
Im Umkehrverfahren ist es schwierig für unser Gehirn, Dinge als schön oder richtig zu empfinden, die farblich nicht zu den Assoziationen passen, die ihnen seit Generationen zugeordnet wurden. Oder würden Sie nicht staunen, wenn Schneewittchen plötzlich zartrosa Lippen und haselnussbraunes Haar hätte? Wenn der Erdbeertee als Verpackungsfarbe plötzlich gelb hat und die Zitronenlimonade in rote Flaschen abgefüllt wird?
Hinweis: In Lebensmittelgeschäften werden Farbassoziationen bewusst eingesetzt, um zum Beispiel durch die satten Farben von roten Äpfeln den Appetit der Kunden anzuregen und deren Lust auf den Verzehr von Obst zu wecken, was verkaufsfördernd ist.
Welche Aufgabe haben Farbassoziationen
Assoziationen dienen als eine Gedankenstütze, die uns hilft…
- Dinge klar einzuordnen
- Beschreibungen besser nachvollziehen
- Anderen Menschen gegenüber bei Abwesenheit Dinge oder Erlebnisse besser erklären zu können
Gleichzeitig unterstützen sie uns darin, Emotionen aufzubauen. Menschen, die sich zum Beispiel nicht gut verständigen können, zum Teil vielleicht auch aus gesundheitlichen Gründen, haben durch entsprechende Assoziationen eine Basis, anderen begreiflich zu machen, was sie vermitteln wollen.
Welche bekannten Farbassoziationen gibt es?
Farbassoziationen gibt es in unzähliger Ausführung. Wir möchten Ihnen nachfolgend ein paar klassische Beispiele vorstellen, die uns allen bekannt sein dürften.
Dazu gehören:
1. „Schwarz sehen“
Bei dieser Assoziation geht es um eine Krise, in welcher jemand steckt und aus der er vermeintlich keinen Ausweg sieht/keine Hoffnung hat. Er sieht schwarz, weil schwarz oftmals mit Dunkelheit, Trostlosigkeit und weiteren negativen Dingen in Verbindung gebracht wird.
2. „die rosarote Brille“
Rosarot wird mit Leichtigkeit, Liebe, positiven Emotionen und einer gewissen Naivität verbunden. Daher versinnbildlicht die „rosarote Brille“, dass jemand durch seine Emotionen für eine Person, die Begeisterungsfähigkeit für ein Ereignis oder eine aktuelle Gefühlslage nicht fähig ist, rational zu denken und die offensichtlich-negativen Aspekte zu erkennen sowie einschätzen zu können.
3. „Der goldene Käfig“
Gold wird seit jeher mit Prunk, Reichtum, Macht und Wohlstand zusammengesetzt. Der Käfig hingegen ist das Gefängnis, welches jemandem die Freiheit raubt. Somit bezieht sich diese Assoziation darauf, trotz dem offensichtlich vorhandenen Glück auf materieller Ebene, nicht frei sein zu können. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich und können von gesellschaftlichem Rang sein oder eine persönliche Situation beschreiben.
Gibt es Farbassoziationen in der medialen Welt?
Ja, denn unsere Medien sind regelrecht überflutet von Farbassoziationen. So gibt es das bekannte Kinderlied „A, B, C – die Katz, die lief im Schnee“, in dessen Text eine Katze im Schnee herumtollt und bei ihrer Rückkehr nach Hause „weiße Stiefel“ anhat. Auch Stephen King, als einer der bekanntesten Buchautoren nutzte Assoziationen für einen seiner finstersten Charaktere „den scharlachroten König“, während auch das Buch und der Film „The Green Mile“ die Farbe „Grün“ in Bezug auf den grünen Boden des Todestraktes im Gefängnis Cold Mountain bekam, wodurch das Werk seinen Namen erhielt.
Wonach wählt man Farbassoziationen?
Eine Farbassoziation ist immer das Ergebnis von naheliegenden, bereits bekannten Eigenschaften, äußeren Merkmalen oder eben Farben, mit denen sich ein bestimmtes neues Element am einfachsten beschreiben lässt. Dabei wählen Sie die Farbassoziation meistens auf Basis von zwei unterschiedlichen Kriterien aus:
- Ihrem eigenen Empfinden, wie etwas aussieht oder auf Sie wirkt
- bekannten Faktoren, die von der Allgemeinheit schnell verstanden und mit dem Element, welches Sie beschreiben wollen, verknüpft werden können.
Beispiel:
„der Raum war sonnengelb gestrichen“
Mit dieser Aussage würden Sie jedem verständlich vermitteln, in welchem Farbenbereich das Zimmer erstrahlt, von welchem Sie sprechen. So transportieren Sie nicht nur ein klares, visuelles Bild zu Ihrem Gegenüber, sondern auch eine Emotion, die damit verbunden ist. In diesem Falle die positive, unbeschwerte, sommerliche Schwingung, die eine Sonne als Symbol in uns weckt.
Beispiel 2:
„der Raum war hellgelb gestrichen“
So könnte sich natürlich auch jeder ein Bild davon, wie das Zimmer aussieht, jedoch nicht, wie es auf Sie wirkt oder wie die Farbe wirklich aussieht. Hellgelb ist sehr dehnbar und könnte von fast weiß bis hin zu „neonfarben“ alles meinen.
Hinweis: Jeder nimmt Farben anders wahr. Das bedeutet, wenn Sie etwas mit der Assoziation „sonnengelb“ beschreiben, könnte es bei einem Menschen ein kräftiges gelb sein, welches an einen Urlaub im Süden erinnert und bei einem anderen Zuhörer ein zart-blasses Gelb werden, welches Gedanken an einen beschaulichen Frühlingstag im eigenen kleinen Garten weckt.
Lassen sich Farbassoziationen verändern?
Nein, einmal erlernte Verbindungen zwischen Farben und Emotionen/Gegenständen sind meist sehr schwer von außen veränderbar. Das heißt, wenn Sie von Kindesbeinen an gelernt haben, dass die Minztorte Ihrer Großmutter eine hellgrüne Farbe hat, wird es schwierig sein, Ihr im Gehirn verankertes Bild dieser Torte durch einen Außenstehenden zu verändern. Würde nun jemand sagen, eine Minztorte ist dunkelgrün, wäre dies für Sie befremdlich oder sogar falsch und es würde Ihnen schwerfallen, vor Ihrem inneren Auge ein entsprechendes Bild zu sehen.
Anders verhält es sich mit unserem eigenen Einfluss auf die Farbassoziation, denn hier ließe sich durchaus etwas verändern. Haben Sie bisher die rote Erdbeerlimonade Ihrer Tante immer mit Freude, unbeschwerten Ferien und Spaß verknüpft, erleben nun allerdings einen heftigen Streit mit dieser Tante, während Sie vielleicht die Erdbeerlimonade abholen wollten, könnte dies fortan Ihre Wahrnehmung ändern. Dann verknüpft Ihr Gehirn die rote Erdbeerlimonade nicht mehr mit positiven, sondern negativen Gedanken an diesen Streit.
Wie entstehen Farbassoziationen?
Oft werden Farbassoziationen von der Gesellschaft bereits indirekt vorgegeben. Zum Beispiel, indem wir in den Medien immer wieder ein Bild von einer Verpackung in einem bestimmten fliederton sehen, welche zu einem Lavendelprodukt gehört. Irgendwann würden wir bei einer Farbbeschreibung wahrscheinlich antworten, so ein „lavendelflieder“ wie in der Werbung für Produkt XY. Gleichermaßen erleben wir Assoziationen durch Geschichten, in denen man durch exakte Vergleiche wie „der Bär trug grasgrüne Schuhe“ oder „das Opfer war weiß wie die Wand“ der Fantasie des Zuhörers/Lesers kaum Freiraum gibt, sondern so deutlich wie nur möglich versucht, ein festes Bild zu transportieren. Farbassoziationen suchen wir uns daher nicht immer nach unserem Belieben aus. Stattdessen sind sie in einer Vielzahl vorhanden, die uns oft vorgelebt und von uns übernommen werden.
Welche Farbassoziationen gibt es?
- Rot
Positive Verknüpfungen = Liebe, Energie, Leidenschaft, Tatendrang
Negative Verknüpfungen = Blut, Zorn, Feuer, Gefahren
Tipp: Rot dient außerdem als Warnfarbe, denn wir verknüpfen sie mit dem STOPP des Stoppschilds und damit, besonders aufmerksam/vorsichtig zu sein.
- Blau
Positive Verknüpfung = Kompetenz, Gelassenheit, Entspannung, Freiheit (wie das Meer)
Negative Verknüpfung = Distanziertheit, Kälte, Unnahbarkeit
- Grün
Positive Verknüpfung = Lebendigkeit (durch die Nähe zur Natur), Natürlichkeit, Bodenständigkeit, Hoffnung
Negative Verknüpfung = Unwohlsein/Übelkeit, Gift
- Gelb
Positive Verknüpfung = Sonne, Lebensfreude/energie, Warmherzigkeit, Fröhlichkeit
Negative Verknüpfung = Neid, Falschheit
- Schwarz
Positive Verknüpfung = Seriosität, Eleganz, Beständigkeit, Schlichtheit
Negative Verknüpfung = Tod, Unglück, Bedrohung, Boshaftigkeit, Leere/Hoffnungslosigkeit
- Weiß
Positive Verknüpfung = Reinheit, Unschuld, Helligkeit, etwas Erhabenes/Göttliches
Negative Verknüpfung = Geister, Kälte, Gefühllosigkeit, Realitätsfremde, Wahnhaftigkeit
Können Farbassoziationen auf den Körper wirken?
Ja, manche Farben besitzen zugleich eine starke Wirkung auf unseren Körper. So besitzen warme Farbgruppen wie rot, orange oder gelb eher einen anziehenden Effekt und vermitteln uns Geborgenheit, Wärme, Schutz oder Liebe. Sie spenden uns Energie und Kraft, regen zugleich aber auch unsere Leidenschaft und das Temperament an. Kalte Farbgruppen wie blau geben uns hingegen das Gefühl von Ruhe, Erholung und Beständigkeit. Dieses Zusammenspiel von psychologischem und physiologischem Reiz ist bereits erwiesen worden.
Wie wende ich Farbassoziationen an?
Um Farbassoziationen richtig anwenden zu können, sollten Sie sich zunächst mit der Entstehung und Bedeutung von Farben auseinandersetzen. Dies gelingt Ihnen zum Einen durch passende Literatur, zum anderen durch eine fundierte Online Ausbildung zum Thema Farbtherapeut/in So bekommen Sie alle notwendigen Informationen anschaulich und qualitativ hochwertig, um sich bestmöglich online weiterbilden zu können. Lernen Sie dabei zeitlich flexibel und ortsungebunden, sodass Sie die maximale Freiheit bei Ihrem Online Lehrgang Farbtherapie in Anspruch nehmen. Erst durch die ausführlichen Fachkompetenzen rund um die Entwicklung, die Wirkung und die physiologischen Prozesse in Verbindung mit Farben, können Sie die Farbassoziationen korrekt sowie zielführend im Alltag oder Beruf nutzen.
Auf diese Weise gelingt es Ihnen, nicht nur mit Worten, sondern auch mit Farben als Kommunikationsmittel zu arbeiten, um bestmöglich mit Ihrer Umwelt im Kontakt zu bleiben.
